Es ist ja immer wieder spannend an einem Ort neu anzukommen. Wir haben keinerlei Idee, wie es hier aussieht. Eigentlich erwarten wir Strand und Meer und eine schöne Stadt, da die eigene Tourismuswebsite schwärmerisch klingt.

Zuerst werden aber noch die Bustickets für morgen nach Georgien gekauft. Leider haben wir nur die Wahl zwischen 6 Uhr morgens oder wieder spät abends mit Ankunft nach Mitternacht. Tja, schlafen bis 7 Uhr wird zum Luxus!

Man muss sich das so vorstellen: in den riesigen Busbahnhöfen sind zwischen 15 und 40 Schalter (Ankara), jeweils von verschiedenen Buslinien/-anbietern. Hier gilt es herauszufinden, welche Linie welche Strecke zu welcher Zeit fährt. Logisch sind alle Betreiber auch im Internet, aber bei der türkischen Eingabemaske versagt dann auch das Übersetzungsprogramm. Zum Glück sind die Türken immer hilfsbereit und leiten mich zu den richtigen Ansprechpartnern.

Die Fahrt – mitunter steil bergauf – zum Zentrum der Stadt, läuft an Autowerkstätten, Verschrottungshaufen, Baumaterialläden und einem Hafensperrgebiet entlang. „Wer macht hier Urlaub?“ frägt Schorsch.

Auf dem Meydan, ein grüner Platz, umrahmt mit hübschen gelbockerfarbenen Gebäuden, sehen wir die Antwort. Viele in schwarz gekleidete und teilweise bis auf die Augen verschleierte Frauen. Tourismus aus anderen moslemischen Ländern also. Die Bergregion hier ist grün und kühler, vermutlich ein großer Anreiz. 

Aber die Kopftücher (Hijab), Schleier (Niqab – bis unter die Augen), die langen schulterbedeckenden Kopftücher (Khimar), die Übermäntel (Pardösü) und die Tragweise von all dem ist so unterschiedlich und voller Variationen. Einige tragen die Kopftücher mit Chic und Eleganz (Hijabista), bei anderen blitzen unter dem zweiteiligen Ganzkörperschleier Birkenstockschuhe heraus, unter Pumphosen (Sirwal) leuchten pinkfarbene Crogs. Daneben laufen Mädchen mit bauchfreien Shirts. Kurze Hosen gibt‘s hier allerdings nur bei Männern.

Ich stelle mir das Tragen solcher schwarzen Zeltgewänder bei Hitze nur noch schrecklich vor. Hinzu kommt, dass die Gewänder auf Treppen am Boden schleifen und ich auf Stehklos selbst trotz enger Hosenbeine extrem achtsam bin. Aber wie geht das mit einer Zeltplane?

Zuguterletzt entdecke ich noch einen coolen Schuhputzladen – der eigentlich ein Kunstwerk ist. Und täusche ich mich oder ist es nicht der Schuputzer selbst, auf dem schwarz-weiß Portrait über ihm. Außerdem vermute ich stark, dass die genialen Wandzeichnungen auch von ihm stammen und er eigentlich ein Künstler ohne Aufträge ist. An alle Illustratoren: ja, es könnte schlimmer kommen …