Japan ist von Bergen überzogen, die sich auch Alpen nennen. Anders als bei uns gibt es hier keine Almen oder gerodete Flächen. Die Berghänge selbst sind dicht bewaldet und unbewohnt. Dafür sind die Küstenstriche oder flachen Ebenen extrem dicht bebaut, weshalb wir in Onomichi – Endpunkt des Shinamani – in den Zug steigen und nach Osaka fahren.
Schorsch baut sein Radl bereits auf dem Bahnsteig zusammen. Mir ist schon klar, dass das sicher nicht gern gesehen ist. Mit verpacktem Rad fahre ich im Aufzug ein Stockwerk tiefer, erfahre aber von dort anstehenden Rucksacktouristen, dass der Ausgang sehr sehr weit entfernt ist. Also baue ich mein Rad auch zusammen, denn die Schlepperei ist tierisch anstrengend. Im Menschengewimmel komme ich aber nicht weit. Ein Uniformierter stoppt mich mit herrischer Geste und aufgeregter Stimme. Ich darf mein Fahrrad nicht mehr bewegen, nicht mal 2 m zu einer Pfeilerstütze, blockiere wie eine Insel den Menschenstrom um mich herum. Ganz super! 10 m weiter hinten steckt Schorsch bei Uniformten fest. Wie schräg ist das denn? Okay – also starte ich wieder mit dem Zusammenbau. Derweil zieht Schorsch, das Fahrrad tragend, an mir vorbei. Häh!! Inzwischen von vier Uniformierten umringt, zerre ich mein Gelumpe bis zur Ausgangsbarriere und 1 m danach interessiert sich keine Socke mehr für mich. Auweia – Japan lässt einen wirklich stramm stehen!
Osaka, mit der Lage am Fluss und der Skyline, hat schon was. Am nächsten Tag – Regentag – raffen wir uns zwar zum Besuch der Palastburg auf, aber mein Eindruck: hast du Eine gesehen, hast du alle gesehen. Anderntags radeln wir dem Fluss entlang nach Kyoto. Aussichtsreich auf dem Damm, grüne Wiesen, Golfplätze und Fluss auf der rechten Seite, Einfamilienhäuser, Wohnblocks oder auch mal Industrieanlagen auf der linken Seite im Blick. Abwechlungsreich und gemütlich flach dahin. Nur die ständigen Barrieren an den Radwegausgängen/-übergängen machen den Weg für uns zu einem regelrechten Parcour. Eigentlich sind diese für Fahrräder kein Problem, nur unsere Satteltaschen sind zu dick dafür, müssen dann abgenommen werden oder das ganze Rad muss darüber gehievt werden. Jesusmaria!
Schorsch: Und daran müssen wir uns noch gewöhnen: Aus der Reihe tanzen gilt nicht und wird geahndet. Die Räder sollen in Taschen verpackt hinter der Sitzbank platziert werden. Es passt aber nur ein Rad hin. Wir benutzen auch noch die Rückseite von dem noch leeren Nachbarsitz. 30 Minuten vor dem Zielbahnhof kommt aber doch eine Dame, die ihre Koffer dahinstellen mag. Weil es da schon voll mit unseren Sachen ist, wird sich bei der Schaffnerin beschwert. Die Packtaschen müssen aufs Gepäcknetz und beide Räder hinter unseren Sitz. Hoffentlich gibt das keinen Ärger! Ein Rad ragt 15 cm in den Gang hinein. Vor Angst wird gezittert, dass das über die letzten 20 Minuten gut ausgeht.
In Osaka dann, wagen wir es, die Räder schon in Bahnsteignähe aus den Taschen zu nehmen und zu entfalten, die Packtaschen einzuhängen und loszuschieben. Gar nicht darf man das machen! Im Bahnhofsgelände sind nur Räder in Taschen erlaubt und wir werden sofort und personalintensiv dingfest gemacht. Petra diskutiert und zerlegt dann brav ihr Rad. Ich nehme die Packtaschen ab und trage mein Rad in voller Größe zum Ausgang. Das geht und keiner stört sich daran. Hauptsache die Vorschriften werden eingehalten. Fahren und Schieben verboten. Ganz klar ohne Ausnahmen.
Fahrräder dürfen nirgendswo, außer auf dafür vorgesehenen Parkplätzen und nur längs geparkt werden. Wer sie quer an einer Wand anlehnen mag, weil er Gesamtgewicht spart und keinen Seitenständer hat, wird lauthals von älteren Herren in Uniform, die extra davor platziert wurden, darauf aufmerksam gemacht, dass ein grober Regelverstoß begangen wurde. Eigentlich alle Fahrradfahrer und im ganz speziellen Radfahrerdamen, schlängeln sich mit Rädern in allen erdenklichen Längen und Größen (gerne sind 2 Kinder und Tagesgepäck im Stretch-E-Bike mit dabei) bedenkenlos und oft flott durch die Fußgängermengen in alle Richtungen auf den Gehwegen. Wir sind mit unseren überbreiten Packtaschen auch mit dabei. Als Fußgänger muss man schon auf der Hut sein. Das mag schon etwas Ärger in Manchen aufbauen, und wie man ja schon weiß, wird Ärger regungslos in sich aufgenommen. Meine Vermutung: Und wenn dann so mancheiner (nur ältere Männer sind darin auffällig) sich auf Regeln berufend erleichtern kann, macht er das.
Vom Bahnhof in Osaka wird noch ein wenig den Fluss entlang zum Hotel getreten. Es dämmert schon und langsam gehen, in der Skyline gegenüber, die Lichter an. Über die zahlreichen Brücken wimmelt es mit Zügen und Autos. Hübsche Szenerie, die einen kurzen Drohnenflug wert ist.
Es kommt die Idee auf, sich für ein paar Tage ein Auto zu mieten. Schließlich wollen wir zum Fuji, nach Tokyo und zu weiteren lohnenswerten Zielen, die wir jetzt noch nicht wissen. Aber nix! Die beiden Varianten von Internationalem Führerschein gelten in Japan nicht. Es wird eine amtliche Übersetzung vom Deutschen Kartenführerschein benötigt. Soll‘s beim Automobilclub JAF (japanischer ADAC) geben. In jeder größeren Stadt hat’s wohl eine Niederlassung. Also hin mit uns. Leider aber, ist diese nur noch Online zu beantragen, erklärt uns eine Mitarbeiterin und zeigt uns einen QR Code und eine kurze Erläuterung. Petra will‘s versuchen. Gibt aber nach mehreren frustrierten Stunden auf. Kommt nicht weiter. Ist angenervt. Ich bin schon lange muxmäuschenstill und versuche leise auch mein Glück. Schaff es aber nicht mal, mir einen Login Account zu generieren. Machen Programmierern gehören die Arme abgehackt! So dass sie nie wieder eine Codezeile hinpfuschen können.
Von Osaka nach Kyoto ist‘s eigentlich nur Stadt und Industrie. Die 55 km geht‘s aber komplett auf Radwegen den Fluss Yodo-gawa entlang. Oft auch auf dem Damm und man blickt über Häusermeere, zu Bergketten und Industrieanlagen. Nix wäre es, wenn wir uns auf normalen Straßen den Weg bahnen müssten. So aber, und es ist oft so, dass Flussufer als Naherholungsflächen dienen und ins Stadtzentrum führen. Hier werden die Millionenstädte Osaka und Kyoto miteinander verbunden. Und immer wieder sonstige Flächen für z.B. Golfen, Hundeplätze, Gruppengymnastik, Fischen und so Sachen. Sogar sichte ich, einen Herren, der japanischen Samurai-Schwertkampf mit einem Stock übt. Ein wenig nervig, aber sind die zahlreichen Abgrenzungspfosten. Es sollen keine Autos und Mofas durchkommen. Nur Fahrräder und Fußgänger. Und auch keine Fahrräder mit breiten Packtaschen. Wir müssen oft hieven.
In Kyoto dann, gibt es wieder eine Automobilclub JAF-Niederlassung. Aber Publikumsverkehr ist nicht angedacht. Petra aber mogelt sich durch den Hintereingang uns ist für lange Zeit dann drinnen verschwunden. Hier wurde ihr geholfen. War aber wohl auch nicht so ganz einfach. Wie auch immer, später, nach einer weiteren Hürde, kann die Übersetzung in einem kleinen Supermarkt bezahlt und ausgedruckt werden.























