(41.4264681, 75.9833594) (41.2896166, 74.9445955)

Schorsch:

Wer hier eine Panne hat, hat’s doof. So wie wir. Mitten drin schon wieder einen Platten. Und auf 3200 Meter Höhe kann’s schon mal Schneetreiben haben. So wie jetzt. Im Schlamm und mitten im Kuhmist muss der Ersatzreifen unter dem Auto rausgefuddelt werden. Hab aber schon Übung vom letzten Mal. Weiter geht’s mit schäbigem, sichtbar brüchigen Ersatzrad 40 km auf echt schlechten und nassen Holperpisten zum nächsten Dorf. Nun ohne Ersatzreifen. Könnte jetzt Beruhungsmittel gebrauchen. Bei einem weiteren Platten, ich weiß nicht, was wäre dann? Hier ist sonst keiner, außer Hirten zu Pferde. Wir schaffen’s. Und sogar einen Reifenflicker hat’s. Genau da ist dann auch gleich ein weiterer Reifen platt. Tatsächlich mächtig Glück gehabt. Jetzt bin ich schon verunsichert, was die weiteren Routen betrifft. Mag garnichtmehr weit in die Abgeschiedenheit vordringen. Bleibt aber nix anderes übrig. Mittendrin in der weiten Ferne. 

Das Gemeinschaftsörtchen liegt hinten im Garten, vorbei an weiten Blumenbeeten und langen Gemüseanpflanzungen – ein Plumpsklo. Wenigstens fröhlich orange angepinselt. Zur Geisterstunde in einem mitternächtlichen Blasendrucktraum werde ich auf dem Weg dorthin zuerst von einer giftigen Schlange gebissen, dann gleich noch vor ich daran elend zugrunde gehe, von einem stattlichen Schneeleoparden gefressen. Beides war dann aber doch nicht, als ich mich dann mit Stirnlampe vorsichtig hinschlich. Alles in allem, gruselig war’s dann schon.

Nun die Statistik. 2000 km mit dem Allrad. Davon 50 % ungeteerte zum Teil steile Auf- und Abfahrten. Petra: 1 Strafe wegen Überholen im Überholverbot. 4 Löcher in den Reifen, davon 3 Plattfüße. 

Schorschi: Eine Hose, eine Daunenjacke, ein Hemd und ein Paar Schuhe total eingeschlammt beim mehrmaligem Reifenwechsel.

Ab jetzt soll deshalb bloß noch ich fahren, sagt se.

Petra:

Einerseits war das nicht der beste Tag gestern: das Wetter verhangen und regnerisch; Tash Rabat, eine der wichtigsten kulturellen Stätten Kirgistans verschlossen, das kulturelle Erbe mit Wellblechdach geschützt; irgendwie verpassen wir den richtigen Weg und landen auf einer groben Baustellenstraße der Chinesen, die hier eine Eisenbahntrasse durch die Berge donnern; dann ein Platten fast auf Passhöhe bei Schlammstraße unter Graupelniesel und 40 km später ein weiterer Platten. Die Toilette unserer Herberge liegt 30 m vom Haus abgelegen im Garten, Plumpsklo mit Aussparung im Bretterboden.

Aber andererseits: hin und wieder bricht die Sonne durch, wie in den Bergen bei Tash Rabat oder an der schönsten Panoramastelle und Schorsch kann seine Drohne starten. Ich entdecke den Platten just dort und wir stehen einigermaßen eben. Später lotst uns ein chinesischer Fahrer durch das Baustellellabyrinth auf die richtige Route. In unserem geplanten Ankunftsort entdecke ich eine Reifenwerkstatt für LKWs, die uns 150 m weiter zu einer unscheinbaren 1-Mann-Werkstatt für PKW Reifen verweist, die wir sonst nie entdeckt hätten. Genau da entdecke ich, dass der nächste Reifen Luft verliert. Weil Schorsch mit seinen verschlammten Klamotten aussieht als wäre er verunfallt, hält ein Kirgise mit passablen Englischkenntnissen neben uns an und hilft beim Reifenmann. Schorsch demontiert also gleich zwei kaputte Reifen, die wir auch zügig geflickt bekommen. Das Abendessen ums Eck ist lecker und die spätere Dusche bietet gut regulierbares Warmwasser (das ist hier beileibe nicht selbstverständlich). Auch wenn das Klo mit Abstrichen versehen ist, das Frühstück ist lecker, es gibt Kaffee, Obst und Gemüse sind frisch aus dem eigenen Garten.

Und dann – abends war auch noch ein weiterer Gast angekommen. Ein durchnässter neuseeländischer Bikepacker. Wie war wohl dessen Wohlfühlskala bei diesem Wetter? Schlimmer noch seine Radlfreunde, die oben am Songköl in Sturm und Gewitter eine schreckliche und eiskalte Nacht im Zelt verbringen mussten. 

So gesehen: ein fast perfekter Tag bei uns!