(7.95905°, 112.63750°)

Und wieder gibt es einen bunten Stadtteil. Während auf einer Seite einer großen Brücke die Häuser in Brausestaberlfarben gehalten sind, sind auf der anderen Seite alle Häuser blau. Inzwischen etwas verwittert und abgewaschen. Die Besonderheit hier, auch die Dächer sind mit angemalt. Wir zahlen gerne einen kleinen Obulus, um durch die engen Gassen und Treppen zu streifen. Gut so, so haben die Anwohner nicht nur Belästigung, sondern freuen sich über die Besucher. Denn Wohlstand ist hier noch nicht angekommen. Dafür scheint hier ein besonderer sozialer Zusammenhalt zu sein, die Kids haben Spaß Drachen steigen zu lassen und die Menschen sind freundlich zugewandt und entspannt. Ich suche mir alsbald ein Plätzchen zum Zeichnen. Natürlich ist die Szenerie der Horror für jeden urban sketcher, weil Details und realistisches Wiedergeben von dieser Unmenge an Formen, Farben, Schattierungen unmöglich in kurzer Zeit festzuhalten ist. Drei Tage Zeit und eine Leinwand mit Acrylfarben wären geeigneter. Nun ja, so wird das Ganze bei mir eine sehr schnodderige Skizze, an der ich dennoch eine Stunde sitze (auf instagramm zu finden unter: petra_dorkenwald).

Abends treffen wir bei einer Icetea- und Smoothiediele auf ein junges indonesisch/deutsches Paar und verbringen gleich einen supernetten Abend zusammen. Sie erzählt, wie die Lebensumstände für die meisten Indonesier aussehen: arbeiten von morgens bis abends. Kein Gedanke an Ferien, Reisen, Ausflüge. Dafür fehlt das Geld. An Feiertagen und am Wochenende wird oft trotzdem gearbeitet, um vielleicht zusätzlich noch etwas zu verdienen. Viele Javaner essen nur ein Mal im Jahr Fleisch, nämlich in diesem Jahr genau übermorgen, zum Opferfest Idul Atha. Die, die es sich leisten können, bestellen Tiere oder Stücke davon und bereiten für alle in der Nachbarschaft ein Essen. Insbesondere für die Ärmeren. Trotz der schwierigen Umstände sind die Menschen dennoch positiv, oder besser gesagt, gerade deshalb. Sonst wäre es wohl noch mühseliger. Negativen Themen gibt man keinen Raum. So aber gibt die Gemeinschaft und der Glaube Halt und Vertrauen und zum Wesen der Gläubigen gehört besonders Geduld, Zurückhaltung und Genügsamkeit. Schon sehr anders als bei uns. 

Es gäbe mehr dazu zu sagen, aber das behält man hier besser für sich.