(1.15354°, 103.99722°) (6.13818°, 106.87699°)

Kota Batam haben wir wenig erkundet. Zum Einen regnete es oft und heftig, zum Anderen beschäftigte uns der Blog, wir lasen im Reiseführer und erledigten „Büroarbeit“. Wir haben ein geräumiges Zimmer in einem etwas angestaubten Grandhotel, inkl. Frühstück für ca. 30 €. Die Essensmöglichkeiten außerhalb begeistern wenig, so dass McDonalds über die Eingewöhnungsphase helfen muss. Einkäufe im Indomaret können wir hier nur mit Bargeld bezahlen. Es erscheint hier alles etwas einfacher und schlichter, als noch in Malaysia. Etliche Menschen sitzen an Straßenrändern oder dem uneinheitlichen Stückwerk, das als Gehsteig dient (deren fehlenden Gullideckel ohne jede Markierung können hier echt gefährlich werden). Schwierig zu sagen, ob die Sitzenden Verarmte, Obdachlose und Bettler sind oder einfach nur Leute und Mopedtaxifahrer, die auf Kundschaft warten. Unzufrieden wirken sie nicht, man lächelt sich eher gegenseitig an und grüßt sich.

Der Einstieg aufs Schiff ist wieder easy. Die Räder samt Gepäck rollern wir eine kurze Schräge hoch und durch die Gänge des unteren Passagierdecks. Durch Schlafsäle mit hunderten Stockbetten. Wir sichern sie im Treppenaufgang, etwas verunsichert, weil überall in den Gängen und auch hier Klebemarkierungen am Boden und Platznummern vermuten lassen, dass auch diese Quadratmeter belegt werden.

Schwer erleichtert stellen wir fest, dass unser Ticket eine eigene Zweierkabine ist. Purer Luxus und typisch – wir reichen Touristen checken hier ein! Wie die Kolonialherrschaften vor 100 Jahren: elitär, weiß, europäisch reisten sie auf Deck 1. Auf Deck 2 (Kabinen für ca. 8 Personen) reisten chinesische, arabische und indische Kaufleute und Indos (Nachkommen aus Mischehen), auf Deck 3: alle Indonesier.

Ich habe begonnen das Buch „Revolusi“ von David van Reybrouk zu lesen. Dessen Geschichte Indonesiens liest sich wie ein Thriller und fesselt mich sofort, besonders weil der Einstieg die Havarie eines Schiffes, wie das Unsere erzählt. Zwar vor 100 Jahren, aber mit gleicher Passagierzahl (2000), mit den gleichen Decks. Die Lektüre verschiebt den Blickwinkel. Wie auf einem Globus wird Indonesien vor’s Auge gedreht. Das Land hat die viertgrößte Ausdehnung der Welt und die viertgrößte Bevölkerung Asiens. In unseren Medien zuhause ist es quasi unbeachtet. Fast ganz Südostasien (Ausnahme Thailand) wurde ja in Kolonien unterworfen und von Europa ausgebeutet. Zunächst wegen der Gewürze, dann wegen Tee, Kaffee, Bodenschätzen, Kokos- und Palmöl. Plantagenland. Und heute?

Kann mal bitte jemand ein Hormon erfinden und verteilen, das Geld- und Machtgier, Unmoral und Aggressivität beendet? Ein Antialphahormon das in jedes Trinkwasser gehört.

Schorsch:

32 Stunden Fähre sind zu bewältigen. Schon am Fährhafen wirkt alles doch recht exotisch. Noch mehr Durcheinander als die bisherigen Fährhäfen. Kein Problem. Freundliche Menschen schieben uns an den richtigen Wartebereich. Wir sind weit und breit die einzigen Europäer. Zudem noch mit Fahrräder und Gepäck bestückt. Nichtgerade unauffällig. Zahlreiche für uns unverständliche Durchsagen verunsichern. Macht nix. Ist was relevant, gibts immer jemanden Freundlichen der informiert. Und los geht der Run aufs Schiff. All der Kram muss geröntgt  werden. Jeder muss selber stemmen. Nicht nur unsere Sachen, sondern auch die zahlreichen verschnürten und wohl schweren Pakete der Anderen müssen durchs Gerät. Unseren Kram vom Fahrrad zoppeln dauert länger und verursacht eine Störung im stetigen gleichmäßigen Fluss der Pakete durch das Röntgengerät. Wer sich’s leisten kann, hat Träger. Viele schleppen selber über Gänge und die Gangway hoch. Zierliche Frauen vollbepackt mit schweren Paketen und Kleinkind auf dem Arm. Gemeinsam sind wir stark. Ich pack ihre schwere Schachtel auf meinen Gepäckträger, sie hilft mir dafür, die Rampe hochzuschieben. Gewusel. Jeder mag nach vorne und schnell an uns Bremspfropfen vorbei. Dabei tuts garnicht Not. Jeder Bodensitz-/Liegeplatz hat eine mit Klebeband markierten Bereich mit Nummer. Die günstigste Möglichkeit sich die 32 Stunden zu Platzieren. Dann gibts wohl noch mehrere Kategorien mit Massenschlafsälen und auch 8 Bett und 2 Bett Kabinen. Zunächst war uns unklar, was es alles hat. Wir buchten das Teuerste. Ganz glücklich über die 2er Kabine mag ich garnicht darüber meckern, dass es recht schmuddelig war und die Dusche unbetretbar. Auch das Essen war nicht sooooooo toll. Eigentlich gab’s Früh, Mittags und Abends nur Reis und Knochen mit etwas Hühnchenfleisch dran. Jeder betretbare Bereich des Bootes war mit Rauchern voll. Mann raucht hier viel. Frau garnicht. Die Fähre fasst wohl 2.600 Passagiere. Zu Feiertagen wird schon mal zusammengerückt und die zulässige Kapazität zeitweise auf bis zu 3.800 Personen erhöht. Die am Boden markierten Flächen bieten Platz für eine liegende Person. Sollen alle 3800 mit, wird’s dann auch da recht eng. Die Toilettensituation mag ich mir dann nur kurz vorstellen. Bei uns sind aber etwa 500 Passagiere an Bord. Entspannte Situation. 

Unsere Räder parken auf zwei freien Liegeplätzen im Treppenhaus. 

Beim Verlassen des Schiffes wieder Gedränge und alle müssen durch einen Schlafsaal. Unvorstellbar bei Vollbelegung. 

Ankunft um 24:00. Und zunächst noch ein wenig in Sorge. Noch 7 km zum Hotel über verschlungene Gassen durch das Hafenviertel von Jarkata. War aber entspannt und auf Schleichwegen gut machbar. 

Wohltuend! Das gebuchte Hotel und besonders die Dusche strahlt nach 32 Stunden indonesischer Fähre mindesten doppelt so hell, wie wohl sonst.