(41.37720°, 60.36463°)(41.26793°, 69.22717°)
Mit 180 km/h flitzen wir mit dem Schnellzug 1000 km durchs Land. Mehr oder weniger die gleiche Route, die wir geradelt waren. Irgendwo nach Yangiyer biegen wir nach Norden weg.
Unser Kapitel in Zentralasien neigt sich dem Ende zu. Im Vorbeifahren mit Blick auf die usbekischen Dörfer versuche ich mich an die hier typischen Dinge zu erinnern.
Die Landwirtschaft funktioniert quasi nur mit Bewässerung, mit dem Wasser aus dem Pamir. Baumwollfelder überall, dazwischen auch mal Mais und Obstbäume. Die Männer tragen bestickte schwarze quadratische Kappen. Junge Männer tragen ordentliche schwarze Hosen, weißes Hemd und schwarzes Sacko. Propper. Keiner läuft schlampig rum. Freitags geht es zum Friseur. Mit 22 ist hier allerhöchste Zeit eine Familie zu gründen. Bevor sie einem Mädchen ihr Versprechen geben, müssen sie Arbeit finden und Geld verdienen. Und sie wollen arbeiten, denn die Sehnsucht nach einer Frau ist groß. Die Frauen lieben golddurchwirkte Stoffe und ja, seltsamerweise zu kleine Schlappen. Kopftuch und lange Gewänder sind üblich und alles sollte recht auffällig gemustert sein. Je mehr man in die Wüste kommt, desto verwegener und bunter wird es.
Neben den Schokoriegeln liegen als Snack Trockenyoghurtbällchen aus. Das wäre bei uns auch eine gesündere Variante. Die Gerichte in den Restaurants oder Cafés sind lecker, vorallem wenn mit frischen Dill (Koriander bestellen wir immer ab), aber Plov, Schaschlik, Suppen und andere Gerichte salzen wir immmer nach. Gewürzt wird mäßig. Und sehr seltsam und je nach Situation recht unglücklich: bei 50% der Bestellungen wird etwas vergessen. Manchmal sogar das Hauptgericht. Oder die Hälfte der Gerichte auf der Karte gibt es nicht. Oder die Beilage kommt 1/4 Stunde vor der dazugehörigen Speise.
Allgemein scheint das Land gerade sehr im Umbruch. Es wird überall groß gebaut, in den Dörfern und an den privaten Häusern renoviert und ausgebessert. Alte Fenster aus Holz sind inzwischen Seltenheit. Mit dem „klassizistisch“ oder „barock“ verbrämten modernen Baustil, der zu Pomp und Angeberei neigt, kann ich nicht viel anfangen. Das sind Regierungsgebäude, Hotels und vorallem große Festhallen, in denen wahrscheinlich Hochzeitsfeiern stattfinden. Viel Glasfassade, eingerahmt von dorischen Säulen.
Durch die normalen Dörfer hier zu radeln, und die Landschaft zu durchziehen – wenngleich unspektakulär – war das eigentlich schöne Erlebnis. Klar, die phantastischen Bauten der Temuriden, die Medresen (Koranschulen), die Moscheen, Tims und Toqs (Markthallen, Kuppelbazare) sind umwerfend schön. Eine sensationelle Kulturblüte. Diese gigantischen Fassaden, die millionenfachen Majoliken sind natürlich auch Ausdruck von Macht, das Geld dafür brutal errungen, Sklaven wurden für den Bau misbraucht.
Wirklich berührt hat uns aber die ehrliche Freundlichkeit der Menschen vorallem auf dem Land. Das macht Usbekistan aus.




