(40.54377°, 70.94018°)(40.20979°, 69.27560°)(40.27265°, 68.82919°)

Und dann rüber nach Tadschikistan. Zunächst war’s nicht im Plan. Unklar, ob die Wunschgrenzen für Ausländer passierbar sind. Aber der positive Informationsstand überwog. Rein war schon mal erfolgreich. Auch wieder sowohl bei der Ausreise aus Usbekistan als auch bei der Einreise nach Tadschikistan sehr nette Grenzbeamte. 

Keine weitere Touristen sind unterwegs. Hier und auch schon in Kirgisistan sind wir oft in recht abgeschieden Regionen unterwegs. Bedenkenlos. Jemand fragt, ob wir nicht besorgt unterwegs sind, ob wir nicht in so einer Abgeschiedenheit Angst vor Böswilligen hätten. 

Das bringt mich ins Grübeln. Die ganze Reise war wie in Abrahams Schoß. Keiner will mich bestehlen oder an meinen Kragen. Keiner randaliert oder pöbelt. Alle sind arglos, freundlich und respektvoll. Auch untereinander. Fühl mich nirgends unsicher, auch Nachts nicht, weitab jeder Zivilisation oder großer Menschenmengen um mich herum. Obwohl ich eine andere Hautfarbe hab, obwohl ich eine andere Sprache spreche, obwohl ich Ausländer bin, obwohl ich anders angezogen bin, obwohl  ich ganz, ganz anders bin als alle Anderen, fühle ich mich überall herzlich willkommen.

Ich denk drüber nach, ob ich mich da dann Daheim wieder an die Umstände gewöhnen kann? Oder lese ich zu viel Nachrichten aus Deutschland und Europa? Oder erreichen mich nur bad news und die Schönheit und Geborgenheit der Heimat ist durch eineinhalb Jahre Abstinenz verblasst?

Alles läuft harmonisch. Man grüßt sich höflich mit „Salem Alaikum“ und die Autofahrer sind rücksichtsvoll. Die Landschaft ist jetzt nicht soooo berauschend. Aber es wird viel gebaut und gebastelt. Jeder hat irgendwelches Baumaterial geladen und überall rattern Betonmischer. So werd ich inspiriert und seniere auf langweiligen Geraden über mögliche Umbaumaßahmen für daheim dann, nach. Die Sehenswürdigkeiten mancherorts sind nicht lockend. 

Die Grenze naht und so steigt auch die Spannung. In der nahen Stadt wird die Hoffnung von einem wohl regierungsnahem Passanten gedämpft. Die Grenze sei nur für Lokaltransfere. Derweil wartet das einzige Bettchen im weiten Umkreis in der schon in Sichtnähe gerückten Stadt Bekabad jenseits der Grenze. 

Aber es klappt, wir kommen hier raus aus Tadschikistan. Die Grenze scheint nur eine Personengrenze zu sein. Nur Fußgänger und nur wir Radschieber sind unterwegs. Es stehen zwar 3 Autos für die Einreise an, die werden aber scheinbar extrem gefilzt. Alle Türen sind offen, der ganze Kram am Boden verteilt und Hunde schnuppern rum. 

Eine ältere Dame mit Tonnenfigur, so wie ich’s auch hab, nur ohne bodenlangem Mantelkleid kaschiert, beschwert sich scheinbar über meine kurze Radhose beim Grenzbeamten. Dem ist’s aber zum Glück egal. 

Hier in Tadschikistan gelten strenge Regeln. Die Männer dürfen keine Bärte tragen, die Frauen sollen ihr Kopftuch etwas offener tragen. Vorne sollen die Haare nicht ganz verdeckt werden und hinten ist das Kopftuch im Nacken zusammengebunden. Wer so rum läuft gilt als angepasst. Frauen mit Hijab, die Kopfschulterbedeckung bedeckt alle Haare und fällt über den Rücken, gelten als zu radikale Revolutzer und es ist nicht gerne gesehen. Gesichtsverschleierung ist verboten. So will der Oberchef radikale islamistische Strömungen verhindern. Und noch was ist verboten. Schlampig mit zerrissenen Hosen, oder mit kurzen Hosen rumlaufen. So wie ich. 

Auch die Wiedereinreise nach Usbekistan läuft glatt. Nur unser Gepäck wird diesmal durchleuchtet. Auch ein großes Drohnen-Verbotsschild hängt rum. Und mein Herz muss garnicht in die Hose rutschen.