Schorsch:
Verpasst
Schon Angepasst an die älteren Griechen vertrödeln wir in der Espressobar. Und verpassen den Bus der uns rechtzeitig zum wohl phänomenalen vorösterlichen Trubel in der Stadt Korfu bringen sollte. Der Nächste fährt uns über ne Stunde später in die Stadt und wir bekommen dann doch noch das Ende vom humbahumbatätätä mit. Etwas gemein ausgedrückt. Der Umzug mit den zahlreichen Spielmannszügen ist doch ganz sehens- und hörenswert. Zwischen den einzelnen Kapellen marschieren immer wieder Schulklassen in Uniform (sozusagen als Abstandshalter, damit sich die Töne nicht vermischen) mehr oder weniger schon etwas abgeschlafft dahin. Man sieht’s, dass es für so manchen/r nicht der größte Spaß ist. Teilweise sieht man unter dem Blitzehelm oder der Kappe schon mal ein Piercing oder bunt gefärbtes Haar. Wohl nicht gerade die ideale Freizeitbeschäftigung für Manche. Dennoch ist’s ganz nett, die Spielmannszüge spielen sanfte Musik und keine Militär-Marschkracher. Am End zieht noch das Kirchenoberhaupt vorbei und segnet uns. Die gesamte Altstadt ist hier seit 2007 Weltkulturerbe, darunter auch eine Kirche mit roter Kuppe. Das dann freilich von Petra malerisch in Szene gesetzt wird. Das Tolle an der befestigten Altstadt sind wohl die verschiedenen Einflüsse aus unterschiedlichen Epochen.
Eigentlich ist’s recht trubelig. Kein Wunder, am Palmsonntag findet eine große Prozession mit den Reliquien des Heiligen Spyridon statt, dem Schutzpatron der Insel. Der ist auch in der roten Kuppelkirche im Sarg aufgebahrt und wohl von vielen verehrt, die den Sarg berühren oder einen Schmatz draufdrücken. Da wird der Heilige hoffentlich nicht zum Superspreader!
Etwas abseits auf einem kleineren Platz ist es ruhiger und es lässt sich gut bei Espresso hocken und gucken wer vorbeikommt. Hier begegnen sich Katzen, Vögel und Hunde komplett unaufgeregt. Auf der Piaza bei Espresso und Keksen könnte ich dem geschmeidigen Tun der Tiere stundenlang zusehen. Im Hintergrund plappern fröhlich einige Damen im gesetzten Alter durcheinander.
Gegen 19:00 werden die Gassen merklich leerer. Womöglich weil sie alle nicht den 19:00 Uhr Bus verpassen wollten. Für uns schließt sich der Kreis und wir verpassen den Bus wie auch schon morgens und warten auf den nächsten und letzten um 21:30. Aber garnicht so schlimm, dafür gibts ja ein hübsch gemaltes Bildchen und lecker Essen ums Eck der Bushaltestelle.
Petra:
Beim Warten auf den spätabendlichen Bus sitzen wir vor einem sehr formschönen BMW Cabrio in silber. Da fällt mir auf, dass viele Autos hier Sonnenbrand haben. In großen Flecken pellt sich die oberste Lackschicht ab und es bleibt nur noch der matte Unterlack. Beim Cabrio ist das schon ein Jammer.
Außerdem recherchieren wir die wichtige Frage zum Entsorgen des verschmutzten Klopapiers. In Griechenland wird – und jetzt wissen wir, dass das eigentlich immer gilt – über den bereitstehenden Mülleimer entsorgt. Hintergrund sind die nicht eingehaltenen DIN Normen der EU (heißt: zu großes Gefälle und zu kleiner Durchmesser der Abwasserleitungen). Nun denn, fortan ab in die Tonne!
Übrigens: Eine Beigabe der Touristeninfo erklärt auch den italienischen Flair der Stadt. Die Insel war mehrere Jahrhunderte unter venezianischer Verwaltung!




















