Yeah – ein neues Jahr. Hoffentlich glücklich, hoffentlich enden einige Kriege, hoffentlich! Hier in Taiwan wird Neujahr nicht ganz so groß gefeiert wie bei uns, schließlich wird hier erst noch Mitte Februar das chinesische Neujahrsfest gefeiert, und das über eine Woche lang. So kommt es, dass das Feuerwerk für 1,8 Millionen Einwohner dem Umfang entspricht, das Basti – unser Nachbarsjunge – sonst aus dem Garten verfeuert. 

Nach einer kurzen Nacht treffen wir uns mit Alice und Willian von Changebike – die dafür extra nach Tainan gekommen sind (!)- und verbringen einen supernetten gemeinsamen Tag. Wir sind echt hingerissen von der Gastfreundschaft und hoffen, dass wir uns irgendwann in München revanchieren dürfen. Nebenher erfahren wir mehr über die Arbeitswelt hier. Abgesehen vom chinesischen Neujahr gibt es praktisch keinen Urlaub und die Arbeitswoche liegt bei 48 Stunden (das weiß unser Herr Söder sicher auch). Wegen der Arbeitsbelastung und den hohen Mieten entscheiden sich inzwischen viele Paare gegen eine Familiengründung, wenngleich ich die Gesellschaft im Straßenbild eher als jung empfinde. Logisch, Menschen mit grauweißen Haaren sehe ich selten. Ich glaube ja schon, dass sich die Asiaten die Haare färben – weißhaarig sind hier nämlich nur die Geister.

Schorsch:

In Tainan kleben wir ein wenig fest. Ich hab bei einem Fahrradbastler neue Speichen bestellt. Weil gleich der Jahreswechsel ansteht, der 1.1. ist hier wohl auch ein Feiertag und da das Wochenende auch noch kommt, dauert die Bestellung knapp eine Woche bis die Speichen wohl irgendwann geliefert werden, sagt der Herr im Fahrradladen. Er kann die Speichen dann auch gleich montieren. Ich bin etwas skeptisch. Spricht er zunächst davon, dass er nur eine Speiche wechseln kann und sucht nach der gerissenen Speiche, und findet nix, versteht aber dann doch, dass ich einzelne, gerissene Speichen, dann sofort nach Riss selber wechseln kann und auch gerade eben, vor 100 km gemacht habe. Meine Befürchtung: weitere Soeichen sind schon schwächlich und werden auch bald abreißen. Ich mag Alle neu haben. So ganz vertrauenseinflößend ist er mir nicht. Aber was soll ich machen? Tainan ist die letzte größere Stadt, wo wir länger bleiben. Schließlich wollen wir uns für ein paar Tage noch Motorräder mieten. Sind also noch etwas in der Region. 

Und Silvester mag ja schließlich auch wo gefeiert werden. Diesmal verschlafen wir nicht und stehen mit zahlreichen, fast ausschließlich jungen Leuten auf dem Boulevard und treten mit etwas Feuerwerk ins neue Jahr. Kracher gibt’s nicht, nur für etwa 2 Minuten etwas Feuerwerk, das alle, oft auch, natürlich im Selfiemode knipsen. Nach etwa 30 Minuten ist der Zauber um und die Menschentrauben lösen sich auf. Ich trink zwei Flaschbier und bin angeduddeld. Nach ein wenig Wanken durch die Gassen geht’s in die Haia. Viel ist ohnehin nich mehr los. Nur der Freilichkaraokestand tönt noch etwas krächzig nach. Da wurde auch das Bier verkauft, und wohl nicht nur mir. 

Am 1. Januar wollen uns Alice und Willian von Changebike (unsere Fahrradhändler), zum Ausflug einladen. Sie kommen mit dem Auto. Die Beiden lernten wir in Frankfurt auf der Fahrradmesse, am Changebike-Messestand kennen und sind seither in Kontakt. Sehr nett! Zuerst geht’s zum Chinesisch-Essen, dann zu einer Tempelbesichtigung und weiter, etwas außerhalb zu einem großen Park mit europäisch anmutendem Schloss. Im Schlosspark, es ist ja auch Feiertag hier, wimmelt es mit Picknickenden und sonstigen Ausflüglern. Willian ist der Entwickler des Fahrradfaltrahmens. Sehr nette fröhliche Menschen, sehr schöner Tag, sehr interessante Gespräche. Sehr schöne Gelegenheit sich mal länger mit Taiwanesen zu unterhalten. „Grand day out“, Zitat: Wallace and Grommit.