Schorsch hat gestern abend festgestellt, dass er seine Radlverpackungstasche irgendwo hat liegen lassen. Ganz schlecht und ein bitterer Verlust. Die Japaner sind extrem heikel, was Schmutz betrifft und ein unverpacktes Fahrrad geht sozusagen gar nicht. Wir haben aber keine andere Wahl (Zugtickets sind bereits gekauft und das Hotel in Usuki ist bereits gebucht) und müssen unser Glück versuchen. Und es klappt!

Erstmalig werden unsere Transportrollen eingesetzt. Hervorragend. Das Rad gleichzeitig mit den Packtaschen und dem Rucksack zu rollen geht zwar nicht – das Rad muss mit beiden Händen ausbalanciert werden – aber es muss nicht geschleppt werden. Eine große Erleichterung und hinsichtlich chinesischer Bahnhöfe ein Quantensprung. Obwohl wir drei Mal umsteigen müssen, läuft alles wie am Schnürchen.

Usuki ist ein sehr netter kleiner Ort mit vielen alten Gassen, Tempeln, Schreinen, Burgberg und Blick auf eine Stupa am nahen Berg. Weil wir uns am frühen Nachmittag mit leerem Bauch nur bei einem Supermarkt verpflegen können, geraten wir mit einer älteren Dame ins Gespräch. Fröhlich wird auf japanisch losgeplappert, Schorsch erklärt auf bayrisch was wir hier so treiben. So geht das munter einige Minuten hin und her. Und als Schorsch mit herzhafter Wonne groß von einer Art Kabanossi abbeist, ist die Begeisterung der Dame groß. Ein staunendes japanisches „Wow!!“ mit aufgerissenen Augen und das Zeigen auf Schorschs runden Bauch zeigt, sowas hat sie noch nie gesehen. Riesenspaß für alle.

Der Tag wird im hoteleigenen Onsen abgerundet. Alles gut gelaufen heute.

Schorsch:

Die Eisenbahn soll uns über einige Berge herum nach Usuki bringen. Der Überlandbus mag’s nicht machen. Zu unsicher ist es für das Personal,ob denn dann noch andere Mitreisende Platz für ihr Gepäck hätten, wenn wir alles mit unserenm Sack und Pack vollstopfen.

Nix ist’s hier mit „Schaugn ma moi, dann säng ma’s scho“ .

Und wieder ganz doof! Hab irgendwo meine Tasche, um das Radl zu verpacken, liegen lassen. Futsch ist sie. Und das in Japan, wo alles seinen extrem geregelten Gang gehen muss. Nach Vorschrift müssen die Räder verpackt sein. Ich darf aber dann doch, mit zusammen geklapptem Rad, die Schranke passieren. Und ist man mal auf dem Bahnsteig, ist’s dann wieder egal. Wir müssen viermal umsteigen und Keinen stört das unverpackte Rad. Und weil ein paar Schleppstrecken zum nächsten Bahnsteig zu schaffen sind, kommt zum ersten Mal meine Rollkonstruktion erfolgreich zum Einsatz. Anstatt dem Sattel wird eine Achse mit Skateboardrollen montiert.

Die Bahn bringt uns ordentlich ans Ziel. Abends ist dann zur Muskelentspannung der hoteleigene Onsen (Heißwasser Becken) angesagt. Ich hab’ von aufwändigen Säuberungsaktionen vor Badebeginn gelesen. Mach ich auch brav – natürlich. Da kommt ein Anderer daher, spritzt sich nur ganz kurz Wasser übern Rücken und versinkt im Becken. Bäääääh! Außerdem stöhnt er die ganze Zeit vor sich hin. Die Ruhe und Entspannung ist für mich dahin. Ein paar Tage vorher gab’s schon mal einen Onsen, auch mit Sauna. Aber auch Bääääh! Das kleine Handtuch, zum in der Sauna draufsitzen, ist für alle da.