Schorsch:

Ohne Frühstück und ohne Kohle geht’s wieder auf den, jetzt belebten, Bahnhofvorplatz. Die Herbergsmutter steht nun, immer noch mürrisch vor der Tür und grunzt uns zum Abschied irgendwas zu. Und schon aber gleich, ist wieder wer nett und hilfsbereit. Eine Bankangestellte verlässt ihren Platz am Bankschalter, führt uns zu einer anderen Bank wo’s einen ATM für VISA hat. Etwas entspannter nun, und mit Keksen und Getränken im Rucksack, geht die Diskussion darum, die Einreise nach China sofort zu versuchen oder in einem Hotel am Ort oder nach Ulaanbaator zu reisen. Petra will den sofortigen Grenzübertritt keinesfalls riskieren. Ich will nicht hier sinnlos warten. Also, ab nach Ulaanbaator! Zug geht erst spät abends und ist günstig. 600km im Sammeltaxi kostet etwa 75€. Also los mit der Taxe. Würden sonst wieder mitten in der Nacht in Ulaanbaator ankommen. Auch nicht hübsch. Mit uns noch ein weiterer Fahrgast. Der allerdings ist erkältet und zieht im halbminutentakt seinen Rotz hoch. Kopfhörer mildern. 600 Km ausschließlich karger Steppenlandschaft mit gelegentlich ein paar Jurten und Weidevieh prägen die Landschaft. Und wie oft geht der Blick mit Radleraugen über die Route. Immerhin begegnen uns insgesamt 5 Longtraveler während wir schläfrig und faul und kostspielig im Wägelchen dösen. Aber klar! Nix für mich! Zusätzlich Verpflegung und etwa 15 Liter Wasser mitschleppen, viele Schwerlast-Transporter und ein minimaler Randstreifen. Alles also ohne mich alten Laumann. Und so ist’s nämlich bei uns: Weil wir eine Nacht im Schäbighotel verbracht haben, gönnen wir uns 4 Nächte im Hübschhotel mit superduper Frühstück in Stadtzentrumsnähe.

Und endlich mal wieder kann ich kühlen Kopf bewahren und bin nicht laufend überhitzt und schwitzig. Ulaanbaator gehört zu den weltweit kältesten Hauptstätten. Und auch im Sommer weht mir angenehm kühlend, herrlich, ein Lüftchen durchs Hemd. Und sogar tausche ich die Birkis gegen meine Trekking Halbschuhe mit Socken.