(7.95905°, 112.63750°)(7.94519°, 112.95033°)

Schorsch:

Los geht’s schon um 8, eventuell kann es später regnen. Bekleidet mit dünner Hose und Hemdchen auf verkehrsreichen, unsicheren Straßen auf schraddeligem, verkehrsunsicherem Bergziegenkahn. Zunächst schiel ich noch neidig auf tolle Scooter und flitzige Straßenmotorräder. Allesamt mit Licht, Blinker, Nummernschild und solchem Fuddel. Und ganz sicher mit bequemerer Sitzbank. Und oft auch mit mehr Power. Teilweise geht’s recht steil hoch. Muss die Kiste schon oft im 1. Gang den steilen Asphalt bis auf 2200 m hochjagen. Die Landschaft ist aber schon recht hübsch. Jede Menge Felder in Berglandschaft. Schöne Kurven hat’s auch. Aber Vorsicht und nicht zu sehr um die Kurven zischen. Der übliche Tourist lässt sich mit fetten Jeeps mit fetten weit überstehenden Geländereifen hochschaukeln und auch wieder zurück. Zahlreiche Solche kommen entgegen. Enge Bergstraßen. Dennoch kein Grund für die Fahrer für mich auf meinem Kistchen Platz zu machen. Schlechte Fahrer. Haben wohl Sorge mit der bollerigen Geländebereifung runter vom Asphalt in den Staubstreifen zu gelangen. Am Kraterrand heißt es dann Eintritt zahlen. Die möglichen weiteren Stecken werden zwar erfragt, ergeben aber keine klare Antwort. Schon bald bin ich froh um die Geländekiste. Tiefer Sand teilweise, und holperig – immer. Richtung des etwas dampfenden Vulkans Mount Bromo und daran vorbei. Die Geländeautos werden immer weniger. Dann werden auch die Motorräder immer weniger. Die meisten fahren zu irgendwelchen Standbuden mit was zu Futtern oder was weiß ich? Irgendwann sind bloß noch sandige Wege, irgendwann ist’s bloß noch ein schmaler steiler Weg. Keiner sonstnoch da. Wir wollen den Krater queren und drüben wieder hoch um anders zurückzufahren. Schaffen’s aber nicht, holpern am zielführenden Wanderweg vorbei. Das Navi steckt in der Hemdtasche und wird nur selten hervorgekramt. Zu selten, wohl. Schwierig ists die Fahrt auf dem steilen Singltrail. Wenig hab ich beim vor Jahren besuchten Endurokurs an Geschick erhalten können. Zittere meist sitzend dahin, nicht lässig stehend und tänzelnd. So bin immer bereit schnell die Füße nach unten zu stemmen um mich abzufangen wenn Not tut. Und oft lass ich sie gleich unten, um stützend mitzulaufen. Eventuell hätte weniger Luft in den Reifen, Max 1bar , bei Sand und sonst auch geholfen. Hätte mich wie auf breiten und weichen Bärentatzen voran gebracht. Aber was später auf Asphalt? Woher wieder Luft holen? Als lässiger Endurofahrer in jedem Gelände sicher unterwegs? Im nächsten Leben dann vielleicht. 

Lange ist unsicher, ob wir auf dem Weg hinten wieder rauskommen. Wanderweg, Bäume liegen  quer. Dennoch überwindbar. Und tatsächlich schält sich ein Weg durchs Gebüsch und Gestrüpp zum Ausgangspunkt zurück. 

Zurück in die Stadt, Kisten wieder abgeben. Alles hat durchgehalten. Petra, ich und auch die beiden Dirtbikes. Seh’ wohl ermattet und müde aus – meint der lustige Verleihtyp. Ich frage noch, was is, bei einem Unfall? Wer zahlt? So ohne Zulassung und Versicherung. Leute sprechen dann miteinander und stimmen sich ab, sagt er. Und mit beteiligter Polizei, so ohne Zulassung? Er hebt die Schultern und lächelt. 

Nächstes Mal mag ich mehr Sicherheit und weniger Illegalität. 

Ein hier wohnender Deutscher klärt mich auf: Die Polizei tritt hier nicht auf. Nur als Servicepersonal. Mietbar, wenn man was braucht. Verkehrsunfälle regelt man untereinander. Geht’s den offiziellen Weg, ist der Ausländer schuldig. Immer! Denn die Argumentation ist „Wäre der Ausländer nicht im Land, wäre auch nichts passiert“. Da hammse wohl Recht damit. Und da fällt mir gleich ein alter Schenkelklopfer ein. „Was macht ein Verkehrspolizist wenn er sich selbstständig macht? Er kauft sich ne eigene Kreuzung🙄.

Und das ist hier tatsächlich so. Privatpersonen regeln an stark befahrenen Kreuzungen den Verkehr und bekommen ab und zu Trinkgeld dafür. Ja wirklich! Ampel und Verkehrspolizei gibt’s scheinbar nicht. 

Auch Parkeinweiser und Ausfahrgehilfen, die den dichten Verkehr mittels Trillerpfeife und Leuchtstock stoppen, so dass der ehemalige Parker sicher oder auch überhaupt aus der Parkbucht kommt. Bekommen alle wohl sehr geringe Beträge zugesteckt. Aber hier muss jeder selber schauen, dass der Lebensunterhalt über die Runden hilft. Ein soziales Netz für Bedürftige gibt es zwar schon, ist aber wohl ziemlich löchrig, winzig und reicht in der Regel nicht aus um ein ordentliches Leben führen zu können. 

Petra:

Gestern hatten wir uns ja schon unsere dirtbikes geholt. Eigentlich sollte ich Schorsch erinnern, dass er dabei alle Lichter überprüft. Zu prüfen gab es jedoch nicht viel, weil es außer dem Frontscheinwerfer weder Blinker, Brems- noch Rücklichter gab. Auch kein Nummernschild, auch keine Versicherung. Ookay – wir haben uns damit arrangiert, indem wir unseren fahrbahren Untersatz eher wie ein Fahrrad betrachteten. Über den Tag haben uns die beiden 175ccm Maschinen aber brav über wiedrigste Wege am Gunung Bromo gebracht. Bergauf auf Asphalt waren sie zwar etwas schwachbrüstig, dafür waren sich die Leichtgewichte im Sandmeer des Vulkankraters, in schmalen Hohlwegen und auf steinigen Singletrails für nichts zu schade. Beeindruckende Landschaftsszenerien hier oben. Hätte nicht gedacht, dass ich nochmals dankbar sein müsste für das BMW-Offroadtraining in Hechlingen.

Trotz GPS war die Wegfindung schwierig. Mangels Halterung musste es immer wieder hervorgekramt werden und zeigte maximal Trampelpfade. Zuguterletzt landeten wir dann tatsächlich auf einem Wanderweg, auch mit umgestürzten Bäumen. Irgendwie haben wir uns auch da durchgebissen und waren heilfroh, dass wir wieder am Ausgangspunkt unserer Offroadstrecke ankamen, ohne dem eigentlich vorhergesagten Regen. Die nachfolgenden 2400 Hm bergab auf gutem Asphalt sind eine Freude. Je näher wir wieder nach Malang kommen, um so häufiger sehen wir Transporter mit Tieren: Kühe, Hühner, Ziegen. Große Böcke werden an vielen Stellen an und über die Straße geführt. Unsere Nachfrage bei unserem Dirtbike-Vermieter ergibt, morgen ist der wichtigste Feiertag für Muslime, (wichtiger als das Ende des Ramadan). Das Opferfest Idul Adha, bei dem Widder zu Ehren Allah geopfert werden. Die Geschichte dahinter: Abraham träumte, Gott verlange, als Zeichen des tiefen Gottesglaubens, seinen Sohn zu opfern. Vater und Sohn nahmen diese Prüfung an. Daraufhin entsandte Allah den Engel Gabriel, der verkündete, nur einen Widder solle statt des Sohnes geopfert werden, da sie ihren Glauben bezeugt hätten. So steht das Fest für Gottvertrauen, Gehorsam, Barmherzigkeit und Nächstenliebe. Es ist auch der Zeitpunkt der Hadsch, die Pilgerreise nach Mekka. Die Menschen hier ziehen in hellen Gewändern zu den Moscheen, deren Lautsprecher abends und bis spät in die Nacht mit Gebetsgesängen tönen.