17,27893° N, 101,14643° O / 16,41909° N, 101,15569° O /16,08125° N, 101,05996° O / 15,65768° N, 101,11105° O

Schorsch:

Und weil wir gerade so hübsch faul 3 Tage im Pool- und Terrassenresort gefaulenzt haben, soll’s die nächsten 8 km gleich so weitergehen. Wir lassen uns den einzigen Pass, der über 2000 km durch Thailand führenden Strecke, bequem von einem Pickup transportieren. Na ja, 450 Höhenmeter wären es gewesen. Aber!, die Temperaturen steigen auf 38 Grad. Und! Als zusätzliche Argumentation der Gattin wird die morsche, am letzten Radltag schon gerissene Kette, mit angeführt. Ging die letzten Tage schon immer recht oft auf und ab durch die hügelige Dschungellandschaft. Das sind auch immer täglich um die 600 Höhenmeter zusammen gekullert. Aber eben verteilt auf 90 bis 100 km.

Nach der Abfahrt wird‘s bald landwirtschaftlich geprägt. Zum Teil lassen sich kleine verschlungene Wege an Flüsschen entlang finden, teilweise geht’s auf dickeren Landstraßen meist schnurgerade dahin und teilweise können wir auf kleine Nebenstrecken den meist abgeernteten Feldern entlang und durch kleine Dörfer treten. In den Dörfern und an Gehöften gibt’s dann die Hunde mit ihrer Angriffsstrategie. Ein einzelner Hund verdöst uns sowieso und bleibt träge im Schatten liegen. Ist er etwas fideler kommt er angewetzt und bellt böse, lässt sich aber durch Rufen und Finger drohend heben schnell davon überzeugen, dass dösen besser ist. Kann der Aufgeweckte aber dann durch sein Bellen einen Kumpel in der Nähe aktivieren, sind sie zu zweit schon mutiger und rennen bellend hinterher. Aber zu zweit ist der Mut dann doch, meist, schnell abgeflaut, wenn sie angeschrien und mit erhobener Hand bedroht werden. Sind es mehrere Hunde, dann sind sie schon recht aggressiv am Nachlaufen. Da hilft nur noch den Bambusstock ziehen und drohend schwingen. Das funktioniert meist und sie drehen ab. Und schon hab ich’s doof! Zu heftig hab ich den Stock geschwungen, 4 Angreifer waren es und von beiden Seiten wurde ich attackiert. Hab den Stock zu schwungvoll von einer auf die andere Seite gepeitscht und hab den Lenker verrissen und mich dabei böse hingelegt. Das war dann für die tobende Meute das zu erreichende Ziel. Ohne weiteres Bellen oder Knurren sind sie abgezogen. Ich stehe noch eine Weile rum, muss das geschundene und durchlöcherte Knie verarzten und einige deformierte Stellen am Rad geraderichten. Etwa 1 Kilometer werde ich achtsam und behütend eskortiert. Aber schon gleich brennt die Ehefrau durch. Es lockt ein Traktorfahrer um im Windschatten mitzudüsen. Ich kann die Verfolgung nicht aufnehmen. Bisschen schmerzte es schon das Knie. Hoffentlich kommen keine Hunde mehr. Mag nicht nochmal verunfallen. Ich Armer! 

Noch 15 Km zum Hotel, zwischendurch noch eine Kaltgetränkpause. Da stell ich dann fest, dass das Knie recht böse angeschwollen ist. Der Nachmittag und Abend wird dann mit Ruhestellung und Knieeisbeutel verbracht. Die Gattin karrt Brotzeit an. Ich muss nicht mehr weg. Und ganz schlimm! Mein Lieblingsradlhemdchen ist jetzt komplett ruiniert. Super luftig war’s und mit jedem sonnigen Tag ist es luftdurchlässiger und poröser geworden. Hat sich der Sonne und Hitze automatisch angepasst. Musst schon 3 mal flicken lassen, gerade noch tags zuvor. Jetzt ist‘s heillos zerfetzt. Seine letzte Etappe führt zum Türschlitz und dient als Mückenabdichtung, um dann morgens in den Mülleimer zu wandern.

Wir beide haben da auch unsere jeweilige Strategie mit Hunden. Die Sportskannone radelt vorne weg und weckt die dösenden Hunde und eilt weiter. Die flitzen her und sehen mich als störendes Element und auch noch alleine daherkeuchend. Schönes Opfer, so ganz alleine. 

Am nächsten Tag, das Knie ist noch etwas geschwollen, aber es lässt sich radeln. 70 km sind’s. 40 km wären mir lieber gewesen. Aber die 4 Hotels haben wir schon Tage vorher für eine Teilstrecke gebucht. Wenig Übernachtungsmöglichkeiten gibt’s hier. Nicht dass wir am Ende noch im Zelt landen.  Das will keiner und wäre ohne Klimaanlage bei nächtlichen 26 Grad unerträglich. 

Am Abend kann ich dann schon in die nahe gelegene Pizzeria humpeln.

Petra:

Unser Radlweg heute folgt genau unserem Motto: Spazierenradln durch … Auf einem kleinen Feldweg entlang eines kleinen  Flusses, zunächst noch betoniert, dann als trockener Erdweg, ziehen wir unter halbwegs schattiger Uferböschung durch die Felder. Hier sind sie großflächiger, vielfach hochsprießender Mais, evtl. Tabak, Blattgemüse oder Reisfelder, mal abgeerntet, mal in frischem Grün nach der Anzucht. Hin und wieder Häuser mit heranspurtenden Hunden, die außer viel Radau am Ende doch noch einen letzten Meter auf Abstand bleiben. Andere bleiben lieber gleich im Döszustand liegen. Im diesigen Hintergrund sind die ausklingenden Hügelketten gerade noch zu erkennen. Es soll heute 36 Grad warm werden, was in der prallen Sonne nochmal 10 bis 15 Grad mehr ergibt. Es ist schon gut, dass wir die nächsten Tage keine großen Etappen geplant haben. Zuhause gäbe es wohl Warnmeldungen, man solle sich nicht Überanstrengen und körperliche Belastung vermeiden.

Gestern abend hatten wir unsere Route nochmal umgeplant, da sonst keine Unterkünfte auf dem Weg gewesen wären – weil etwas durch die Hügel und zu weit ab von größeren Straßen. Irgendwelche Getränke-/Snackstandl hätte es wohl schon gegeben, aber ein anständiges Essen am Abend ist eine echte Belohnung nach anstrengendem Tag. 

In der zweiten Hälfte der Tagesstrecke müssen wir dann auch mal Kilometer auf der Landstraße machen. Auf neuem, noch dunklem Asphalt ist das wie im Backofen. Ein klimatisiertes Cafe, kurz vor unserem Ziel, wird zur Glücks-Oase.

In den Hotelbuchungsportalen gibt es  entweder nur Businesshotels oder Resort genannte Ansammlungen an Hütten oder Minibungalows. Guesthouses für Traveller gibt es nur an sehr touristischen Orten, die wir aber schon seit Tagen hinter uns gelassen haben. Etwas schade, da die oben genannten Varianten eher unpersönlich sind und nicht wirklich im Gedächtnis verhaften bleiben. Doch eines morgens sind wir sehr verblüfft, mit welchen Unmengen an Köstlichkeiten der Hausschrein bestückt wird. Zunächst dachten wir, böse Geister sollten gnädig gestimmt werden um einen Wasserschaden zu beheben – es gab nämlich gerade kein fließendes Wasser – aber tatsächlich war ein Feiertag. Das Mondneujahrsfest. Alle Hausschreine waren heute voller Gaben.

Ins kurze Gespräch kommen wir leider nur mit Wenigen Englisch Sprechenden. Mal ist es eine Supermarktchefin, mal jemand am Straßenrand oder der nette Fahrradladenbesitzer, bei dem ich meine neue Fahrradkette aufgezogen bekam. Nach 6500 km war die alte nach unsachgemäßem Schaltvorgang (vorne und hinten gleichzeitig mit der Folge des Absprungs) im hügeligen Gelände gerissen. Schorsch, der Mechanikerheld, flickte sie zwar nochmal zusammen, aber in Folge war ich mehr als vorsichtig und schaltete nurmehr sanft, je Gang eine Umdrehung ohne Belastung. Schorsch bescheinigt mir des öfteren „Null Materialverständnis“. Ich geb’s ja zu.

Auf Ingrids Nachfrage, wie wir dieses Reiseleben verarbeitet bekommen: Das Reisetagebuch hilft ja, die Eindrücke des Tages nochmal zu erinnern. Ansonsten ist es halt sowas wie „ sich auf die Gegebenheiten einlassen“. Und klar, wie jetzt nach der Dusche, da ruhen wir uns erst mal aus. Das Reisen ist für uns eben zum normalen Lebenszustand geworden und beim Radln leert sich gewissermaßen auch das Hirn. Einfach nur im Augenblick sein ist ja prinzipiell erholsam und befriedigend.