Petra:
Yeah – endlich wieder mit Sack und Pack unterwegs. Die ersten Höhenmeter strampeln wir souverän weg, aber Warnweste und Schwimmnudel quer am Rad sind auf jeden Fall nötig, damit Autofahrer, LKWs und die kleinen Überlandbusse guten Abstand halten.
Nach dem Anstieg wird Schorsch auf eine harte Probe gestellt. In einem Dorf reihen sich Brotläden, mit Frauen, die im brennenden Holzofen frisches Fladenbrot backen oder noch den Teig vor unseren Augen zu dünnen Durümfladen walzen. Mir kam die Tage die Idee, ich müsste mir ein Parfum basteln, das nach frisch gebackenen Semmeln oder Brezn duftet, das wäre für meinen Gatten wohl die grösste Verführung.
Danach folgen wir einer kleine Landstraße, mit wenig Verkehr, die sich leicht kurvig entlang der Berge zieht und kommen immer weiter in ländliches Gebiet. Einfache Ortschaften, schmucklos und teilweise ziemlich runtergekommen. Einzig die offenen Kaffeehäuser in denen ausschließlich Männer sitzen, oder Gartenimbisse die gemischt besucht sind, wirken irgendwie „sixties“, wie in der Zeit stehengeblieben und recht sympatisch.
Später setzt noch richtig starker Rückenwind ein, so dass die heutige Etappe mit 78 km bis Aydin, locker zu treten ist. Wir beziehen ein nettes Hotel im Zentrum und flanieren später durch die vollkommen untouristische Stadt. Dennoch gibt es coole Modegeschäfte und in den unzähligen Handyläden sind Cases mit Applelogo der Renner. Witzigerweise tragen die großen Palmen der Avenue alle grüne Mäntel aus grünen Ranken. Mein Vorhaben, weiter vegetarisch zu essen, zerplatzt am ersten Abend wie eine Seifenblase. Schwierig – weniger, weil ich anderes essen möchte, vielmehr ist dergleichen nicht zu finden.
Schorschs Senf:
Jetzt geht’s wieder los mit Radln. Bis nach Pamukale wollen wir treten. Es ist noch völlig unklar, welche Straßen und Verkehrsverhältnisse uns erwarten. Volle Straßen mit lauter rücksichtslosen LKWs? So dass wir auf Schotterwege ausweichen müssen? Ich hab zwar schon versucht, kleine aber asphaltierte Straßen mit BaseCamp und den OpenMTB Maps zu planen. Und habe sogar die geplante Route als KLX-Datei für GoogleMaps aus BaseCamp extrahiert und dort geladen. Danach sollte eigentlich nicht arg viel Verkehr sein. Auf dem Satellitenbild siehts gut aus. Wenig Verkehr und kein Schotter. Man wird sehen. Zunächst aber, stehen wir, weil auch die letzten zwei Wochen schon, um 5:40 Uhr auf und dehnen und strecken und wirbeln den guttuenden Morgensport mit. Nur anstatt der Wanderung packen wir unseren Kram wieder gut und optimal platzsparend in unsere 2 x 35 Liter fassenden Packtaschen und den Rucksack. Von wegen Rucksack: Die letzten zwei Wochen im der Turn- und Abnehmklausur hab ich mir etwa 5 kg abgerungen und nochmal 300 g weil ich Taucherbrille und Schnorchel dem netten Pärchen aus Bad Aibling ins Gepäck mitgeben konnte. Tatsächlich ist auch meine Gesamtbewegungsfähigkeit etwas verbessert und der ab-und-zu Schmerz in der Lendenwirbel ist gerade ausgeflogen. Gut so! Und der Bewegungs- und Ernährungsguro (in Hamburg ausgebildeter Physiotherapeut) der Anstalt gibt mir noch Tipps wie ich mich unterwegs nach Verspannungen wieder aufpäpple. Und Klar! Von selber geht’s nicht. Muss schon meine morgendlichen Dehnübungen weiter durchziehen. Und mir in Tretpausen mit beiden Händen auf den Hintern klopfen um Verspannungen vom Radeln zu vermeiden. Werd ich also machen, hab ich vor. Mal sehen. Aber grundsätzlich ists schon gut, wenn man sich besser fühlt. Und sollt ichs vergessen und wieder schlapp und unbeweglich sein, kann ich’s dann hier nachlesen, das es fein ist, unverspannt und etwas leichter zu sein.
Wir packen bis zum Frühstück. Diesmal schon nicht nur Salat, sondern auch Käse und Eier. Der Magen soll ja nicht unvorbereitet sein, auf die türkischen Leckereien.
Schon nach den ersten 10 km kommen wir durch ein Dorf, das sich wohl auf die Fahnen geschrieben hat, lecker duftendes Brot direkt in kleinen Holzofenbäckereien am Straßenrand zu backen. Mindesten Fünf Bäckerei innerhalb 200 Meter wollen mich vom Rad holen und duftend zu sich locken. Aber, ich bin nicht verführbar.
Mittags gibt’s tatsächlich auch nur Obst.
Die Straße ist optimal. Relativ wenig Verkehr und unsere Abstandhalter in Form von Schwimmnudeln und Verkehrswarnwesten Marke „Müllabfuhr“ verrichten ihren Dienst und wir sind sofort als wahnsinnige Touristen auf dem Radl zu identifizieren und Fahrerin/Fahrer hält Abstand. Nur oft ertönt ein fröhliches Hupen zur Begrüßung.
Tatsächlich treten wir 78 km locker bis Aydin. Eventuell auch weil uns Rückenwind vor sich hertreibt. Weites Tal und die Berge rechts und links werden langsam höher. In den landwirtschaftlich geprägten Dörfer unterwegs würden wir keine Hotels oder irgendeine Unterkunft finden.
Aydin ist ein belebtes modernes Städtchen, so finde ich. Ohne erkennbaren Tourismus, also unverdorben. Nix erinnert an die Türkei, wie ich sie vor etwa 35 Jahren auf einer Motorradtour kennengelernt hatte. Alle sind modern angezogen und auch Frauen prägen das Stadtbild. Auf dem Hauptplatz flanieren Familien und in den Kaffees sitzen Frauen in engen Hosen und kurzen Röcken und rauchen und machen wie wild Kussmund Selfies. In den Dörfern unterwegs, ists wie früher. Nur ausschließlich Männer hocken in den Teegärten und ratschen. Ab und zu sieht man auch Frauen bei der Feldarbeit.

















