80 km Inselhopping mit dem Fahrrad. 11 hohe Brücken zwingen zu umwerfenden Panoramausblicken, zu denen man wohl freiwillig nicht hochgekeucht wäre. Nach den bisherigen 3 Wochen in Japan, kann es eigentlich nicht mehr besser zum Radeln werden. Was soll das noch toppen, frage ich mich?

Aber  zurück zum Anfang, denn es geht erst mal damit los, dass kein Zimmer zu finden ist. Weder eine Matte im dormitory, noch irgendein Luxusquartier. Selbst die letzten beiden Zimmer zu 450 € und über 1000 € erscheinen nicht mehr in den Apps. Schorsch setzt auf Nachfragen vor Ort, aber bei zwei Guesthouses wird abgewunken. Kein Platz mehr. Netterweise bekommen wir aber zwei Nigiris (mit Thunfisch gefüllte Reisecken, in Algenblätter eingewickelt) geschenkt, weil es auch keinen Lebensmittelladen mehr gibt. Seit Langem kommt unser Minizelt zum Einsatz. Der wilde (kostenlose) Campingplatz könnte nicht besser sein. Toiletten, Trinkwasser, Bank und Tisch, Strandblick unter Palmen. Zum gemütlichen Schlafen ist es leider zu eng und der abends gesichtete Fuchs oder Marderhund fummelt nachts am Zelt.

Am nächsten Morgen kommen wir an einem supernetten Event vorbei: ein Knirpsenparcourrollerradracing. Nice!

Aber auch sonst, der Shimanami ist einfach purer Genuss, noch dazu mit steifem Rückenwind!

Schorsch: Jeder europäische Fernradler den wir in Korea und Japan getroffen haben, ist den Shimanami Radweg entlanggefahren. Und weil langes Wochenende in Japan ist, der Montag ist frei, sind auch etliche Japaner unterwegs und hocken die Hotels und Guesthouses voll. Wir müssen also zum zweiten Mal auf dieser Reise zelten. Bei einem Radlerguesthouse, das letzte vor dem öffentlichen und kostenlosen Zeltplatz, hat die Herbergsmutter etwas Mitleid mit uns, da sie uns nicht beherbergen kann und versorgt uns mit Reis/Algenblatt- Schnittchen. Ich mag die zwar nicht besonders, bekomme aber dann Petras Wurstzipfel ab. Der Zeltplatz dann, ist gut besucht und wird ausschließlich von Japanern bevölkert, die allein, in Pärchen oder die ganze Familie ins Auto packten und hier grillen und zelten. Hübscher Platz auf einer spitzen Nase der Insel. Hübsche Abendstimmung. Ideal auch für Luftaufnahmen. 

Im engen Zelt sich in den Schlaf zu wälzen ist bekannt ungemütlich. Geht aber dann doch ganz gut und erstmal garnicht sooo ungemütlich. Ist aber dann doch zum Morgen etwas kühl im Zelt. Überhaupt wird es langsam auch kühler. Ich habe schon seit einer Woche meine Sandalen abgelegt und tief verstaut und trage nun festes Schuhwerk. Mal sehen wie lange es dauert, bis meine sonnengestreiften Füße verblassen. 

Den Start am nächsten Morgen verzögert dieses Mal nicht ein langgezogenes Frühstück, sondern das Verpacken des ganzen Zeltes, der Matratzen und des Schlafsackkrams. Zudem wurden die ganzen restlichen Sachen nur lose in die Packtaschen verstaut und verschlossen. Es sollen sich ja keine Kriechtiere und Sonstiges – insbesondere die große knallfarbene Spinne über dem Brotzeittisch – in meinen Kram verkriechen. So muss alles neu geordnet und eingeschlichtet werden, sonst geht die Tasche nicht zu. Schade, dass ich kein Ass in Tetris bin. 

Los geht’s auf den wohl weltbekannten und wohl schönsten Radweg in Japan. Kein großes Kunststück. Alle als Radweg ausgewiesene Strecken waren bisher oft eher nachlässig gepflegte, zugewachsen oder nur holperige Gehwege entlang der manchmal viel befahrenen Straße. Der Shimanami Kaidō ist für Radler ordentlich ausgebaut, 70 km lang führt er über insgesamt 6 große Brücken, die die 7 Inseln zwischen Onomichi (Honshū) und Imabari (Shikoku) miteinander verbinden. All die Autos und LKWs nutzen zwar auch die Brücken, ruhig ist‘s also hier nicht, aber wir Radler dürfen eine eigene, abgetrennte breite Spur benutzen. Die Inseln werden von der Autobahn durchzogen und bleiben wohl auf Brückennivau-Höhe. Wir treten zu jeder Brücke hoch und zischen drüben wieder runter. Auf den Inseln selbst, folgen wir der schönen kleinen und wenig befahrenen Küstenstraße. Schon sehr nett hier und schöne Blicke über die Küsten und die Insellandschaft. Tatsächlich sind viele Radler unterwegs. Alle Kategorien. Die flitzenden Sportskannonen, die fröhlichen Grüppchen bestehend aus Jugendlichen, die Pärchen und die Familien, die mit ihren Kindern auf Wochenendausflug sind. Manche jungen Frauen schieben den Anstieg zu den Brücken hoch oder werden liebevoll vom Partner, am Rücken drückend, mit hochgeschoben. Wir machen größere Schlenker über die Inseln und brauchen zwei Tage. Die Ausblicke von den Brücken, etwa 45 m über dem Meer, ist schon recht toll und beeindruckend. Und wir suchen teils kleine Anwohnerstraßen durch Fischerdörfer der Küste entlang. 

Zum Übernachten finden wir ein sehr gepflegtes Guesthouse. Winzige mit Schiebeparavents abgetrennte Schlafräume, mit Gemeinschaftsbad und Toilette, Workspace, Aufenthaltsraum und Küche. Die nutzen wir aber nicht, weil wir vorher lecker Pizza essen waren. Viel besser als Zelt und auch nicht fröstelig. Und der Vermieter spricht fein Englisch und gibt uns Tipps. Unter anderem sei unsere geplante Wegstrecke entlang der Inselküste von Shikoku recht verkehrsreich und nur Teile davon sind zu empfehlen. Schöner wäre es, zum Beispiel in Nagano, empfiehlt er.

Wir lassen den Plan fallen, entlang der Küste zu radeln. Wir Warmduscher und Weicheier wollen nicht bei beginnender Herbstkühle, zeitweiligen Regentagen entlang von Hauptverkehrsstraßen radeln oder alternativ übers Gebirge zu treten. Wir planen mit der Eisenbahn nach Osaka zu reisen. 

Zunächst aber geht’s einen weiteren Tag bergauf/bergab durchs Paradies der Inselkette.