Schorsch:

Wir haben zwei Routen zur Auswahl. Die erste Route führt flach dahin. Die Zweite direkt am Bergesrand entlang, aber hügeliger. 

Die Straße der Flachroute ist zunächst viel befahren, dann wird der Verkehr zwar weniger, aber langweilig. Wir wechsel auf die Hügelroute. Da ist die Landschaft toll und fast nix an Verkehr. Abends schon, lockt ein einziges Hotel in Google. Über Sandwege bergab ist da aber nix. Kein Bettchen! Nach 110 km und 500 Höhenmetern sind wir ermattet und müssen zum ersten Mal Zelten. Es wird schon dunkel und so ist wenig Zeit einen hübschen Platz zu suchen. Der Platz ist Ok, die Straße aber etwas nahe und daher laut. Aber der Schneeleopard ist weit weg in den Bergen. Nur das Wasser ist knapp, sich waschen fällt aus, und zu essen gibt’s Nix. Etwas eng im Zelt aber Ok. 

Petra:

Bis man große Städte per Rad hinter sich gebracht hat, sehnt man sich nach Ruhe. Anfänglich durch Parks und kleine Wohnstraßen ist es noch ganz nett, bis die Ausfallstraßen mit viel Verkehr kommen. Schon hier hätte ich wenigstens ins linke Ohr meine Ohrstöpsel einsetzen sollen. Wir wechseln unsere Route auf eine nächstkleinere Straße. Das bringt kein Vorteil, da die einspurige Straße enger ist, die LKWs mit weniger Abstand an uns vorbei preschen. Nach einem Abraumgebiet – hier wird wohl der Kies für die massenhaften Bauprojekte gewonnen – beglückt uns eine breite frisch geteerte Straße mit wenig Verkehr. Einzig, sie ist links und rechts von Bäumen und Buschwerk gesäumt und verhindert den Blick in Landschaft. Dafür entdecke ich eine Yurtenwerkstatt. Sieht nach Familienbetrieb aus. Danach also wieder zurück auf die bergnahe Route. 

Der erste Ort sind locker verstreute Häuser einfachster Art. Zunächst denke ich, verlassene Häuser, aber später werden wir feststellen, dass alle weiteren Orte ähnlich desolat aussehen. Ein extrem krasser Unterschied zu Almaty.

Entlang der Berge geht es gemäßigt auf und ab. Der Ausblick und die leere Straße ist die Mühe wert. Auf der einen Seite die weite Ebene mit Feldern oder Brachland, auf der anderen Seite die unbewachsenen auslaufenden Berge. Und diese sehen tatsächlich wie eine ausgelaufene Masse aus. Wunderschön in dieser Weite und Dimension. Autos sehen wir kaum mehr.

Letztendlich ist die Gegend so verlassen, dass wir auf Suche nach einem Laden, Restaurant oder einer Unterkunft wieder ins Tal zur Hauptstraße rauschen. Aber der nächste Ort ist zu klein für solche Annehmlichkeiten und es dämmert bereits. Wir schlagen hinter der Baum- und Buschreihe unser Notfallzelt auf, froh, dass ein nahendes Gewitter an uns vorbei zoeht. Jeder hat noch ein paar Schluck Wasser, das muss genügen.