(39.90269°, 66.29091°)(40.12224°, 65.36311°)

Schorsch:

Der Radelalltag ist wieder fein. Frühstück, packen und hübsch treten. Ab und zu Kaltgetränke-Pausen und Energiezufuhr in Form  von Schokoriegel oder auch mal trocken Brot mit Banane. Hoffen auf ein hübsches Zimmer mit gemütlichen Bettchen, Ankommen, Duschen, im Nahe gelegenen Restaurant oder Schnellimbiss mit Döner, was futtern und seelig schlafen. 

Die Landschaft ist flach. Es geht entlang der Oase von Samarkand und dem Serafschan-Tal. Und eben der Serafschan ist der Fluss, der die ansonsten staubtrockene Region mit Wasser für Felder, Obstgärten und Siedlungen versorgt. Links und Rechts des grünen Streifens ist schon die Wüste Kysylkum. Berge sind nur in der Ferne schemenhaft zu erblicken. All das macht die Landschaft machmal eintönig. Die Dörfer sind dann aber doch ganz nett. Ich hab eine Route Samarkand – Bukhara im Internet entdeckt und geladen. Der Ersteller hat wohl eine tiefe Abneigung gegen Asphalt und eine große Liebe für Holperstrecken und Sandpisten. Mag’s garnicht gerne. Und um die Dame auch bei Laune zu halten versuche ich dazwischen, wenn möglich, auf etwas größere Straßen zu kommen. Oft ganz hübsch, dann. Aber oft auch welliger Gravel oder extrem holpriger und löchriger Asphalt. Ab und zu auch relativ stark befahrene Straßen. Ein ziemlicher Mix aus Allem.

Eine große Gefahr lauert überall am Straßenrand. Offene Kanäle in tiefen Betonrinnen sollen das Regenwasser sammeln. Wer hier unachtsam nach Hund, Katze , Maus den Kopf schwenkt und ins Schlingern kommt kann sich schnell schlimm weh tun oder gar den Hals brechen.

Gehupt wird ständig. Und auch fleißig Gewunken. Viele Autofahrer freuen sich, dass wir auch hier sind oder auch, dass wir achtsam sind, weil sie gerade dahergeflitzt kommen. Auf jeden Fall ist es immer laut. Nach 70 km, schon etwas angezählt und auf momentan recht verkehrsreicher Straße mag einer besonders laut Hupen. Petra erschrickt arg und bekommt direkt Herzrasen. Die letzten 25 km bis Navoiy soll dann ein Taxi wieder Gelassenheit bringen. Is eh schon nach 4 und um 6 wird’s dunkel. An einer Straßenecke stehen einige der kleinen Damas-Transporter rum. Also dann, Räder klappen und verstauen. Schnell wird noch die Rücksitzbank ausgebaut. Alle umstehenden helfen mit. Mein Werkzeug und die Steckachse wird eingesammelt, mein Helm und die Taschen werden ins Auto geladen und die noch rumliegende Wasserflasche wird mir gereicht. Fehlt bloß noch ein kleiner Schubs, der mich in Richtung Beifahrersitz bringen soll. Ich bin gerührt von so viel Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft. Auch sonst, oft will man uns mit Lebensmittel, Getränken oder Eis über die Runden bringen. Sehr oft grüßt man uns herzlich und winkt uns zum Tee rüber. Viele wollen mir die Hand schütteln. Stehen wir rum und gucken ins Navi, kommt gleich wer und mag helfen den richtigen Weg zu finden. Manche der geplanten Wege sind oft arg holprig. Oft ist ein Hinweis recht nützlich. Es schleicht sich langsam in mein Herz, dass dieses muslimische und ehemals russische Land, das für mich bisher gastfreundlichste is. Nur die älteren Damen mit Kopftuch und langem Mantelkleid, das knapp über den immer, immer zu kurzen Pantoffeln endet, gucken manchmal mürrisch. Oft auch mit Blick auf meine kurze Radlhose mit rotem Leopardenmuster.