Schorschis Senf:

Sooo! Letzte Nacht haben wir zum ersten Mal unsere Moskitonetz-Zelte im Bett aufgeschlagen. Die Nacht zuvor haben Petra einige der Biester gestochen und schwer um den Schlaf gebracht. Mich hat Petra schwer um den Schlaf gebracht. Mich mögen die hier scheinbar nicht, oder bevorzugen das Mädchenblut. Immer wieder patscht sie mit Schlappschuh die Wände und Decken entlang, Stuhl und Bett rauf und runter, strecken, dehnen und suchen. Und mich aufwecken. So, dass ich mit feuchtem Handtuch bewaffnet auch auf die Jagd gehe. Das Handtuch hat den Vorteil, ich kann, wenn ich eine Mücke erwische, auch gleich Petras Blut wegwischen. Und wenn die Dame letztendlich resigniert, mit Imkerhut und in Decken eingewickelt, hab ich doch Sorge ins Visier der Plage zu geraten und schlaf dann auch eingehüllt und garnicht so gut. Daher schlummern wir jetzt wie in Abrahams Schoß unter feinmaschigem Kuppelzelt. Und ganz nett! Morgens unterm Zelt noch dösend, die Moskitos die außen am Stoff hängen, wegschnippen. 

Etwas ausgeruhter als gestern, also, soll’s zum sogenannten Schmetterlingstal und zu einem blumenbestückten Dorf, quer über die Insel, gehen. Dazu wird ein Auto benötigt. Und außerdem waren wir vorgestern, zur Mittagspause der Mönche in einem Kloster. Das hatte zu, soll aber eine sehenswerte Kirche haben. Erstes Ziel – Ιερά Μονή Μεγάλης Παναγιάς Σάμου . Extraviel alte Wand- und Deckenmalereien, und aufwändige Bilder (guckst du Fotos). Und die Mönche dort renovieren wohl fleißig. Sieht alles gepflegt aus. Zwei hab ich entdeckt. Der eine guckt der andere telefoniert. Und eine riiiiiießige Spinne hab ich auch entdeckt. Bin ab jetzt vorsichtiger und gleichwieder erstrahlt mein tolles Moskitonetz Zelt in einem noch hellerem Licht. 

Über schlingerige Bergstraßen gehts zur anderen Inselseite. Ok, schön bewaldet und dschungelig ists schon. Schmetterlinge hat Petra einen gesehen. Das Blumendorf klebt steil am Hang und ist, was Blumen betrifft, nicht außerordentlich hervorstechend. Aber wer gerne wandert, ist hier richtig. Zahlreiche Wanderwege sind ausgeschildert und führen bestimmt entlang schön schattiger Bergpfade. Ansonsten ist der südwestliche Teil der Insel eigentlich fast tourifrei. 

Petra:

Wir wollen heute ein Tal und Bergdorf besuchen, das weiter weg liegt. Also holen wir uns nochmal einen kleinen Mietwagen. Auf den Inseln gibt es die Verleiher wie Sand am Meer.

Weil vorgestern das Kloster geschlossen war, wird der Besuch heute nachgeholt. Und ich bin echt tief beeindruckt vom Inneren der Kirche, an dessen Wänden kein Zentimeter unbemalt oder nicht verziert ist – von der Bodenplatte bis zum höchsten Punkt der Kuppel. 

Ich sehe die Maler und Künstler des Mittelalters förmlich vor mir, wie sie bei Kerzenlicht auf Gerüsten sitzend, stehend, liegend und kopfüber arbeitend Tag für Tag ihrer Arbeit nachgehen. Dabei muss der Malstrich eines jeden zu den Malstrichen der anderen identisch sein. Farbpigmente wurden zerrieben, mit Eibestandteilen und Wasser zu einer kreidigen Malfarbe verrührt, die eher dickflüssig und deswegen schwierig für die Ausführung genauer Details ist. Mein Illustratorenherz schlägt schwer, bei solchen Gedanken.

Einer entwarf vielleicht das Konzept, die Vorzeichnung. Dann gab es womöglich den Spezialisten für die Gesichter, den für den Faltenwurf, den für die Muster. Und waren das dann alle die Mönche selbst? Und 500 Jahre hat es gehalten!

Dabei ist zu erwähnen, dass wir auch viele neue Kirchen in Griechenland gesehen haben, die ebenso umwerfend schön innen bemalt sind. Und in jedem Dorf gibt es neuere Kapellen, an den Straßenrändern vielfach Stelen mit kleinen aufgesetzten Kirchen oder kleinen Altären. Die Menschen sind hier noch sehr dem Glauben verbunden und halten ihre orthodoxe Kirche lebendig. Immer wieder sieht man Fußgänger, die sich vor einer Kirche bekreuzigen.