(4.60177°, 101.07893°)(4.35061, 100.88237°)(4.02000°, 101.03000°)(3.67452°, 100.98703°)

Petra:

Waschsalon. Wartezeit zum Schreiben, während mir um sieben Uhr Abends noch der Schweiß aus den Poren drückt. In drei Tagen sind wir von Ipoh über Bota Kanan, Teluk Intan hier nach Sungai Besar geradelt. Anfänglich auf einer hübschen Landstraße mit wenig Verkehr durch kleine Hügel zum Fluss Sungai Perak. Schöne alte Holzhäuser stehen dort am Ufer. Kennzeichnend für diese Region sind die farblich abgehobenen Treppenaufgänge, überdacht und mit luftdurchlässigen ornamentalen Holzwänden. Unser homestay begeistert weniger. Wir haben zwar ein ganzes Haus für uns, aber Ameisenstraßen ziehen durch die Räume und angebrochene Dinge stehen im Kühlschrank, die Handtücher wirken gebraucht. Vielleicht ein Wochenendhaus, das vor Kurzem noch selbst benutzt wurde. Im Schlafzimmer denken wir Bettwäsche entdeckt zu haben, aber es ist ein muslimisches Nachtgewand – also ein Khimar aus weißer Baumwolle mit langem Rock. Ohjeh, wie intim, wie unangenehm.

Heute ging es meist durch Ölpalmplantagen. Morgens nach dem Aufbruch verhedderten wir uns schon im Plantagenland. Einen Weg im GPS gab es nicht mehr und wir endeten an unüberwindbaren Bewässerungskanälen. Kein Durchkommen. Danach gab es zwar einen Weg, der war aber furchtbar schlecht. Teils aufgelöster Asphalt, teils Sand und Erde und dazu mit Schlaglöchern und Wellen übersäht. Anstrengend! 

Schorsch:

Die Strecke muss neu geplant werden. In der Nähe der Berge ist’s wohl oft Regenreich. Zudem ist bei der momentanen Route nur am Ende des ersten Tags ein Hotel auf den Buchungsplattformen sichtbar. Bei der weiteren Route ist’s ungewiss. Zudem gibt es wenig kleine Straßen. 

Neu geht’s Richtung Küste und später im Bogen vom Westen her nach Kuala Lumpur rein. 80 km weiter, als der direkte Weg (nämlich 330 km), aber weniger Höhenmeter und womöglich weniger verkehrsreiche Straßen. Mal sehen. Gleich nach Ipoh kommt schon der erste Schauer. Die Straßen sind gut fahrbar und teilweise angenehm ohne Verkehr. War das letzte Hotel doch noch recht angenehm und mit super Frühstücksauswahl, geht die erste Nacht der Stecke, andersrum in der Skala. Von 1 bis 2, erreicht das Homestay nur die 1. Keine Bettdecken und Unterlagen. Der mitgeführte Schlafsack darf zum Einsatz kommen. Keine Handtücher und irgendwie wirkt die Bude als ob hier schnell die eigentlichen Insassen schnell und unvollständig ausquartiert wurden. Im Kühlschrank sind noch eklige Sachen. Der Boden übersäht mit winzigen Ameisen. GrummelGrummelGrummel! Für 60 Euro! Vermieter ist Keiner zu sehen. Abrechnung direkt über die Booking APP. Schnell noch am kleinen Supermarkt die Abend- und Morgenversorgung gesichert. Tomaten mit Zwiebel, Zitronendressing und Toastbrot – mit einem Sieb über der Herdflamme getoastet. Die Chefköchin macht’s möglich. Ich dagegen bin besonders regungslos ermattet. Keine Energie um noch auf Lokalsuche zu gehen. 

Kann besser werden. Tut’s auch, aber nur etwas mehr wie wenig. Über kleine und große Straßen erreichen wir regenfrei das nächste Quartier. Das Hotel ist leidlich, das Frühstück ärgerlich, der Kaffee rationiert auf eine Tasse Dünnbrühe. Irgendwie kommt mir beim Treten dann der Gedanke in den Sinn, dass es Malaysia bei mir nicht unter die Top Ten der favorisierteren Länder schafft. Bisher noch nicht. Kann sich ja noch ändern. Der Gesamteindruck ist: alles irgendwie lieblos. Hotels, Duschen, gemütliches Bettchen, Gaststätten und Pausenbuden zum Kaltgetränke fassen. All die Sachen, auf die man sich eigentlich freut, wenn durch die Hitze getreten wird, sind zwar vorhanden, reichen aber nur schummrig und verschwommen an das gewohnte Glück heran. Nur, und das ist schon erfreulich, die Menschen sind nett und freundlich. Viele winken, grüßen und oft ist auch ein kleiner Ratsch möglich. Die sprechen hier oft besser Englisch, als die Thailänder und ich. Friedliches Mischvolk. Meist Muslime, aber auch andersgläubige Chinesen, Inder und Thailänder. Und, die Frauen, auch die Muslimas, sind hier selbstbewusst und nicht nur Anhängsel. Meist ohnehin ohne Gesichtsverschleierung, nur mit Khimar (bedeckt Kopf, Hals und Schulter), der dann, wenn sie auf dem Scooter flitzen, ordentlich nach hinten wächelt. Frech sieht das dann aus, wenn ein spacig bunter Jethelm mit verspiegeltem Visier getragen wird. Die Männer kümmern sich auch rührend um den Nachwuchs. Und kaum einer tattelt hier ständig am Handy. Nicht beim Essen und auch sonst so nicht. Die Kinder scheinen noch andere Interessen zu haben und tollen auch mal fröhlich rum. 

Die Stecke ist eigentlich ganz hübsch. Von 75 km verlaufen 40 km entlang Plantagen – selten mit LKWs die geerntete Palmölfrüchte Abtransportieren. Leider ist die Straße zwar geteert, aber in einem miserablen Zustand. Ich schleich‘ mit 11 h/km um die größten Schlaglöcher rum und nehm den Rucksack, der sonst auf dem Frontträger lümmelt, nun etwas ruckelbefreiter auf den Rücken. Labtop und Drohne sollen nicht in Einzelteile zerrüttet und in Krümeln aus dem Rucksack geschüttelt werden. 

Später noch: die Sonne beleuchtet schon etwas schräg sattgrüne Reisfelder. Auch Ganz hübsch. Aus dieser sinnlichen Betrachtung reißt mich eine abrupte Bewegung. Ein 1,5 Meter langer Waran erschrickt und mag panisch vom Gebüsch zurück in den Tümpel auf der anderen Wegseite. Er muss dazu meinen Weg kreuzen. 1 Meter vor mir!, was mich auch erschrickt. Aber dann doch interessant anzusehen, wie er mit seinen vier Beinen und dem langen Schwanz irgendwie schlangenartig vorbeiflitzt und mit ausgebreiteten Beinen, die er als kleine Tragflächen benutzt um mit weitem Bauchplatscher 2 Meter tiefer ins Wasser zu segeln. Dort schwimmt er dann wieder schlangenartig davon. 

Hotelbezug, Waschsalon, das hier tippeln während der Schweiß und Staub weggespült wird. Dann noch was Futtern. Mc-Donaldburger soll’s mal wieder sein. Garnichtmal so einfach, in kleinen Provinzorten angenehme Lokale zu finden. Sogar die kulinarisch Feinfühligere, zieht’s heute gleichfalls in die Fastfoodbude. Und wären  nicht meine Finge vornewegschon mit triefender und leckerer Fischmäcksoße verschmiert, gäb’s ein Knipsebild. Petra einen Big Mac futternd, mit im Gesicht geschickt verteilter Remoulade.