Schorsch: Schifffahrt

42 Stunden auf der staatlichen Pelni Fähre verspricht 42 Stunden im Ächz. Im Zickzack von Maumere (Insel Flores) nach Kalabahi (Insel Alor). Zur Debatte stand auch noch ein Inselhopping über 4 Inseln. Hier ists aber schon recht dünn mit der Infrastruktur. Ob wir immer weiterkommen oder für mehrere Tage wo kleben bleiben und weder vor noch zurück kommen, ist fraglich. Denn erfragen lassen sich Verbindungen zwischen den Inseln nicht. Auch ein Bettchen zu finden ist schwierig. 

Also Fähre. Und wir haben auch noch Glück, es geht am nächsten Tag sogar eine. Alle Tickets die irgendeine Platzreservierung haben, sind vergriffen. Da gibts Zweibettkabinen, ein Platz im Schlafsaal oder ein nummeriertes Qudrat am Gang oder Treppenhaus. Alles schon verkauft. Wir haben das Platz-Selbersuch-Ticket ergattert. Freu mich schon! Gepäck und Räder müssen die Gangway hoch. Und es wuselt eng da drauf vor und zurück. Die Räder kommen in eine Ecke auf dem Deck. Das hier ist ein Zwischenstopp und das Schiff ist schon zum Großteil voll. Die Gänge sind schon mit Pappkartons ausgelegt und darauf mit schlafenden, schreienden Kindern und irgendwelchen mampfenden, rauchenden und lauten Handytattlern bevölkert. Genauso Unterdeck und in den Massenschlafsälen des minimal umgebauten Viehfrachters. Gleich am zentralen Eingang, gegenüber des Infostandes is eine kleine, leere Sitzgruppe. Die Beschlagnahme ich sofort. Darüber ein Schild „Rauchen Verboten“. Das ist genau mein Platz. Leider ist auf dem Schild auch gleich noch ein „Schlafen Vorboten“ Zeichen. Das verunsichert ein wenig. Ich breite mich nur langsam und unauffällig aus. Was total unmöglich ist, als einzige Langnasen auf dem Schiff. Zunächst sitzen wir einfach rum. Keiner sagt was. Petra baut ihr Moskitozelt, eingerahmt von zwei Bänken, die bereits belegt sind, auf dem Aussengang, auf. Es ist im zentralen Infobereich auch rund um die Uhr voll alles beleuchtet. Irgendwann ziehe ich mir die Kappe über die Augen und lege ich mich auch hin zum Schlafen. Keiner sagt was. Um 4:00 weckt mich der Schiffsmuhezin-Gesang. Und mir ist kühl und zugig. Die Lüftung bläst genau über mir. Ich zopple meinen Schlafsack raus, und keiner sagt was. Liege nun den Umständen entsprechend ganz gut. Einzig stören die ständig aus und eingehenden Nachtraucher, die auf das Schiffsdeck wollen oder kommen. Und weil ich Nächtens nicht so optimal geschlafen hab, verpenn ich so auch noch den ganzen Vormittag. Und keiner sagt was. Im Gegenteil. Bin ich wach und guck umher, was ich den ganzen restlichen Tag tue, begrüßt mich jeder Dritte mit „hallo Mister“. Zum Essen gibt’s immer das Gleiche. Reis mit Fleischstück. Mag nur den Reis.

Schon wegen der Optik des Fleisches. Abends kommt das Schiff in Kupang an. Ganz woanders wo wir hinwollen, aber es fährt im Zickzack und deswegen auch die sooo lange Reise. Geselliges Ein- und Aussteigen. Und weil ich im zentralen Infobereich meinen Schlafplatz hab, ist Trubel. Bis um 1 Uhr nachts ist fleißiges Paketgeschleppe um mich rum. Träger Be- und Entladen. Und jetzt sagt einer was von der Schiffscrew. Bietet mir unter der Hand eine leere Zweierkabine mit Dusche an. Ich hohle die sanft schlafende Dame aus ihrem Zelt auf dem Außendeck und wir bezahlen unauffällig die 25€ extra. Schon besser so. Ist zwar keine Luxuskabine und mag nur mit Schuhen duschen, aber schlafen ist fein. 

Den Nachmittag verbringen wir, erholt, in der Raucher-Caffeteria auf dem Freiluftdeck, is aber trotzdem recht verqualmt. Hier komm ich mit dem Kettenraucher Philip ins Ratschen. Er sucht Arbeit. Denkt die Regierung sollte ihm Arbeit geben. Frägt, ob er nicht nach Deutschland kommen kann zum Arbeiten? Ich informiere ihn, dass in Deutschland die Zigarrettenpackung 10 € kostet. Das schockiert ihn und er mag doch nicht mehr nach Deutschland.