Aufgrund von doppeltem Speichenriss gibt es kurz nach dem Check Out und dem Besuch in der Bäckerei Seiler (beträchtlicher Umweg mit Anstieg für frische Brezn) eine längere Zwangs- bzw. Reparaturpause. Ich lass dabei meine ersten Eindrücke von Japan revue passieren.
Hier in der Stadt ist jeder Quadratmeter verdichtet. In München wäre da also noch massenhaft Luft nach oben. Das bedeutet aber auch, eine extreme Versiegelung. Autos parken meist unter den Häusern und an Bezahlparkplätzen, denn an den Straßenrändern ist absolutes Parkverbot. Fahrräder sind nur auf ausgewiesenen Parkflächen erlaubt. Im öffentlichen Bereich sind die Fahrradständer mit Parkuhren verknüpft, so dass man sich sorgenvoll nach Fahrradparkverbotsschildern umsieht, sobald man seinen Drahtesel nur abstellt. Gehsteig, Fahrradweg und Autostrasse sind auf kleinen Straßen eine einheitliche Fläche. Wie bei uns in Spielstraßen, bewegen sich die Autofahrer wie auf rohen Eiern. In der Regel ist hier bei Unfällen der stärkere Schuld. Mir scheint, dies führt bei den Radfahrern zu eben jener bereits früher erwähnten Narrenfreiheit. Erstaunlich, wie sich das Verhalten anpasst, obwohl die Japaner sicher sehr auf Regeln achten.
In unserem sehr neuem Apartment war die Raumausnutzung und die handwerkliche Ausführung so was von ultimativ perfekt. So etwas habe ich selbst bei uns in Deutschland, wenn überhaupt, noch selten gesehen. Wie auf einer Musterausstellung klaffte kein Millimeter, die Verfugungen sensationell fein und genau, Beschläge, Scharniere – alles exakt, reibungslos, schwebend, optimal passend. Nichts wackelt, schaukelt oder hakelt.
Gestern im Schrein: ebenso meisterhafte Holzverbindungen. Präzise ineinandergreifend, wie ein Metallgetriebe. Im Zentrum ist das Nebeneinander aus Altbau und modernen Gebäuden ziemlich spannend. Hier in einem Randviertel mit zweistöckigen Wohnhäusern, wirkt das Ganze auch spießig. Aber nun gut, diese Ordung, Aufgeräumtheit, ist auch sehr beruhigend.
Aus oben erwähnter Platzoptimierung sind hier Kurzschnauzenautos (sozusagen motorisierte Rollkoffer) in allen Varianten verbreitet. Teilweise sehr niedlich und wohl schon länger, wie ein Oldtimer beweist.
Leider gibt es am Nachmittag nochmals einen Materialbruch. Weil mir mein Radl umfällt bricht ein Packtaschenhalter. Mit Kabelbindern wird die Tasche fixiert, das heißt aber, ich kann sie auch nicht mehr abnehmen. Das Ersatzteil muss schnellstmöglich her! Zudem beginnt es langsam zu regnen und wir suchen ein nächstgelegenes Apartment. Diese sind meist günstiger als Zimmer in Hotels, aber der Check-in ist diesmal extra nervig und dauert.
Kurz: wir kommen heute überhaupt nicht vorwärts. Und weil abends auch noch die umliegenden Lokale mit Warteschlangen aufwarten, geht es in peitschendem Regen zu McDonalds. Mmmh, was soll man machen, solche Tage gibt es halt auch.
Schorsch:
Los geht’s von Fukuoka nach Nagasaki. Da gibt’s einige offizielle Routen über Kyushu, die südlichste der großen japanischen Inseln. Wir wollen eine Kombination einiger Routen radeln. Aber nicht bevor wir beim gestern kennen gelernten Bäckermeister Seiler vorbeischauen. Leider hat er seinen Betrieb auf einen Hügel der Stadt gebaut. Wir müssen hochschwitzen, um an Wienerwürstchen mit Kren, Senf, Kartoffelsalat und Breze zu gelangen. Zudem reißen mir zwei Speichen. Geht das schon wieder los! Wie wird das wohl nach der Mastkur beim Bäcker Sailer werden?
So schaffen wir es gerademal so raus aus der Stadt. 30 Km sind nur geschafft. Frühzeitiger Abbruch der Tagesetappe und ab ins Hotel weil Regen beginnt.
Sonntagabend und weit verbreitete Nahrungsaufnahme in der Bevölkerung. Vor allen Lokalen sind zahlreiche Wartende platziert. Außer beim McDonald’s.





