Schorschs Senf:

Jetzt bin ich hier seit ein paar Tagen im kethogenen Schleudergang. Morgens um 5:45 aufstehen. Die bellenden Hunde in der Umgebung haben mich schon früher nur noch dösen lassen. Der Muezzin startet um 5 Uhr seine Songs. Die Hähne stören nach Belieben in der ganzen Nacht mal dann und wann. Beide sind aber weiter weg und gar nicht so laut. Um 6:15 Treffpunkt am Parkplatz und Start der Dehnübungen. Die drei Hofhunde drollen sich sich mal spielerisch, mal müde durch die etwa 25 sich streckenden, bückenden und wirbelnden Wandersleute. Ein bunt gemischtes Trüppchen. Dick (meist) und dünne versuchen sich wieder fit zu machen. Teilweise rein türkische, meist Damen in allen Altersgruppen, auch mal bis 75 Jahre alt. Türkisch/Deutsch-Mischmasch, die in Deutschland leben und hier sich gesunden wollen. Und auch Deutsche die als Pärchen oder allein hier ihr Heil für verschiedenartige Zipperlein suchen. Alle in einem Topf. Und es ist schon ganz nett. 

Dann los zur Wanderung. Zunächst flach dahin, dann an kläffenden Hunden vorbei. Unsere drei Hofhunde sind mit dabei und starten mit den anderen Kötern am Wegesrand einen Bell- und Rumschnüffel-Exzess. Dann geht’s bergaufwärts. Oben nach etwa 4 km und 200 Höhenmetern der Umkehrpunkt. Nach einer Wartepause von etwa 10 Minuten, um auch die Letzten mit teilhaben zu lassen (ein paar sind schon auf der Strecke geblieben und wendeten), beginnt nochmal Dehnen und bewusst Atmen unter Anleitung vom Vorturner. Alle Kommandos werden in Deutsch und Türkisch gegeben. Und schon gehts mit gedehnter Lunge und allen weiteren Körperteilen zurück. Breiter Forstweg mit teilweise Ausblick übers Tal und Blick zum Meer und den umliegenden Ferienhäusern der Region. Im fernen Hintergrund die Hochhäuser der Stadt Kusadadasi. Hinter uns beginnen die etwa 500 Meter hohen Berge der Halbinsel. Bei Petra, der Sportskanonin, und mir hat sich mittlerweile ein kleiner Zurückumweg eingebürgert. Dann kommen wir rechtzeitig zur Eröffnung fürs Frühstück um 8.30 Uhr an. Für uns ist Schmalhanns Küchenchef. Wir haben Detox-Programm mit Heilfasten und Säure-Basen Futter gebucht. Morgens Salat, mittags Suppe, Abends Salat. Ächtz! Im Land der lecker Döner, Shischkebap und Falaffel und, und, und! 

Nach dem Frühstück ist im 42 Grad heißen lecker Ei/Schwefel duftendem Quellwasser und kalten Normalwasser Wechselbaden angesagt. Im 42 Grad Wurstkessel dümpelnd kommt man oft mit den anderen ins Gespräch. Die meisten Türkinnen oder Türken sprechen wie muttersprachlich Deutsch und auch drehen sich die Gespräche meist um gesundheitliche Themen. Es scheint doch, dass jeder und jede aus einem ganz bestimmten Grund hier ist und nicht nur zur Erholung. Manche sind schon 3 bis 4 mal da gewesen, andere auch zum ersten mal. Es wird so etwas 3 mal zwischen Becken und Kaltbecken gewechselt. Und wenn Zeit bleibt noch etwas sonnen im Schatten der Bäume. Oder schon hurtig zur Ganzkörper-Massage, Ganzkörper-Schröpfen oder Ganzkörper-Lymphdrüsen Massage. Wobei die Unterhose dran bleibt. Höchstens mal etwas weggezoppelt um den riesigen Saugnapf des Schröpfsaugers ordentlich auf der Pobacke platzieren zu können. Der saugt sich dann ziemlich fest und ist von dort dann nur mit einem lauten PLOPP wieder zu lösen. Die Saugnäpfe gibt’s in unterschiedlichen Größen und werden je nach Körperteil verwendet. Der Sauger zuzelt rhythmisch die Saugnäpfe/Schröpfglocken an. Der Herr Schröpfer, bei Petra ists ne Frau Schröpferin, führt das Ganze laut schmatzend am ganzen Körper entlang. Ich hab mir Schröpfen anders vorgestellt. Das ist wohl eine Variante, die die Faszien durchnudelt oder irgendwie verbessern sollen. Wie üblich, bei derartigen Anwendungen, spür ich unmittelbar danach nix an Verbesserung. Aber lustig ists. Genauso spür ich unmittelbar nach der Lymphdrüsen-Massage keine Verbesserung. Ist aber ziemlich angenehm. Der ganze Körper wird mit sanften Kreisbewegungen von Frau Lymphdrüsenmasseuse durchgenudelt. Natürlich auch da mit Unterhose an. Nur um es nochmal zu erwähnen und um keine falschen Bilder entstehen zu lassen. Die Ganzkörpermassage ist dagegen schon währenddessen und auch danach recht wohltuend. Überhaupt stellt sich nach eine paar Tagen ein gewisses Wohlbefinden und Entspannung ein. Bestimmt hat auch Schröpfen und das Lymphdrüsen Genudle auch seinen Anteil daran. Gut so! 

Aber wer hätt‘s gedacht? Ölig ist man am ganzen Körper nach einer Ganzkörperbehandlung! Mit meinen schmierigen Haaren könnte ich zuhause meinem Motorradmotor eine komplett Ölung verpassen. Da ist erstmal intensives Duschen angesagt. Und nach sehr langem Duschen kommt anstatt lauwarmen Wasser, zum Ende hin sogar mäßig warmes Wasser, bevor es wieder an den Pool geht. Zum Lesen oder Musikhören und Wechselbaden. Um 12 beginnt dann die Yoga-oder Pilatesstunde. Im Freien unter schattigen Bäumen. Sehr hübsch! Einzig Ameisen und hier und da mal rumliegende Hundehäufchen schmälern das Vergnügen. Und während man sich verrenkt und verknotet muss auch noch die Fliege irgendwie vertrieben werden oder die Ameisen von der Matte geschnippt und es kann dann schon vorkommen, dass man dabei sein inneres Gleichgewicht verliert und ins Wanken kommt. 

Aber alles in allem ist mein Hüftschwung wieder etwas mobilisiert.

Um 13:00 sind die Kantinentore für das Mittagssüppchen geöffnet. Wer will kann sich noch eine Zitrone reinquetschen.

Nach dem Mittagssüppchen geht’s mit nicht vollem Bauch in die nächste Dümpelrunde und Leseaktivität wieder zu den Pools. Oder man hat wieder irgendwas ölig-glitschiges als Anwendung. 

Ziemlich viel Punkte am Tag, die da zeitlich weggearbeitet werden müssen. Fast nicht unter einen Hut zu bringen. Ab Fünf Uhr gibt’s schon wieder Abendessen. Salat!

Ab und zu kann man auch zum rhythmischen Heiltanzen mit Olga antreten. Eine resolute Osteuropäerin. Ich, der, der früher schon mal bei einer ähnlich lateinamerikanischen Rhythmus-Gymnastik von einem Zuschauer als Hüpfdohle benannt wurde, stelle mich hier ähnlich dämlich an, und ich nehme nur einmal teil. 

Der Tag/Nacht-Rhythmus stellt sich ein und schon bald nach Sonnenuntergang, so um Neun/halb Zehn bekommen meine Augen und mein Körper kein Vitamin D bildendes Serotonin mehr und ich werde müde. Und mache die Augen zu, so dass sie nicht mehr vom schädlichen Blaulichtanteil der Lampe, oder so, beschienen werden und mein Körper dann ordentlich herunter fährt und Melatonin bildet. So oder so ähnlich wurde es mir vom Resort-Guro im Anfangsgespräch erklärt. Und Vieles mehr. Die ganzheitliche Betrachtung und Erörterung der Zusammenhänge mit all den Anwendungen und der Nahrung, die wir buchten, war schon sehr gut erklärt und nachvollziehbar. Für mich bisher die beste Erläuterung über die Zusammenhänge zwischen Atmung, Ernährung und Bewegung der ganzheitlichen Medizin. Konnte es mir aber nicht merken. Und ganz wichtig! Immer viel Bewegung und Dehnübungen, auf tiefe Atmung, und ausgeglichenes und gesundes Essen achten. Was man halt so kennt um lecker Eis, Fanta, Nudeln und Pizza und Döner aus den Tagträumen zu verbannen, um fit und frisch und geschmeidig beweglich zu werden. 

Hach!