Schorsch:
Irgendwas hat mich gestern niedergestreckt, in die Knie gezwungen. Wohl irgendwas zu Kaltes eingelitert, bei der Hitze. Unruhige Nacht, den ganzen Tag seelig gepennt und wieder unruhige Nacht. Total verspannt, den heute zähen Morgensport gleichschonbald abgebrochen und im Sessel gehangen bis ich um 8:30 endlich zum Frühstück darf. Auchmalwieder Café muss heute sein. Danach noch ein bisschen trödeln und eine gewisse Café-Unruhe und Wärme bringt mich so langsam gleitend in den Vormittag. Mittags traue ich mich so langsam auf die kleine geplante MTB Route. Schon bald weichen die Rücken und Nackenverspannungen der Mühsal beim schottrigem Bergauftreten. An der ausichtsreichen Rundumblickkuppe und dem 0,5 Liter frisch gepresstem, lecker Orangensaft, ist die Aufstiegsmühsal ausgeschwitzt und die Rückenverspannung weichgeknetet. Der Orangenpresser ist nett und fröhlich, hat drei Töchter, was jetzt wohl reicht, sagt er und ist verblüfft dass wir keine Kinder haben. Sein Kumpel hat ne Dönerbude in Ingolstadt. Fühl mich wieder gut und bin für den Weiterverlauf der teilweise steilen Single Trail Route gerüstet.
Mitten auf der Strecke des engen aufwärtstrails ist plötzlich ein weiterer Geränkespezialist unter einer Sonnenschutzplane mit gemütlichen Flezbänken. Er serviert nochmal frischen O-Saft und Apfeltee. Den hatte ich noch als lecker in Erinnerung, von meiner mittlerweile etwa 37 Jahre zurückliegenden Motorradreise. Da waren wir auch in Göreme und sind auf allen Vieren durch enge Höhlengänge gekrochen. Spannend, damals. Von der großen Anzahl an Touristen und Getummle weiß ich nix mehr. Glaub aber, dass das damals bei Weitem ruhiger zuging. An was ich mich auch noch erinner, weil in mein Herz gebrannt: wir standen etwas außerhalb von Göreme, Karte gucken oder so. Da erscheint eine Dame mit Kopftuch und langer Schürze, was man halt so trägt hier, und reicht uns mit freundlicher Geste, kühlen Trinkjogurtnaus wohl eigener Molkerei in der Lehmhütte gegenüber. Diese Gastfreundschaft hat mich damals schon so gerührt, dass ich es gar nicht vergessen mag.
Wie auch immer, der Wirt unter seiner Sonnenplane und sein Kumpel sind auch redseelig und sind verblüfft, dass wir mit dem Radl hier sind. Wollen die Räder gleich begutachten. Der Kumpel mag auch bald mal nach Deutschland und ist kulturell interessiert. Wir raten ab, im Winter die Reise anzutreten, weil zu kalt. Das ist denen garnicht so richtig bewusst, dass die meisten Freuden an Deutschland außerhalb der Winterzeit sind. Da war vor ein paar Tagen schon mal ein Ratsch mit Einem, dem war verblüffend kalt im münchnerischen Dezember.
Fast bald geht’s bergab nach Göreme. Nur noch ein kleiner Zwischenstopp in einem Touribasar beim Eingang zum hiesigen Freilichtmuseum, so halb am Hang und wahrscheinlich auch markanter Viewpoint übers Tal.
Unten in Göreme ist dann Abendessenszeit und die Gästefänger vor den Lokalen locken mit Fangsprüchen. Einer spricht mich gleich auf Deutsch an. Hat er sofort am Outfit erkannt. Nur Deutsche kommen so perfekt mit Helm, Radhose und Radhandschuhen an.
Käme er bei mir daheim vorbei, hätte er auch gleich erkannt, dass er in Deutschland ist. Die Fensterrahmenfarbe überzieht nicht mindesten 2 cm der Glasfläche, das Abdichtsilicon ist glattgestrichen und quillt nicht in dicken Würsten hervor, die Türen sind nicht schief, zwicken nicht oder haben einen so breiten Spalt, dass das Türschloss nicht mehr greift, die Fenster lassen sich ganz öffnen und verkeilen sich nich auf halber Strecke an der Zimmerdecke und Elektrokabelenden haben wenigsten eine Lüsterklemme montiert, so dass keiner einen Schlag bekommen soll.
Petra:
Nur zur Ergänzung der Bildserie.Während Schorsch abends mit der Drohne fotografiert und ich in die Landschaft schaue, ziehen zwei Reiter mit Pferden vorbei (hier gehört Ausreiten zum Tourismusangebot). Just vor meinen Augen scheut eines davon und reißt sich los. Ist aber in Kürze wieder am Bandl.















































