Petra:
Obwohl wir mit dem Auto reisen, sind wir abends genauso kaputt, als hätten wir eine Bergtour gemacht. Die vielen unterschiedlichen Eindrücke, die schnellen Ortswechsel, den ganzen Tag auf kurvigen Straßen unterwegs und doch irgendwie tröge hinter dem Steuersitz. Mit dem Fahrrad bin ich abends zwar körperlich müde, aber nichts zieht zu schnell an mir vorüber und ich fühle mich jeden Augenblick mitten in der Natur. Und das erholt und füllt aus. Das macht den Unterschied.
Die heutigen Städte waren alle sehr nett. Agios Nikolaos ist – auch mit Touristen – sehr belebt, aber eine Stadt mit interessanten Perspektiven. Ein kreisrunder See unter einem Felsenhang, mit einem Verbindungskanal der ins Meer übergeht, ein riesengroßes Kreuzfahrtschiff irgendwo dazwischen, dazu vorgelagerte Inseln und viele Boote.
Dazu noch diese Episode: wir parken an einem kleinen privaten Parkplatz und zahlen für 2 Stunden. Pünktlich zurück steht unser Auto aber komplett von acht Autos (als Doppelreihe davor), eingeparkt. Also so, dass man gerade noch zu Fuß zwischen den Karossen vorbei schieben kann. What!! Unfaßbar! Ich denke, das kann ja Stunden dauern, bis wir hier wegkommen.
Zwei Typen werfen sich Autoschlüssel zu und dann wird umgeparkt. Wie auf einem Spielbrett entstehen Lücken, verrutschen Autos und unseres wird per Chauffeur auf minimalem Raum in Windeseile herausrangiert. It‘s magic! Das Ganze dauert etwa 3 Minuten.
Die weiteren Städte Ierapetra und unser Zielort Sitia sind vom Tourismusrummel eher abgelegen. Es herrscht normales Alltagsleben der Anwohner und sofort ist es entspannt. Sitia bastelt gerade an der Umgestaltung der Fußgängerzone und einzelner Plätze. Insofern versagt das Routing und ich verheddere mich wieder mal in engen Gassen. Diesmal besteht der Schwierigkeitsgrad darin, dass sie so steil bergauf gehen, dass man Querverkehr schlichtweg gar nicht sehen kann. San Francisco nochmal um 200% verpresst. Wie im Blindflug und mit viel Optimismus urke ich also zu unserer Unterkunft.
Ausgesucht weil günstig und nah am Fährhafen. Gemanaged wird Hotel Nora von einer ganz liebenswerten Oma, geschätzte 90. Unsere Fahrräder werden wieder auseinandergeklappt und finden, durch die Küche geschoben, großzügig Platz auf einer Veranda dahinter.
Schorschis Senf
Von unserem Souterrain-Zimmer mit Meerblick aus geht’s erstmal weiter der Nordküste entlang und dann nochmal quer über eine Hochebene in den Südteil. Zu einer Stadt mit dem Namen IeraPetra. Der Name verplichtet zum Besuch und natürlich, um was zu Mittag zu futtern. Was Kleines gibt’s nicht. Schon ein Salat füllt den Magen sehr. Umpf! Die Gegend ist nicht recht dicht besiedelt und nur mit wenigen Resorts, die aber nicht die Landschaft verschandeln. Überhaupt! Fast überall sind die Touristenbuden, ob große oder klein, nicht allzu störend. Obwohl die Insel 50% der Einkünfte aus dem Tourismus deckt. Der gesamtgriechische Durchschnitt liegt bei 20%. Die Gegend ist in unterschiedlichen Abstufungen karg oder wenn in Hanglage, mit Olivenbäumen bepflanzt. Alles mit steilen Schotterwegen durchzogen, die zum Motorradfahren einladen. In den Tourigegenden werden wohl entsprechende Quadtouren angeboten. Für all die, denen es nach Pooltagen zu fad wird.
Nach einer Retourschleife geht es in den Nordosten, in die Fährhafen-Stadt Sitia. Zunächst gleich zum Fährhafen und fragen ob es eine Fähre gibt und wann sie fährt. Dann erst sind weitere Schritte planbar. Denn vor Ort sind die Infos zuverlässiger als im Internet. Die nach unseren Infos schippernde Fähre geht am Samstag und Montag. Im Live-Ticketbüro am Donnerstag und Samstag. Das eigentlich angepeilte Wellnessresort mit Animationsschnickschnack am Pool fällt aus.
Wir sind in Sitia für 2 Nächte direkt am Fährhafen in der günstigsten Bude, die es im Ort gibt. Geleitet von einer sehr herzlichen Oma in schwarz gekleidet. Überall im Eingangsbereich hängen Bilder, wohl von den Kindern und Enkeln. Die Dame sitzt gerade mit ihrer Freundin bei Keksen und gucken in der Fernseher. Die Beiden sprechen Griechisch und kein Englisch. Mit Malsprache geht’s vorwärts. Natürlich wird uns auch von dem Gebäck angeboten. Sehr süß die beiden Alten. Das Zimmer ist schon recht schlicht und in die Jahre gekommen. Aber die Nähe zum Stadtkern und zur Fähre besticht und schließlich sind wir ja kaum da. Müssen morgen das Mietauto im 130 km entfernten Iraklion abliefern und mit dem Bus zurück. Wer weiß wie lange das dauern wird?








