Schorsch: Wieder zurück in China. Die Überfahrt mit der Fähre nach Shanghai war lässig und angenehm entspannend. Mit Vollpension bewohnen wir zu Zweit eine schicke Viererkabine. Das Schiff ist so gut wie neu und die Linie erst seit einem halben Jahr in Betrieb. Es ist kaum besetzt.Die Kabine geeignet um Bilder und Texte für den Blog durchzunudeln. Zwei Jungs, Tom und Haukur, die wir treffen, sind auch eine super Abwechslung im Ratschalltag. Sie sind Anfang 20 und berichten spannende Geschichten von ihrer bisherigen Reise. Die sind von Deutschland komplett alles bis hierher mit dem Rad gefahren und zelten meist (nicht wie wir, die laumannmäßig für unangenehme Strecken lieber mit der Eisenbahn schuckeln und uns nachmittags schon auf ein kuschliges luxuriöses Hotelbettchen freuen).
Mangels komfortabel breiter Gangway, werden die Radel per Kran abgeladen und baumeln runterwärts. Mal was Neues.
Die nun dritte Einreise nach China läuft schnell und easy. Gut so. Vom Hafen geht’s nun wieder auf Chinas chaotischen Straßen dahin. Es wird wieder gedrängelt und gehupt. Und ganz ungewohnt nahe flitzen alle anderen mit Ihren E-Rollen um uns rum und auf uns zu, als ob wir gar nicht zu sehen wären. Wer nicht ausweicht, gerät unter die Rollerräden. Muss mich erst wieder daran gewöhnen. An den jetzt nun wieder geltenden Rechtsverkehr auch. Wobei der hier unter den Zweiradfahrern gar keine Rolle zu spielen scheint. Und alles ist auch wieder unaufgeräumter und insgesamt gruddeliger, aber auch irgendwie lockerer und lässiger. In der Nähe der Innenstadt ist ein einfaches und günstiges (30€ Nacht) Youth-Hotel gebucht, und weil wir beide Kalender-Legastheniker sind, sind wir einen Tag zu früh, es muss also die kommende Nacht zusätzlich dazugebucht werden. Zum Glück ist noch etwas frei. Das Zimmer ist für den Preis garnichtmal so übel. Es ist Platz für einen Tisch, hat ein Fenster das tatsächlich eine Aussicht hat und es ist Platz für den Morgensport. Recht ungewohnt nach den meist winzigen Kammern in Japan.
Abends geht’s noch zum nahe gelegen Radlladen. Mag mir neue Reifen kaufen. Schwalbe reifen mit Pannenschutz will ich haben. Hatte schon einige Platten. Der Radlladen Chef kümmert sich und bestellt dir Reifen bereitwillig und misst auch noch meine Speichenspannung nach. Wir kommen ein wenig ins Ratschen und er mag den Klappmechanismus der Radl filmen. Netter Kontakt. Ganz anders wieder, als in Japan. Zwei Tage später kommen prompt die Reifen und werden sogar noch kostenlos montiert. Die Menschen hier in China sind einfach offener und fröhlicher. Keine so in sich gekehrten Stoffel, wie in Japan oder teilweise auch in Korea. Auch ist es wieder Bunter und vielfältiger.
Petra: (noch zu den Jungs) Früher ist man ja selbst auch nur auf Sparflamme unterwegs gewesen. 500 € Reisebudget pro Monat, so reisen die Jungs in etwa, ist schon ganz schön sportlich. Da muss man schon etwas leidensfähig sein, aber dafür gibt es die wunderbare Freiheit in alle erdenklichen Ecken der Welt zu radeln und natürlich noch viel direkter mit den Menschen zusammen zu treffen, als wir das tun.
Die Grenzkontrolle bei der Ankunft in China ist easy, obwohl sich pro Reisender ein Rudel Kontrolleure annimmt. Alle sind richtig freundlich und heißen uns willkommen. Draußen vor der Tür tun dies auch die laut scheppernden roten Sattelschlepper. Aber nur einen kurzen Augenblick und wir radeln auf breiten, seitlich begrünten Radspuren ins Zentrum von Shanghai.
Die eingezäunten Quartiere und Blocks fallen sofort ins Auge. Zäune entlang der Fahrspuren, an Kreuzungen und um Parks. Immer dabei, die Kontrolleurshäuschen der Blockwarts. Dafür ist hier gleich wieder buntes Leben in den Straßen, überall stehen die Mietfahrräder in langen Reihen und Autos dürfen wieder am Straßenrand halten und parken. Der Verkehr geht ins leicht Chaotische. Die Straßen haben die Breite von Avenuen und sind ebenso mit alten Platanen gesäumt. China hat uns wieder! Lächeln breitet sich in mein Gesicht.
Und obwohl eine Megametropole, empfängt uns Shanghai mit abwechslungsreichen Straßenzügen, experimenteller und historischer Architektur. Unsere Bleibe ist etwas einfacher, hat ein großes Fenster mit Ausblick, liegt in einem netten Viertel, das an einen Kanal angrenztan dem wir auf einem hübsch angelegtem Fahrradweg praktisch bis zur Innenstadt bzw. dem Bund gelangen.
Nachdem wir unser Gepäck im Zimmer abgelegt haben, strebt Schorsch einen kleinen Fahrradladen in der Nähe an. Endlich können hier vernünftige Schwalbe Mäntel mit Pannenschutz für ihn bestellt werden, die in zwei Tagen abgeholt werden können. Der Chef ist supernett, spricht gut Englisch und ist total hilfsbereit. Vermute ein ehemaliger Profi-Rennradler, denn die Decke hängt voller Velo-Oldtimer italienischer Marken.




















