Unsere Stadtausflüge und Besichtigungen machen richtig Spaß. Deshalb sind wir viel unterwegs und abends zu kaputt, um noch irgendwelche Texte zu schreiben. Trotz Reiseführer fällt es uns schwer einen Überblick über Seoul zu bekommen. Die Stadt liegt zwischen Bergen und Hügeln, so dass ein wirkliches Zentrum für uns nicht auszumachen ist. Wir beginnen die Erkundung mit dem Königspalast Gyeongbokgung. Die zurückhaltenden Stein- und Holzstrukturen aus Quadrat und schmalen Rechtecken wiederholen sich überall. Große Klarheit und Strenge – und doch wirkt alles wie mit einem filigranen Netzwerk überlagert. Das meiste ist nachgebildet, da in den Wirren der Geschichte mehrfach zerstört. Auf jeden Fall spiegelt diese Architektur viel von der koreanischen Geisteshaltung, weil stark mit dem Konfuzianismus verbunden. Auch die Koreaner lieben es, sich mit historischen Kostümen zu verkleiden. Daneben liegt eine Art Museumsdorf mit Gebäuden aus den 70- und 80ern. Daran grenzt das hippe Viertel Bukchon, in dessen steilen Straßen es noch die schönen traditionellen hanoks (das Pendand zu unseren Fachwerkhäusern) gibt. Weil der Ansturm an Touristen so groß ist, gibt es geregelte Betretungszeiten. Ab 17 Uhr wird man beherzt hinaus komplimentiert.
Tags darauf geht es mit dem ÖPNV in ein Viertel mit kleinen Druckereien. Inzwischen verbreiten sich dort auch vermehrt Cafes und Bars, weil die Gegend schräg ist. Urbane Szenen, wie coole Wimmelbilder für’s Auge. Die Kabelknoten hängen in den engen Gassen, die gestopft voller bunter Schilder, Leuchtnamen, Markisen und Kästen sind. Und abends verschlägt es uns eher zufällig in ein schickes Hochhaus, angezogen durch die goldene Figur über der Auffahrt. Schnell mal noch die letzten Sonnenstrahlen aus dem 40sten Stockwerk erhaschen.
Schorsch geht heute zum Drohne steigen lassen, ich kämpfe mich mit dem Rad den Berg hinauf. Anfänglich ist mir nicht klar, wie viele Höhenmeter ich mir da antue, um, wie im Reiseführer empfohlenen, zu einem Teil der alten Stadtmauermit Ausblick in Ihwa Maeul zu gelangen. Auf dem Rückweg besuche ich den Schrein Changgyeonggung. Hier wird den verstorbenen Königen gedacht, deren Schreine wie in einzelnen Schrankzimmern aufbewahrt werden. Einmal jährlich wird mit dem aktuellen Nachfahren ein besonderes Ritual zelebriert. Die Architektur, der umliegende Park vermitteln medidative Ruhe und Kontemplation. Ganz wunderbar.
Bequem und faul wollen wir uns bei einer Hop-on-hop-off-Bustour entscheiden, was wir uns noch ansehen möchten. An jeder Ecke beamen megagroße Leinwände Werbung in die Stadt. Ganze Hochhausfronten dienen als Projektionsfläche, oder riesige Leinwandcubes werden auf Hausdächer aufgesetzt. Ich glaub‘ es nicht, wie kann sich das rechnen? In Zeiten, da die Menschen nur noch auf Social Media am Handy kleben, braucht es diese Formate? Neue Welt, alte Welt – wieder das Thema unseres Tages, denn später stolpern wir über einen restaurierten hanok, den wir auch innen besichtigen dürfen. Und ums Eck finden wir die Kunstausstellung traditioneller Tuschemalerei an einer Wand und als Sonnensegel über Marktgassen. Gut so, denn das Museum, das ich mir dazu ansehen wollte ist wegen Umbaumaßnahmen geschlossen.




























































































































