Petra:
Die Reise beginnt, die Würfel sind gefallen, alles was wir vergessen haben einzupacken, muss zuhause bleiben. In unserem noch nie so sauberen und ausgeräumten Häuschen. Ein wahrlicher Kraftakt. Der Speicher ist gestopft voll, das Speicherzimmer flächendeckend belegt mit Matrazen, Bettwäsche, Kisten und allem möglichen.
Aber das Wichtigste, alle Beschwerlichkeiten sind wie weggeblasen, während der Blick ins Inntal, bei strahlend blauem Himmel, für uns den Horizont nach Süden öffnet. Und wie witzig, auf dem Weg und am Bahnhof haben uns gleich drei Leute angesprochen oder „auf Weltreise“ zugerufen. Sieht man uns das an? Dabei finde ich unsere Gepäckausmaße verträglich und vorallem sehr wichtig, im Groundhandling – also zusammengeklappt mit Rucksack und Packtaschen sogar beim Einstieg in den Zug – altersgerecht zu tragen.
Es ist schon dunkel, bis wir zum Hotel kommen. Ein kurzer Imbiss direkt am Bahnhof, denn für größere Aktionen bleibt leider keine Zeit. Das Hotel Altrusi liegt etwa 4 km vom Zentrum entfernt und wirkt einladend. Während in München gerade mal die Osterglocken blühen, sind hier die Bäume schon grün.
Schorsch:
Jetzt oder nie, oder? Sagte meine Ärztin, der ich von der Reise berichtete und die meinen Gesamtzustand im Blick hat. Der Plan ist, in maximal zwei Jahren durch Asien und eventuell auch ein bisschen durch die Südsee zu ackern. Zwei Jahre, weil so lange die ADAC Langzeit-Auslandschutz–Krankenversicherung maximal gilt. Man erkennt hier an dieser Priorität deutlich, dass alte Leute unterwegs sind. Mit Bus, Bahn, Schiff und Fahrrad soll’s gemächlich vorangehen mit vielen, diesmal längeren Verweilorten. Anders als sonst. Eine altersgerechte Restzeitoptimierung soll’s sein und dabei wollen wir versuchen, durch hin und her springen auf dem Kontinent, nicht in einen Winter zu geraten.
Abfahrtstag München nach Bologna
Das Rad schlingert! Alles ist zu schwer. Bahnhof: vorm Zug München-Bologna. Gleich schon Stress beim Rad zerlegen, auf Westentaschengröße. Meine Steckachse benötigt einen Imbus der irgendwo ist. Beide Packtaschen ausräumend und den Inhalt auf dem Bahnsteig verteilt, finde ich das Werkzeug zuletzt im Rucksack ganz obenauf. Petra hatte sich – von mir milde belächelt – einen Tascheninhaltsplan gezeichnet. Und! Mein Rad passt nicht in die Packtasche! Das 29-Zoll-Rad in Verbindung mit dem Gepäckträger ist zu hoch. Der Reißverschluss geht nicht zu. Also Kapriopacktasche! Dacht’ ich hätte es mal ausprobiert!
Viele Menschen mit groooooßen Taschen drängen in den Zug. Irgendwie gelingt es uns (nachdem wir erstmal alles in Gepäckregale verstopft hatten, für uns aber keinen Sitzplatz finden konnten, nochmal mit all dem Gepäck und den Fahrrädern einen Wagon weiter umziehen) alles ordentlich zu verstauen und uns endgültig zu platzieren. In Fächern für Großkoffer finden die befüllten Fahrradtaschen einen ordentlichen Platz. Der Zug hätte überhaupt keinen Platz für normale Fahrräder gehabt. Ohne die tollen Klappräder gäbe es also keine Möglichkeit für uns überhaupt mitzukommen. Schonmalfein! In Bologna fantasiert mir was mit Bolognese zum Abendessen vor. Immerhin ist’s schon 20:45. Das essen in einer Bar gegenüber des Bahnhofs schmeckt’s nicht, so dass ich auf dem Weg zum Hotel schielend am McDonald vorbeifahre. Eine Bekannte von Petra berichtet dass sie auch schon eventuell in diesem Hotel war. Als Beschreibung: Viel Prostituierte stünden dort rum. Was Petra nur für Leute kennt?! Trotz umherschielen erkenn ich nix dergleichen. Das Handy navigiert uns brav auf Fahrradwegen, eventuell mit Umwegen, zum Hotel.
Erkenntnis des Tages: ich hab zu viel Gepäck! Alles ist vollgestopft und schwer, obwohl wir die Essensgeschenke, die als Reiseproviant zugedacht waren, schon vorher gefuttert hatten. Leider.






