Die bequeme Eingewöhnungszeit mit Komfortzimmer neigt sich zum Ende. Zum Abschluss wird noch schnell der Hotelroboter fotografiert, der uns zu Beginn im Aufzug keinen Platz machen wollte. Unter Kraftanwendung in die Ecke gelehnt, waren sich Schorsch und er in Folge nicht mehr ganz grün.

Nach einem gestrigen Westernfood-Versuch (im vermutlich einzigen Hamburgerladen der Stadt) ist auch Schorsch von zukünftig vegetarischem Essen überzeugt. Für unsere Zugfahrt werden Kekse eingepackt und auf dem Weg zum Bahnhof wird der Supermarkt bemüht. Keines der zahlreiche Restaurants lockt uns.

Khorgas besteht schier zur Hälfte aus Baustellen, aus denen später maßgeblich Gebäude für die Seidenstraßen-Logistik, für innovative Entwicklungszentren und Wohnungen entstehen werden. Und ein anderer großer Teil der Flächen, sind gerade fertig gestellte Baukörper. In den Dimensionen für ein Zwei-Milliardenland ausgelegt. Schön ist anders, aber beeindruckend ist das schon. Es verspricht Arbeit und einen modernen Lebensstandard für alle.

Wir sind Stunden vor Abfahrt des Zuges am Bahnhof. Die Räder werden zerlegt und verpackt. Alles Gepäck durchläuft die Röntgenscanner. Am Schalter versuche ich zu erfahren, ob meine Reservierung ohne ein chinesisches Ticket ausreicht. Nach einigem hin und her von unverständlichem Chinesisch hilft eine Frau, die Englisch spricht: Ja, denn die Reisepassnummer ist verknüpft und erklärt alles.

Hinter uns sitzt eine pfiffige Mutter mit zwei Kindern, auch etwas Englisch sprechend, die uns unbedingt von ihrer Verpflegung abgeben möchte. Es entsteht ein spielerisches Zu- und wieder Zurückstecken von Obst, Keksen und Maiskolben. Ein riesen Spaß, der allen die Zeit vertreibt. Im Zug werden wir sie wieder treffen und gegenseitig die Sprachen üben. Tatsächlich bin ich sehr verblüfft, wie meine 35 Jahre zurückliegenden Kenntnisse wie selbstverständlich aus meinem Mund sprudeln. It‘s magic!

Inzwischen ist es 1 Uhr in der Nacht. Das Einsteigen in den Zug war so „kanalisiert“, dass es kein Drängeln gab. Das muss wirklich harte Erziehungsarbeit gewesen sein. Das kenne ich anders. Unsere Räder finden vor einer Zugtüre Platz. Gerade mal so. Ohne Klappräder wären wir hier absolut chancenlos. Nach zwei Zwischenstopps ist der Zug inzwischen proppvoll. Rauchschwaden ziehen durch den Waggon. Das ist fast so wie früher, nur ist der Zug fast neu, blitzsauber, auch die Fenster sind frisch geputzt. Die Gesichter sind aufgeweckt, munter, freundlich. Na ja, um 7.30 Uhr kommen wir an, da gilt es noch einige Zeit durchzuhalten.