Schorsch hat eine Ohrenentzündung und wir sind gestern von der Fähre gleich zu einer Ohrenärztin. Ein Streifen mit Arznei über Nacht im Ohr hat gut geholfen.
Alles ist sehr effizient und platzausgetüftelt hier in Japan. Und sehr reglementiert. Die Radlfahrer haben aber wohl Narrenfreiheit. Die fahren wie sie wollen. Wir haben die große Hoffnung auf besseres Essen hier, als in Korea, waren gestern sicherheitshalber aber indisch essen und bei McDonalds (Schorsch zuliebe). Um die Wartezeit zu überbrücken, bis wir in unser Apartment konnten, weilten wir im Schrein. Zeit für mich zu malen.
Schorsch:
Juhuu, Japan ist erreicht. Ein Eckpfeiler der Reise. Die Fähre aus Busan bringt uns über Nacht ordentlich in einer Schlafkabine – ohne Fenster und in Stockbetten – über die Koreastraße (Teil des Japanischen Meeres) nach Fukuoka.
Das Meer ist etwas unruhig und schaukelt mich bald in den Schlaf.
Am nächsten Morgen ist’s wieder ein neues Land für mich und wieder ist’ recht spannend, was uns erwartet. Die Grenzkontrollen sind easy. Nur Petra wird gefilzt. Die Japaner wollen es vermeiden, dass Messerstecherinnen das Land unsicher machen. Das Käsemesser überschreitet die Länge von 6 cm aber nicht, ist daher keine tödliche Gefahr für Leib und Leben und darf wieder verpackt werden. Mein Brotzeitmesser ist etwas länger. Hab’s aber in einer am Rad montierten kleinen Werkzeugtasche verkruscht und damit erfolgreich über jede Kontrolle gebracht. Auch der Schmutz an den Radreifen ist eine bedenkliche Gefahr. Jedes Fahrrad muss anrollen und die Reifen werden von einem älteren Herrn ordentlich mit Desinfektionsmittel besprüht und abgewischt. Keine schädlichen Pflanzenreste, Erdklumpen oder Ungeziefer sollen ins Land.
Und Achtung! Ab jetzt Linksverkehr! Etwas orientierungslos schlängen wir zum Bahnhof. Oft auf dem Gehweg entlang. Machen wohl alle Radler hier. Auch wegen den seltenen und wenigen ordentlichen Fahrradwegen. Ansonsten nehmen es alle recht genau mit den Verkehrsregeln. Alle bleiben immer bei roter Ampel stehen. Obwohl die Ampelphasen eine Brotzeit lang dauern. Keiner telefoniert während der Fahrt. So bleibt genügend Aufmerksamkeit für das Umfeld übrig. Zum Beispiel für uns, auch wenn wir gegen die Fahrtrichtung auf dem Gehweg daherkommen oder entgegen der Einbahnstraße rollern.
Es ist Morgenstimmung. Emsig eilen Männer in Anzug und Krawatte zum Arbeitsplatz und Kinder in ordentlicher Schuluniform in ihre Klassenzimmer. Wenig Frauen sind zu sehen. Später dann, sieht man die Damen, wie sie die Kinder irgendwohin in ihren winzigen Autos rumkutschieren oder Einkäufe erledigen. Mir kommt es so vor, dass fast nur Frauen und ältere Menschen unterwegs sind. Männer sehe ich nur dann, wenn sie einer Arbeit im Straßenverkehr nachgehen oder in ihren Handwerker-Lieferwägen umher fahren. Alle Anderen sitzen wohl mit Anzug, weißem Hemd und ordentlich gekämmt im Büro.
Für uns geht’s auf Frühstückssuche.
Das gebuchte Hotel ist erst ab 15:00 zu betreten. Personalloser CheckIn, niemand ist anzutreffen. Die dicken Radtaschen werden wir also nicht los. Wir müssen für das Kurzsigtseeing bis 3 alles mitschleppen. Zunächst aber mag ich einen Ohrenarzt aufsuchen. Seit Tagen quält mich eine Entzündung. Hab wiedermal zu oft bei juckendem Gehörgang mit Wattestäbchen rumgenestelt. In der Praxis ist alles platzsparend arrangiert. Ein kleiner Behandlungsraum mit drei aneinandergereihten Behandlungsstühlen. Je eine Ärztin und Assistentin. Geschickt und wohl lange schon geübt und praktiziert schlängeln sie um die Patientenstühle. 17 € in Bar kostet die Untersuchung und der antibiotische Stoffstreifen inklusive der endoskopischen Betrachtung meiner Gehörgänge. Und die Dame spricht sogar etwas Deutsch. Die Feinheiten werden aber mit Zeichensprache und Übesetzungs-App geklärt.
Auch sonst: überall ist es ziemlich platzoptimiert und verschachtelt bebaut. Eng ist’s also und wenig bis keine Plätze zum Sitzen. Nur in den Tempelanlagen, wie schon so oft, lässt sich’s gut rasten. Schön beschaulich kann ich das Tempelritual verfolgen.
Zuerst reinigt man sich am Wasserbecken: rechte Hand, linke Hand, Mund – ein symbolischer Akt, um Körper und Geist zu klären. Dann geht’s zur Haupthalle. Eine Münze landet klirrend in der Opferbox.
Nun folgt die typische Geste: zweimal tief verbeugen, zweimal in die Hände klatschen, still einen Wunsch oder Dank aussprechen, und sich zum Schluss noch einmal verbeugen.
Ich beobachte ein junges Pärchen das irgendwie liebevoll das Ritual durchspielt. Ich denke, die haben einen Kinderwunsch geäußert.
Überall sind Fotografier-Verbotsschilder. Keiner schehrt sich.
Bei uns ist es das Einbuchungsritual ins Hotelzimmer, das zum Glück führen soll. Extrem aufwendig und personallos. Am Tabletterminal Ausweise abfotografieren, auf Bestätigung warten, nochmal irgendwas senden und dann irgendwann endlich die Zugangsnummer bekommen. Etwa 45 Minuten voller Andacht bis alles durch ist. Und am Ende kommt dann doch noch eine Dame vorbei, die zwitschert, dass sie ein paar Yen Kurtaxe haben mag. Und wow! Das Zimmer, eigentlich ein winziges Apartment, ist perfekt platzsparend eingerichtet und organisiert. Und alles passend in perfekter Handwerkskunst.









