Schorsch:

Schon zu Tagesanbruch um 5:30 raus aus dem Zelt, packen und los. Genau das finde ich am Zelten so doof, dass so viel Zeit drauf geht. Aufbauen, Abbauen und listig wieder platzsparend verpacken. Nix is mit Früstück. Alles hat noch zu. Irgendwann gibt’s Kekse und Saft in einem Shop. Wasser wird auf 3 Liter aufgestockt. Und weil es dort so hübsch ist, treibt’s uns wieder zurück an den Bergesrand. Umweg 20 Km und etliche Höhenmeter. Aber über den unteren Weg hätten wir wahrscheinlich ein Stück auf der Autobahn radeln müssen. Die hätte nur 60 cm Platz auf dem Randstreifen für uns. Hab ansonsten keine fahrbare Straße ins Kaff Chilik gefunden. Über die Hügelroute gibt’s dorthin wenigsten eine Straße. Ab Chilik bis zur chinesischen Grenze is eh Schluss für uns mit Radeln. Ab da nur 200 km Autobahn durch Steppenlandschaft ohne Infrastruktur oder irgendeiner Siedlung. Wir steigen ins Taxi. Das bringt uns für etwas runtergehandelte, aber dennoch satte 60€ direkt zur Grenze. Noch auf dem Autobahnende, zwischen LKW-Schlangen, am 60 cm Randstreifen, montieren wir die Räder zusammen und los geht’s ins Ungewisse. Wir schlängeln uns an der LKW Schlange vorbei und keiner mault. Die Grenzbeamten von Kasachstan winken uns erstmal durch zur Ausweiskontrolle und zum Röntgengerät. Petra wird noch extra auf ein Schild hingewiesen: Es dürfen nicht mehr als 10.000$ (US Dollar) das Land verlassen. HarHarHar! Und tatsächlich hat’s der Kontrolleti auch spaßig gemeint. Alle Grenzer sind freundlich und wir plaudern ein wenig über Münchner Fußballer. Peinlich! Weltweit kennt man die Fußballer von Bayern München und ich bin immer schimmerlos. Kasachstan wird ordentlich mit Ausreisestempel verlassen und hinein geht’s in den chinesischen Bereich. Alles ist riesig! Ein großer Platz und in der Ferne die Grenzgebäude. Durchlassschleusen mit intensiven Kontrollen für LKWs und links davon die Halle für Reisebussinsaßen und uns. Wir sind die Einzigen und auf weiter Fläche wollen wir treten. Aber Nix! In der Ferne winkt einer hektisch. Also schieben wir brav. Und knipsen trau ich mich auch nicht. Alles ist noch so ungewiss und fremd. Ist man uns generell wohl gesonnen oder misstrauisch und skeptisch? Vor dem Gebäude winkt wieder wer. Eine Grenzbeamtin ist schon über unser Ankommen informiert und nimmt uns höflich in Empfang. Alles muss wieder geröntgt werden und Nix wird beanstandet. Ein netter Grenzer in schußssicherer Weste hilft der Dame die Packtaschen einzuhängen. Wir sollen warten. Die zahlreichen Grenzschalter sind noch ohne Personal. Erst als ein Reisebuss eintrifft kommt Leben in die Halle. Eigentlich aber läuft die Erfassung von Ausweis, Fingerabdruck Scan und Erstellen der Einreisekarte voll elektronisch by do-it-yourself. Nur uns Beiden muss man helfen. Weil wir kein klares Ziel haben, trägt die hilfsbereite junge Dame einfach Peking ein. Was ja eventuell sogar unser Ziel am Ende der 30 Tage sein soll. Aber wer weiß? Erst die letzte Kontrolle der Dokumente ist etwas genauer. Ich werde noch geknipst und etwas über das Reiseziel und ob die Dame hinter mir zu mir gehört, ausgefragt. Dann werde ich mit einem leichten Schmunzeln durchgewunken. Oft hab ich den Eindruck, dass wir beide ein Bild abgeben, das zum Schmunzeln anregt. Heute wäre etwas Bedauern angebracht oder auch etwas Ekel. Seit 2 Tagen ungewaschen und arg verschwitzt und kleine Dreckwürstchen lassen sich durch Reiben von der Haut rollen. Wir sind schon seit 6 Uhr unterwegs und haben 60 km staubige und hügelige Landschaft hinter uns. 

Und nun Chinas Einreise. Alles hat wunderbar geklappt, keiner ist argwöhnisch uns gegenüber und alle sind freundlich und höflich. 

Und jetzt, schnell ins Hotel. Es ist schon dunkel, das Nächste soll’s sein. In 1,5 km lockt das Holliday Inn. Für 30 € pro Nase die Nacht. Und es ist der krasse Gegensatz zur Ruhestätte der letzten Nacht. Riesiges Zimmer, riesiges Bett und riesige 2-Personenbettdecke. Kein nächtliches zoppeln um die Bettdecke wird den Schlaf stören.

Petra:

Es war ein Fehler, abends nicht noch die Ohrstöpsel gesucht zu haben. Der Straßenlärm war störend laut in der Nacht. Schorsch wirkt auch nicht erholt, ihm war es zu eng im Zelt. 

Wir packen früh zusammen, denn um 4.30Uhr war schon Sonnenaufgang. Im nächsten Ort gibt es immerhin ein paar kleine Läden für Wasser, Kekse und Kuchen.

Schwer schnaufend geht es wieder hoch und zurück zu unserer Panoramastraße – trotz Höhenmetern und weitem Umweg. Aber genau das sind die Orte, an denen eine Radreise alle anderen Strapazen verzeiht. Deswegen sind wir hier. Ich möchte sagen, um den Planeten zu spüren. Und hey, wir sind hier mittlerweile im Osten Kasachstans angelangt!