Wir beschreiten ein neues Land. Keine Ahnung, was uns erwartet. Der erste Eindruck: wir sind wieder auf heimischen, sprich, nach der Marktwirtschaft ausgerichtetem Boden. Die Häuser sind eindeutig aus besserer Substanz, in gepflegterem Zustand, die Radwege vom Fährhafen aus, dagegen ungepflegter. Langsame Trikes oder eMofaroller gibt es hier nicht mehr, eher geschäftiger Verkehr wie in Deutschland. Dafür hat das erste Café in das wir uns stürzen, wunderbaren Espresso aus der Gaggia-Maschine und die Räumlichkeit ist gemütlich, einladend, sauber, mit Tischdecke und Blumen, die Inhaberin trägt eine blau/weiss karierte Schürze. Sowas haben wir schon lange nicht mehr gesehen!
Hier ist es definitiv anders als in China. Und ja, sobald wir uns Seoul auf einem supergut ausgebauten Fernradweg entlang des Hangang Flusses nähern, wird klar, wir sind hier wieder in einer Leistungsgesellschaft. In den Parks sind keine Qigong- oder TaiChi-Anhänger mit sanfter Bewegung, sondern viele sportliche und durchtrainierte Rennradler und Mountainbiker, jeweils in top Fahrradmontur und mit bestem Equipment flitzend unterwegs. Selbstoptimierung.
Sehr erfreulich sind die Rastplätze, Pausenbänkchen, Streetfood-Vans entlang des Ufers, das gegen Feierabend immer quirliger besucht wird. Die Skyline besteht zwar genauso wie die Großstädte in China aus unzählbaren Hochhäusern und Wolkenkratzern (Lotte ist 555m hoch), aber es sind jeweils individuelle Bauten, nicht diese Batterien im Einheitsstil Chinas‘. Zwar kommen wir erst bei Dunkelheit bei unserem Quartier an, sehen aber schon aus den Augenwinkeln, eine Stadt mit ganz unterschiedliche Facetten. Spannend!
Schorsch:
Korea
Die Ausreise aus China ist unproblematisch. Schön war’s hier in China und ich hab mich wohl gefühlt. Hätte schon Lust nächstes Jahr wiederzukommen. Diesmal den Südwesten abtingeln. Lieber, als die schon gesehenen Länder Thailand, Laos und Kambodscha. So momentan mein Gefühl. Die Überfahrt verschlafen wir in der 2er Liegeplatzkabine sogar mit Dusche/Badewanne. Das Schiff ist schon in die Jahre gekommen und die Kabine auch. Treffpunkt am Fährhafen ist 14:30. Das Verladen der Räder ist umständlich und kommt wohl nicht so häufig vor. Die Räder müssen in einen Bus geladen werden, der uns dann 30 Meter über die Straße zur Gangway bringt. Jeder muss seine Koffer selber tragen. Und wir unsere Räder. Die werden dann im Treppenhaus an die Handläufe geschnürt. Ein paar Meter weiter ist die Auffahrt für Fahrzeuge. Da dürfen wir keinesfalls rein. Womöglich würden wir nur den Beladeablauf stören. Bei der Ankunft in Seoul ist das gleiche Spiel, nur umgekehrt und die Busstrecke zum Empfangsterminal ist weiter. Die Einreise nach Korea ist auch unproblematisch. Wir werden dirigiert, wo wir unsere Räder abstellen sollen und uns anstellen sollen. Hab schon irgendwo gelesen, dass so mancheiner der Koreaner recht 100% bürokratisch sein kann. Bei mir ist’s der Grenzbeamte (Ich glaub er trug ein Jackett mit Ellenbogenschonern). Lässt uns nicht ohne angegeben Zielort in Korea auf dem Einreiseformular, passieren. Eventuell hab ich vergessen, ihm meinen Ausweis mit beiden Händen und mit einer kleinen Verbeugung zu überreichen. Er schickt uns mitsamt Fahrrädern zurück zum Ausfülltisch. Da erhalten wir Unterstützung von zwei weiteren Grenzbeamten. Die füllen einfach irgendwas auf koreanisch aus, wahrscheinlich ein x-beliebiges Hotel, und schon klappt’s auch mit den Grenzbeamtin (andere Schalter, andrer Mensch).
Das Hafengebiet liegt etwas trostlos im Nirgendwo. Nur LKWs auf weiten Flächen sind zu sehen. Schon ein paar Kilometer weiter Richtung Incheon, am Stadtrand, steuern wir ein kleines Kaffeehaus an. Hey! Es gibt wieder Kaffeehäuser! Und dieses hat ganz saubere Tische mit Blümchen darauf. (Die Blümchen sind zunächst nur Petra aufgefallen). Und es gibt, lange nicht gesehenen, richtigen Espresso und Sandwiches. Fängt gut an, Korea. Was es dafür nicht so recht gibt, sind die hübschen breiten Zweiradspuren. Überhaupt fehlen die Zweiräder und Transportdreiräder. Nur Autos und ein paar LKWs. Und! Keiner hupt! Nach einigen Kilometern durch die Stadt stoßen wir auf einen Fahrrad-Superhighway. Der führt zunächst zum Hangang River und den entlang rein nach Seoul. Hier sind ein paar ältere Herren mit dem Radl unterwegs. Später dann, Richtung Seoul, dann immer mehr Sportradler, die vorbeiflitzen. Und sogar Rastplätze mit Kiosken hat’s. Und schongleich sind schon welche nett zu uns. Ein älterer Radler stellt uns Tisch und Stuhl in den Schatten, die Kioskdame schenkt uns zum Abschied noch zwei Flaschen Wasser und Guttis. In Seoul angekommen, wirds dann richtig voll auf der Freizeitstraße dem Fluss entlang. Jogger, Rennradflitzer und Gemütlichtreter haben alle Platz auf dem breiten Wegen. Vom Fluss weg zum Hotel wirds dann schon etwas ungemütlich. Es ist schon dunkel, es geht bergauf und die extra Zweiradspuren wie in China fehlen mir hier schon sehr. Dennoch! Keiner drängelt oder gefährdet. Alle sind rücksichtsvoll. Die nächsten Tage nehmen wir aber dennoch Bus und U-Bahn, um in Seoul mit seinen knapp zehn Millionen Insassen zu besichtigen. Zumindest dann wenigstens Bruchteile davon. Dennoch wirkt die Stadt auf mich recht entspannt. Besonders beeindrucken und erfreuen mich die kleinen grünen Inseln mit Spielplätzen und Fitnessgeräten. Die älteren Herren treffen sich zum Ratsch und zur Körperertüchtigung. Sehr, sehr nett! Gefällt mir gut. Wir machen dort Mittagspause mit Baguette und Käse und beim Verdauen auf dem Bänkchen träume ich davon, so einen Treff bei uns im Garten einzurichten. Auch, inspiriert durch China, Aerobic oder Gymnastik für Alte, so wie ich.
Die anderen hübschen Momente und Gegenden in Seoul beschreibt Petra bestimmt noch sehr trefflich.
























