Schorsch:

In Busan ist’s erstmal steil hügelig. Einigermaßen flachwegig gehts nur auf fetten Hauptstraßen entlang. Deshalb bleiben die Räder auf dem Balkon vom Apartment. Wir reisen mit Bus und Metro umher. Groß was phänomenales Anschauen kommt erstmal nicht zustande. Etwas durch die Stadt streifen schon. Wir besuchen einen Fahrradladen der uns Ersatzteile für die Ortlieb-Taschen bestellt. Adapter für die unterschiedlichen Rohrdicken am Gepäckträger. Petra hat die letzten Tage einen verloren, ich vor über fünf Monaten. Gleich schon sofort in Italien. Hab’s mit Filzgleiter umwickelt, das Rohr. Hat bis jetzt gehalten. Ist mir schon ein wenig ans Herz gewachsen, wie eigentlich Alles immer, das ich erfolgreich repariert hab‘. Der Radlladenbestitzer bestellt’s. Am nächsten Tag schon, soll’s da sein. Der Herr hat auch schon eine viermonatige Radreise durch Europa durchgezogen. In London, gleich am ersten Tag, wurde sein Radl geklaut. Hat sich dann ein Gebrauchtes gekauft und is damit los. Verständlich unachtsam, vermute ich, war er wohl. War’s gewohnt, nicht ständig um seine Sachen besorgt und auf der Hut zu sein. Hier in Korea ist’s sicher, bekomme ich immer mehr und innig das Gefühl. Ganz selbstverständlich wird in Lokalen die Kreditkarte aus der Hand genommen und weggeflitzt. Dass ich anfänglich in Sorge darüber war, ist für die Gastronomen und Kioskbesitzer von ganzem Herzen unverständlich. Das Rad mit Packtaschen lass ich mittlerweile fast unbesorgt vor dem Restaurant stehen. Gruppen von Jugendlichen wirken vollkommen friedlich. In U-Bahnmonitoren und auf Plakaten wird auf soziales Verhalten Anderen gegenüber aufmerksam gemacht. Und sicher ist es auch hier. Vor allen Hindernissen wird gewarnt. Oft steht ein, meist älterer Herr in Warnweste bereit und winkt einem mit Leuchtstab zu, dass man sicher durchkann oder eben nicht. In jedem Hotelzimmer gibt es Atemmasken und Abseilhaken und Leinen dafür, falls es mal brennen sollte. Und natürlich auch Feuerlöscher. Auf der Fähre werden die Autos und LKWs tatsächlich an jedem Reifen mit dicken Ketten gesichert. 

Für weitere Besichtigungen bremst uns eine zufällig am Wegesrand sitzende Urban Sketching Gruppe aus. Am nächsten Tag beginnt das größte koreanische Urban Sketching Festival. Da reisen wir tagsdrauf natürlich hin. Klaro! Eine Stunde mit dem Schnellzug ist’s easy zu erreichen. Und treffen auch tatsächlich die Pinsler von gestern. Großes Hallo! Ums Rathaus, da is der zentrale Treffpunkt, ist auch eine kleine Messe für Zeichenbedarf und so Kram. Die Künstlerin fremdelt seltsamerweise ein wenig, ist nervös und sitzt mit ihrem Stühlchen zunächst ein wenig abseits. Taut aber dann doch auf und findet dann bald Anschluss und malt mit den Anderen. Und auch ihr Zeichenbuch mit Skizzen der bisherigen Reise erntet viele Ohhhs und Ahhhhhs. Ich sitze am Rande rum und guck mir den fröhlichen Trubel an. Manche wollen mir auch ihre Zeichnungen zeigen. Sind schon recht Tolle mit dabei. Mir gefällt es immer ganz gut, wenn ich sehe, dass sich jemand recht Mühe gegeben hat und ich auch erkennen kann, was gezeichnet wurde. Das ist hier oft so. Und aus dem Augenwinkel erkenne ich auch, dass mich einige abmalen, mich Langnase (interner Ausdruck von Asiaten für westliche Gesichter) mit meinem hübschen blauen Hemd.

So haben wir aber jetzt ein paar geplante Sehenswürdigkeiten verpasst. Das Busticket nach Wando, da geht die Fähre nach Busan ab, steckt schon in der Tasche. Macht nix. Kommen ja wieder zurück nach Busan. Da mag ich auch dann wieder in das tolle Apartment-Hotel. Viel Platz und Balkon zum hübsch sitzen und gucken.