(8.48227°, 115.43857°)

Petra:

Mein iPhone erstellt mir automatisch Rückblicke aus meinen Bildern. Erinnerungen von den vergangenen Monaten, von den durchreisten Ländern und einer anderen Welt blubbern empor. Ergreifend, wo wir im letzten Jahr überall gewesen sind. Bilder, die für ein ganzes Leben reichen. Unglaublich, unser Weg über den Kontinent. Vor ziemlich genau einem Jahr noch, hatten wir gerade unsere türkische Detox-Kur beendet und waren nach Pamukkale geradelt. Jetzt überlegen wir uns, welches wohl der östlichste Punkt unserer Reise werden wird, bevor wir Richtung Europa umkehren. Oder sollen wir noch weiter nach Neuseeland, Australien? Die Kultur dort reizt uns wenig und auch die Kosten mit unserer Art zu reisen, würden dort in die Höhe schnellen. Hier in Äquatornähe sind die Temperaturen angenehm, auf der nördlichen Halbkugel wird es in den südostasiatischen Ländern vielfach unerträglich heiß.

Wir lassen uns in Sidemen für ein paar Tage nieder. Auszeit von Verkehr und ständigem Ortswechsel. Das kleine Resort mit individuellen Holzhäusern zwischen Hügeln und Reisterassen erinnert an gepflegte oberbayrische Ferienhäuser. Auch mal erholsam. Gutes Essen und viele Möglichkeiten für Ausflüge zu Fuß, per Radl oder Motorroller. Die kleinen Straßen sind von hinduistischen Tempeln gesäumt und wegen des anderen Glaubens gibt es speziell hier auf der Insel viel mehr blühende Bäume und Blumen, als auf Java. Zum einen benötigt man die Blüten für die täglichen Opfergaben in den Tempeln – und jedes Haus hat einen eigenen Opferschrein – aber auch kulturell gelten hier Blumen mit ihrem Duft und ihrer Farbe als rein oder reinigend. Frangipani, Hibiskus und Jasmin wachsen in praktisch jedem Garten. Man ehrt die Verbindung zwischen Mensch und Pflanze, indem auch extra Stoffe um Bäume umgebunden werden. 

Tags darauf wandern wir durch die Reisfelder. In Komoot wird eine Tour gefunden, die direkt vor unserer Unterkunft vorbei führt. Aber wie immer das so ist, mit Touren aus dem Internet, es birgt ein Risiko. In diesem Fall ist ein Teil der Wege schon lange nicht mehr begangen und zugewachsen. Mit den kleinen Kanälen an jeder Feldterasse recht tricky. Jeder von uns versenkt seine Schuhe im Wasser, aber wir kommen ohne Schäden und Schlangenbisse durch. Im nächstgelegenem Ort angekommen, bin ich heilfroh, dass unser Familienbetrieb ein ruhiger, paradiesischer Platz ist. Es ist insgesamt schon eine schöne Ecke hier, aber wir haben das große Los gezogen.

Schorsch:

Direkt vom Fleck weg kann man laut Komoot Wanderungen durch die Reisfelder starten. Tun wir auch. Aber erst ein Pausentag.

Der Wanderweg ist so, wie ich es mir nicht vorgestellt hab. Die Wege durch die Reisfelder sind fast nicht zu erkennen. Nur mit der Route auf dem GPS zu erahnen. Mit Stöcken, ähnlich Blindenstöcken – mein massiver Selfiestick muss wieder herhalten – klöpfeln wir uns durchs hohe Gras. Soll Schlangen warnen, so dass die rechtzeitig abzischen. Klar bin ich auch wegen handtellergroßen Spinnen besorgt. Weder Schlange noch Spinne lassen jedoch meine Haare weiter ergrauen. Dafür sehr schön gepflegte Felder und immer mal wieder an den Hängen hingebickte oder zwischen den Bäumen hervorguckende, schöne Holzhäuser. Wahrscheinlich Urlaubsresorts oder private Anwesen. Irgendwann gehts sogar einen breiteren und markierten Weg entlang, über eine Brücke und in die kleine Stadt Sidemen. Da gibts auch dann lecker was zu essen. Einige westliche Touris hier. Kein Wunder. Tolle Gegend, tolle Unterkünfte. Zurück geht’s fast den selben Weg. Haargenau finden wir ihn nicht. Nur die selben Bäche und Sumpfpfützen, die mein Schuhwerk wieder zum watscheln bringen, finden wir wieder. Bin besorgt mich zu verlaufen und bei Dunkelheit in einer Schlangengrube zu enden. Unnötig. Lande noch vor Dämmerung im entspannenden Pool.