Schorschs Senf:

Gleich heute Morgen ging’s weiter mit den Netten. Petra wird von einem Autofahrer auf ein Ratsch angehalten. Er lebt in Deutschland und seine Frau hat gerade eben Apfelkrapfen gebacken und er hat ihr einen überlassen. Ich war schon etwas weiter. Neben mir hat er auch angehalten und auch einen angeboten. Womöglich sein Mittagessen. Ich hab aber den Halben von Petra weggemampft. Der Herr soll nicht hungerleiden. Nachmittags, Regenunterstand in einer Teebude. Hier hocken ausschließlich Männer, ratschen und trinken Tee, – hier hat uns auch ein Gast auf den Tee eingeladen. Er lebte in den Niederlanden, sagt er. Der Wirt hat die zweite Runde geschmissen und uns noch Wasserflaschen als Proviant in die nun wieder halbwegs regenlose Landschaft, mitgegeben. 

Ist das Dorf etwas größer und es ist gerade um die Mittagszeit, gibt’s Melonen gleich direkt vom Traktoranhänger weg. 

Es ist noch Nachmittag und wir erreichen die letzte Stadt in Reichweite mit Hotel. Is aber nicht einladend, der Ort. Unterwegs kommen einzelne Ressorts, die mit dem heißen Quellwasser der Gegend locken. Vielleicht da? Die ganze Gegend hat einen riesigen Spaß an regenerativer Energiegewinnung. Das heiße Quellwasser treibt wohl Turbinen an und hie und da sind kleinere Photovoltaik-Anlagen platziert. In der Ferne schimmert ein ganzer Hang mit einer Photovoltaik-Freiflächenanlge der Größe XXXXL. 

An 3 schäbigen Otels sagt mein Bauchgefühl, dass wir weiter sollen. Im Hinterkopf (Bauch) weiß ich noch ein Super-teuer-Ressort. Da würde auch mein Bauch am Büfett ordentlich ernährt. Und da! Wir bekommen knapp zum halben Preis ein Bungalow, das ist super und sauber und ich darf sogar im Schlamm Baden. Die Dusche aber ist nicht zu benutzen. Hier und das ist bisher einmalig, kommt nur kochendheißes Wasser aus dem Hahn. Das kalte ist abgedreht. Ich muss die Betonschicht heimlich in der ausschließlich für Frauen angelegten Schlammgrube abduschen. Dort ist man gnädig und es gibt etwas kaltes Wasser zum beimischen. Die Damen sind alle schon unterwegs zum Abendbuffet. Petra steht dennoch Schmiere.

Petra:

Morgens wünsche ich mir ein sauberes Rad und es dauert nicht lange nach unserem Aufbruch, da wird der Wunsch an einer Tankstelle mittels Wasserdruckpistole erfüllt. Wir lenken wieder auf unsere nette kleine Landstraße am Seitenrand des breiten Tals. Die Vegetation sieht hier jetzt schon aus, wie bei uns im September. Gras und Getreide sind bereits strohgelb. Einige kurze Anstiege belohnen uns mit weitem Blick.

Allerdings ist das Wasser der Kanäle und Flüsse, soweit wir das bisher gesehen haben, in einem desolatem vermüllten Zustand. Man riecht es, bevor man es sieht. Das sagt vermutlich alles.

Unterwegs bekomme ich aus dem Auto einen kleinen Hefeteigkuchen gereicht. Ein Türke, der etwas Deutsch kann, schenkt mir vermutlich seine zugedachte Vesper, frisch selbstgebacken von seiner Ehefrau zuhause. Und auch später wird beim Aussitzen eines Regenschauers in einem Teehaus unser Tee und Wasser von einem Herren am Nachbartisch gezahlt. Wie supernett!

Etwas sorgt uns, dass sich bei booking.com zwischen 40 und 80 Tageskilometer nichts finden lässt. In Google und apple maps gibt es zwar vier Hotels, abseits unserer Route, aber ob diese überhaupt noch existieren ist unsicher. Dann gibt es nur noch ein extrateures Resort mit heißen Quellen.

Die Region verwandelt sich plötzlich in ein Gebiet mit dampfenden Kaminen, Solarparks, Gewächshäusern und kilomterlangen Verrohrungen. Flächendeckend. Und ein paar Kurven weiter geht dann auch Schorschs Kalkül auf, den Preis im supadupa Resort um 40% runter zu handeln. Wir beziehen die sehr geschmackvollen Zimmer, die, ebenso wie die Häuschen der Anlage architektonisch an alte japanische Onsen erinnern. Aber das Beste ist das Schlammbad. Betongraues undurchsichtiges blubberndes Wasser, das zunächst kochend aussieht, dann aber angenehm warm ist. Der Schlamm muss zunächst „ergründelt“ werden, bevor man ihn mit Schöpfern über sich ergießt. Ein Riesenspaß.

Wir sind die einzigen ausländischen Gäste. Weil eine größere Gruppe so etwas wie ein Firmenjubiläum feiert, kommen wir nach dem Abendbuffet in den Genuß von türkischer Livemusik. Ein Mix aus Trommel- und Tamburinrythmus – im ravespeed – kombiniert mit Oboe, die gut beim Freejazz mithalten könnte und einem gänzlich schauderhaftem Gesang. Melodien sind für unsere Ohren nicht erkenntlich.