Schorschi:
Hier in Batumi und in Bergen (Norwegen) hat Elena Beridze ihre Hauptwohnsitze und pendelt häufig. Ihres Zeichens „Regenmacherin“ und verantwortlich für die jährliche Niederschlagsmenge von 2400 Liter in Batumi und in Bergen 2250 Liter im Jahr. In Batumi ist sie also etwas häufiger. Und auch gerade jetzt anwesend in der Stadt. In München, zum Vergleich, liegt die durchschnittliche Regenmenge bei 1100 Liter.
Packeln: der Regenkram kommt ganz nach oben, griffbereit, hin. Frühstücken und den arg heftigen Regenguss noch etwas aussitzen, Regenklamotten anziehen und los. Petra verwendet ein Müllsack als Regenhose. Ihre Goretex Klamotte ist im Schritt undicht. Unschöner Gedanke und Phantasiebild. So geht’s los. Und gleich schon, noch in Batumi, hört es momentan auf zu Regnen und das Wetter hält bis es steil bergauf geht. Zunächst die Ausfallstraße entlang raus aus der Stadt. Aber es gibt einen Radweg, wenigsten ein Stückchen weit. Die weiteren Verkehrsteilnehmer sind meist sehr rücksichtsvoll und überholen mit etwas Abstand. Ganz im Gegenteil zur Türkei. Die Rowdies, die nah vorbeischrammen, hört man oft schon ankommen. Das sind die, die einen extralaut getunten Motor stolz hochtourig an uns vorbeijagen, mit Zigarrette im Mundwinkel oder die Kippe gerade auf die Straße schnippend. Ab und zu versuchen wir kleine Wege, die das GPS als gestrichelt darstellt, der Küste entlang. Aber auch dort, hat dann schon ab und zu jemand sein Haus auf den Weg gebaut. Also umdrehen. Auch hat OpenStreetmap nicht mitbekommen, dass der seit Jahren bestehende und in Reiseführern erwähnte und wohl sagenhafte Botanische Garten mitten auf der angezeigten Route liegt und unbefahrbar ist. Einen Wanderweg gibt’s wohl schon. Und nervig! Am Parkeingang will ein Polizei-Wachtl meinen Ausweis sehen. Der ist ordentlich regenfest ganz unten eingepackt. Nach dem Weg gefragt, will er uns auf die Autobahn lotsen, der Schmarrer. Also umkehren, außen rum den Berg hoch. Die Straße ist zunächst klitzeklein und im Regen bedingt juchzig. Wird dann größer und führt dann neben der Autobahn her. Plötzlich ist Riesenstau! es hat den Anschein, dass Teile der Autobahn wegen Unfall gesperrt sind und alle jetzt unsere Nähe suchen. Unangenehm eng und ungemütlich ists schon, die etwa 10 km teilweise recht steil bergauf laufende Straße mit Regen. In der Gegenrichtung ist Stau. So können die Fahrzeuge auf unserer Seite nur bedingt zum überholen ausweichen. Um 3 , so etwa, Pause in einem Café/Restaurant, so ne Art Schnellimbiss. Regenkram ausziehen und klamm hinhocken und lüften. Man/Frau bestellt an der Theke und bekommt dann das Bestellte zum Tisch gebracht. Problem nur! Der Dame ihrs ist abkömmlich! Was nicht der Gesamtssituationsstimmung zuträglich ist. Schmollig verschmäht sie auch etwas von meinem Tellerchen. Irgendwann kommts dann doch und wird weggemampft. Die letzten 25 Km ist’s fast flach und auf Nebenstraßen teilweise der Schwarzmeerküste erlang, durch kleine Siedlungen, an Strandpromenade und Waldgebiete. Alles hat den etwas schrabbeligen Osteuropaflair. Oft mal kleine Wellblech-Kioske, Straßen ohne Gehsteig aber mit Grünstreifen, die kleinen Häuschen sind eigenhändig nach Belieben erweitert, umgebaut, hingezimmert und die Farbe ist meist verwaschen, weil nicht von BASF. In den Vorgärten blühts und teilweise ist Gemüse oder so angepflanzt. Manche Autos sind recht verbeult und oft ohne Stoßstange. Das bevorzugte Transportmittel sind schon etwas alte Minibusse. Dazwischen mehrstöckige Hotelneubauten oder Rohbauten die scheinbar schon länger roh sind. Hunde lungern auch rum, sind aber friedlich. Im Gegensatz zur Türkei, die streunende Hunde oft abmerixeln, werden streunende Hunde hier auf Staatskosten kastriert und mit einem großen Ohrpiercing markiert.
Im Hotel dann, und ich mags extra erwähnen, wie wohltuend es ist, nach einem Regentag auf dem Radel, minutenlang das heiße Wasser den Rücken runter sprullern zu lassen.
(Petra: Wir sehen aus wie Sau! Radltaschen kommen deshalb mit unter die Dusche, alles was ich heute anhatte wird im Waschbecken versenkt. Glücklicherweise konnte ich in Batumi einen variablen Gummistopfer ergattern, der supergute Dienste tut. Und kurz vor unserem heutigen Quartier konnte ich einen Tankstellenmitarbeiter becircen, die Radl mit dem Profikärcher abzusprühen.)
Und die Dame gluckert fröhlich ihr erstes Bier der Reise. Hungergrant und das feuchtliche Klima unter der Mülltütenhose sind erstmal im Alksuri vergessen.
Hinweis: übers Wifi vom McDonald geht das mit der Websiteaktualisierung wieder besser.







