Über Nagano und die Westküste geht es an drei Tagen zurück nach Kobe. In einem alten Ort in den Bergen oberhalb Nakano übernachten wir in einem sehr authentischen Ryokan.

Habe dort in gefühlt 100Jahre altem Onsen mit einer ebenfalls uralten Japanerin gebadet. Schorsch war in seinem Abteil alleine. Ich glaub das Wasser wird da auch nicht all zu oft gewechselt, soll aber gegen traumatische Erkrankungen und Neuralgien helfen (es hätte noch 7 weitere Onsen gegeben, die bei Ekzemem, Hautkrankheiten und gynäkologischen Problemen u. a. helfen, das war uns dann aber nicht mehr so geheuer). Sehr schräg und die Baderäume sehr puristisch. So sind sie, die Japaner.

Schorsch:

Die Strecke nach Nagano dauert auf Landstraßen etwa 9 Stunden, auf der Sausebahn etwa 4 Stunden, informiert uns das Navi. Wir zischen zunächst auf der Autobahn dahin. Etwas verwirrende Situation. Überall auf der Autobahn ist maximal 80 km/h erlaubt. Wir halten uns zunächst brav daran. Haben ja schon erfahren, dass Regelverstöße eher unangenehm für uns enden. Wir sind mit 80 ein Verkehrshindernis. Alle Andern flitzen an uns vorbei. Hupen und blinken tut keiner hier In Japan, natürlich nicht! So ziehen wir etwas besorgt auf 90 hoch. Immer noch zu langsam. Aber mehr ist nicht drin mit unserem Mut. Leider, leider haben die hiesigen Straßenbauer sehr gerne mit ihrer Kawasaki-Tunnelbohrmaschine hantiert. Das Land ist sehr hügelig, die Autobahn aber führt direkt geradewegs ohne auf und ab hindurch. Selten kann man die Landschaft erblicken. Einen Schlenker über einen Pass wagen wir dann doch. Und weil sich alles so schön flexibel gestalten lässt, geht’s dann doch nicht nach Nagano, sondern etwas davon entfernt ins Gebirge, in ein Dörfchen, dass für seine ursprünglichen Onsen bekannt ist. In der unmittelbaren Nähe sollen da auch die Schneeaffen in ihren Privat-Onsen dümpeln.

Unsere Onsen sind tatsächlich recht ursprünglich, aber optisch und hygienisch für mich eine Herausforderung. Neun Onsen verteilen sich in dem kleinen Ort. Jeder davon soll zur Heilung für ein bestimmtes Leiden sein. Der Onsen gegen Ekzeme und Hautkrankheiten kommt nicht in Frage. Der gegen Frauenleiden auch. Winzige brühend heiße Bassins in Räumen mit Schimmel an den Wänden. Es gibt keine Duschen. Mit einem Schöpfeimer spühlt man sich am Beckenrand in der Hocke kauernd, ab. Einseifen ist schwierig. Das Wasser aus dem Eimerchen soll Schmutz und Seife dann abspülen und zu der Abflussrinne gluckern. Ich bin alleine und so bleibt offen, ob das bei allen immer so klappt, oder das Abflusswasser im Becken landet. Ich verharre etwa 10 Minuten bis kurz vorm Kochen. Dann raus, abspülen, abtrocknen, anziehen und raus in die Kälte. Hat so um die 0 Grad. Aber macht nix. Man ist ja überhitzt und es fühlt sich wie nach einem Saunagang an, wenn man zum Abkühlen in eine Winterlandschaft tritt.  Dann zum zweiten Onsen. Während des Badens entdecke ich schwimmende kleine Flusen im Wasser. Erinnern mich an aufgelöstes Klopapier, kein Schimmer, was es wirklich war. Das war‘s dann mit den Onsen hier. Hab‘s gesehen und das reicht dann auch erstmal wieder. Im Guesthouse mag ich gleich duschen. Dennoch, der Ort mit den Gässchen und den alten Häusern ist schön. Die Hotels und Gasthäuser sind in den Ort integriert.