Das ideale Frauenbild erinnert an die 60er Jahre bei uns. Mit einem Streifenplakat sollen junge Frauen für einen Kombinistore angeworben werden. Der Roman „Die Vegetarierin“ von Han Kang beschreibt sehr gut, wie eng die japanische Gesellschaft für die Menschen ist.

Das Konzept von Fenstern in traditionellen Häusern ist in Japan ein anderes als bei uns. Sie sind nicht zum Hinausschauen vorgesehen, sondern sorgen nur für einen hellen Lichtschein durch die mit Japanpapier bespannten Holzrasterrahmen. Aber auch bei Neubauwohnungen sind fast immer Gardinen angebracht. Rausschauen is nicht. Die Kleinwohnung als Kokon.

Die Japaner selbst scheinen eine Schmutzphobie zu haben. Gartenarbeit wird mit Ganzkörper-Overall und Handschuhen ausgeführt, Handwerker sind sowieso in ihren Handwerksuniformen, aber auch sonst sieht man bei allem, was mit Schmutz verbunden sein könnte, jede erdenkliche Vorsichtsmaßnahme. Erstmals gesehen: ein Regenschirm-Wasserabstreifer. Zum bestellten Essen gibt es immer auch gleich ein feuchtes Tuch zum Hände reinigen. Natürlich müssen die Schuhe sofort an der Wohnungs/Hotelzimmer-Türschwelle ausgezogen werden. Das ist bei etlichen Lokalen und Restaurants so und bei Tempeln und Schreien natürlich auch. Entsprechende Puschen stehen aber immer bereit. Dafür sehen die Böden aus wie neu verlegt.

Wer also dem äußeren Anschein nach als Schmutzverteiler eingestuft wird – also wir – wird erst mal argwöhnisch betrachtet. Beispiel: die Reinigungsdame eines Hotels, wischte aufgeregt und ständig um unsere Fahrradtaschen herum (wohl gemerkt an der Außentreppe), während wir unsere Fahrräder demontierten. Ein freudiges Lächeln dann, als wir mit Sack und Pack ins Auto stiegen und losfuhren.

Richtig großartig ist es, dass, egal wo man auf die Toilette geht, im Supermarkt, im Restaurant, auf der öffentliche Toilette, alles gepflegt, super sauber und immer mit Toilettenpapier bestückt ist. 

Ordnung und Sauberkeit werden also hochgehalten. Gemütlichkeit weniger. In der Gastronomie verbleibt man nur so lange, bis der letzte Happen im Magen gelandet ist. Dann wird zusammengepackt und das Lokal verlassen. Davor wartet schon geduldig eine lange Schlange, munter plaudernd, auf Einlass. Diese wird vorab abgecheckt, damit die zusammengehörige Gästezahl dann auch den passenden Platz findet. Sowohl in der Gastronomie, aber auch bei den Unterkünften herrscht da Notstand. Die Hotels verdoppeln am Wochenende und an Feiertagen ihre Preise. Bei dem hohen Preisniveau ist das echt schmerzhaft. Da kostet selbst ein Schlafplatz im dormitory mit Gemeinschaftsbad schnell mal über 100 €! Hotelzimmer ab 200 €, aber auch 400/500 € für eine Nacht lassen die Haare zu Berge stehen. Früh vorbuchen wäre da angesagt, aber so wie wir reisen, kaum machbar.

An Service und Dienstleistung wird ansonsten nicht gespart. An jeder Metrostation gibt es Personal an der Eingangsschranke. An der Tankstelle wird mit Personal betankt, die Autofenster werden geputzt (für den Innenraum wird ein angefeuchtetes Tüchlein gereicht) und zum Abschluss wird man mit Verbeugung ausgewunken. Ich denke, das war in den fünfziger Jahren bei uns womöglich auch so. Und dieser Retrotouch schwingt auch im Straßenbild mit. Die Japaner kleiden sich verhalten. Es gibt keine bunte Mode. So wie die Häuser sind auch die Kleidungsstücke in weiß, beige, braun, grau und dunkelblau gehalten. Wabi–Sabi nennt man das: zurückhaltend, nicht auffallen und sich in die Umgebung harmonisch einfügen. Schulmannschaften sieht man mit weißem Hemd und Krawatte Handball spielen, Schulmädchen tragen weiße Kniestrümpfe und dunkelblauen Faltenrock mit weißer Bluse, die Jungs Anzugsjacke, weißes Hemd und Krawatte. Nur die Kleinen tragen auf der Straße gelborangefarbene Mützen zur Verkehrssicherheit, was sehr nett ausschaut, wenn sie allesamt gemeinsam ausgehen.

Praktisch: fast überall sind irgendwo Getränkeautomaten aufgestellt. Für wenig Kleingeld gibt es eisgekühlte Limonaden Kaffee, Coca-Cola. Auch auf kleinen Landstraßen. Ganz super wenn man mit dem Fahrrad unterwegs ist.

Gärten sind zurechtgeschnittene Koniferen, teils mit abstrusen Formen. Null bunte Blumen. Eigentlich geputzt und gestriegelt, bis auf einzelne revolutionäre Ausnahmen.