Mit der Fähre geht zur Insel Shikoku. Italienisches Flair mit terrassierten Hängen voller Orangenbäumen empfängt uns hier. Abgefallene Kardamonkapseln liegen auf der Straße, kleine Auberginen hängen an Büschen, Khakis leuchten orange aus herbstlichem Geäst. Wir treten oberhalb der großen Talstraße gemächlich bergauf, bis auch wir auf diese zurück kehren müssen und eng einen zwei Kilomter langen Tunnel neben reichlichem Verkehr schieben müssen. Nicht sehr angenehm und nur mit dem gleichnamigen „Tunnelblick“ zu bewältigen. Das richtigehende Schockerlebnis folgt ein paar Kilometer danach. Auf einer engen erhöhten Straße zwischen Kanälen und Reisfeldern kommt uns ein Auto entgegen. Kein Platz zum Ausweichen. So bleiben wir alle erst mal stehen. Ich teste die mit breiten bewachsenen Blättern bewachsene Böschung auf ihre Stabilität. Diese wirkt stabil, aber im nächsten Augenblick kippe ich rückwärts ins Nichts. Mit Rolle Rückwärts und dem sich über mir überschlagendem Fahrrad lande ich 4 m tiefer. Zum Glück passiert mir außer ein paar Schrammen nichts, aber der schockierende Augenblick bleibt haften. Im Nachhinein musste ich an die Erzählung einer älteren Dame denken – wir lagen vor einem Jahr zusammen im gleichen Krankenhauszimmer – deren Mann bei einer Wanderung in Südtirol, vor ihren Augen, stehenderweise vom schmalen Wegesrand einfach wegkippte. Nur ging es da 200 Meter tiefer. Von einer Sekunde in die andere aus dem Leben gerissen. Die Mutter von drei Kindern wurde mit 48 Witwe.

Da wir schon nachmittags an unserem Quartier ankommen, schaffen wir es noch in ein kleines Drachenmuseum. Weil es in der Region einen Pilgerpfad mit 88 Tempeln gibt, treffen wir in unserem Biker-Guesthouse auch auf Langnasenpilger. 

Tags darauf geht es entlang der Küste nach Matsuyama. Im Abendlicht erreichen wir die Stadt.

Schorsch:

Frühmorgens schon geht die Fähre von Usuki nach Yawatahama. Und dann wieder los mit den Radeln. Sonst sind die Fahrradwege gerade mal so befahrbar und ausreichend breit. Aber gerade bei längeren Anstiegen oft sehr schmal. Bei einem 2,3 km langem Tunnel, ist die Gehweg-Fahrspur für uns zu schmal, so dass wir schieben. Zu groß die Gefahr, dass man ins Schlingern kommt und vom erhöhten Weg auf die Straße purzelt. Von hinten kommen schon auch mal LKWs.

Gepurzelt wird aber dann doch noch. An einem sehr schmalen Straßenstück entlang von Felden, kommt ein Auto entgegen und hält an. Meine Mitradlerin vor mir, hält auch am Straßenrand. Das üppige Gras am Böschungsrand ist aber nur hochtoupiert. Kein fester Untergrund schützt vor dem Abgrund und die Dame verschwindet mit samt Fahrrad abrup44 Meter die Böschung runter. Hohes Gras bremst das Heraufzerren des Sturzpaketes, bestehend aus Fahrrad, Packtaschen und verblüfft guckender Petra. Aber mit Unterstützung der Autofahrerin zerren wir alles aus dem Abgrund, stellen die Gestürzte wieder auf die Füße, klopfen sie ein wenig ab und zupfen einige Grasbüschel weg und weiter geht’s. Kurze Zeit später wird dann doch ein wenig gejammert, weil so mach kleine Delle verursacht wurde.

Das angepeilte Drachenmuseum lenkt aber ab.

Schickes Guesthouse. Der Herbergsvater hat überall Fahrräder drapiert. Eindeutig ist man da auf westliche Touristen eingestellt. Die hohen Espressopreise bestätigen’s, dafür schmeckt er gut. Hier wird hauptsächlich gepilgert. 88 Kloster und Schreine lassen sich auf 1400 km erwandern. Selten, aber hier treffen wir auf europäische Pilger. Eine Frau stiefelt zu Fuß umher und ist diesen Tag respektable 34 km unterwegs gewesen. Ein älteres, kanadisches Pärchen, auch mit den Radeln unterwegs, treten ebenfalls die Pilgerroute ab, besuchen aber nicht alle Pilgerpunkte. Zu steil, sagen sie. Kann ich nachvollziehen. Wir befinden uns im Landesinneren. Da ist‘s überall hügelig bis bergig. Japan besteht zu 80% aus Hügellandschaft. Für uns geht’s auch über einen Hügel, natürlich!, zurück zu unserem Hauptweg Richtung Shimanami Radweg.