In Seoul, der 10 Millionenstadt ist’s eng. Kein Platz das Laptop aufzustellen. Unterwegs dann, auf dem 4Flüsse Radweg, der uns supertoll durch Korea führt, fehlt die Muse, nach der Hausarbeit (Wäsche waschen), Körperpflege (immer verschwitzt, endlich duschen) und was Futtern (mal so, mal so), was für den Blog zu machen. Lieber verdauen, lesen und bald schlafen. Grundsätzlich hat man selten das Bedürfnis abends noch groß um die Häuser zu ziehen und was anzugucken. Ich guck ja eh schon den ganzen Tag über was an. Hab also nie das Gefühl abends was zu verpassen, wenn ich früh das Hotelzimmer ausnütze. 

In Seoul ziehe ich neue Mäntel auf die Felgen. Vor etwa 2000 km hab ich in den Vorderreifen inwandig einen dicken Patch geklebt. Immerwieder hatte sich irgendwas an der selben Stelle durchgebohrt und einen Platten verursacht. Hab das verursachende Teil nicht aus dem Mantel bekommen. Der Patch (für Autoreifen gedacht) verursacht ein Holpern. Ich merke es nur bei glattem Straßenbelag. Das nervt. In China war’s aber selten glatt. Hier in Korea sind die Radwege pfenningguad! 

Ein paar Tage verwenden wir öffenliche Verkehrsmittel und einen Hop-on-Hop-of Bus. Mehrfach drehen wir die Runde damit und klappern so dies und das ab. Tempel sind, klaro, auch dabei. Und auch Museen. 

Der 4-Flüsse-Radweg in Südkorea (Korean: 4대강 자전거길) folgt den großen Flusssystemen, die im Rahmen des „Four Major Rivers Project“ ausgebaut wurden.

Der Radweg verbindet die 4 Flüsse. 

1. Han-Gang (한강 / Han River) – fließt durch Seoul bis zur Westküste.

2. Nakdong-Gang (낙동강 / Nakdong River) – der längste Fluss Koreas, mündet bei Busan ins Meer.

3. Geum-Gang (금강 / Geum River) – mündet bei Gunsan ins Gelbe Meer.

4. Yeongsan-Gang (영산강 / Yeongsan River) – fließt durch Gwangju und mündet bei Mokpo ins Gelbe Meer.

Wir treten also den 4-Flüsse-Radweg von Seoul los. Bis zum Fluss geht’s noch, etwas mühselig, durch die Großstadt. Wenig Radwege. Aber rücksichtsvolle Autofahrer. Sonntag isses. Der gesamte Uferbereich innerhalb und weit hinter Seoul, ist mit fröhlichen Freizeitlern übersäht. Was sie alles treiben hier: SUPen, Wasserski fahren, Gymnastik üben, rollerbladen, an öffentlichen Fitnessgeräten rumfuseln und hantieren, joggen, und gemütlich spazieren. Und natürlich fleißig radeln. So manch älterer Herr tritt gemütlich dahin und hat oft irgendwas am Musikduddeln. Junge, schon recht sportlich wirkende, flitzen mit teils superschicken Rennrädern dahin. Oft im Pulk und oft alleine. Ab und zu sind auch Frauen mit dabei. Viele der Radler und Radlerinnen sind komplett vermummt. Vermutlich als Sonnenschutz. Die Radler die nicht allzu konzentriert und im Leistungsstreß in die Pedale treten, identifizieren uns als ausländische Fernradreisende und winken uns fröhlich zu, oder verneigen sich so weit wie es die jeweilige Sitzposition eben hergibt. Wir sind willkommen. Manche zeigen uns das auch mit „Daumen hoch“. Zum späten Nachmittag hin, tatsächlich auch Wochendausflügler im Rückstau, auf den nicht weit entfernten Straßen. Auch so mach ein Wohnmobil ist dabei. Der Stau stört nicht. Der Radweg ist komplett abgeschottet. 

So geht’s auch die nächsten Tage auf dem Radweg dahin. Zwei Radler tragen stolz Radtrikos mit 633 km und mit irgendeinem koreanisch Schriftzug. So weit ist es wohl noch. 

Der Weg begeistert mich komplett! Superduper ausgebaut führt er durch abwechslungsreiche Landschaft und an großen Städten vorbei. Teils wurden kilometerlange Stege dafür gebaut. Auch geht’s ab und zu auf ehemaligen Bahntrassen entlang. Und! So eine schwache Blase kann garniemand haben, so viele supersaubere Klohäuschen hat’s, teilweise auch in Verbindung mit Kiosken. Immer wieder passieren uns Sportskanonen auf ihren schicken Rennrädern. Immer wieder hat’s Golfplätze (oder so was ähnliches, eine Art Zwischending von Golf, Cricket und Minigolf), an denen Scheins nur Rentner und Rentnerinnen sich tummeln. Oft mit lustigen ausladenden Sonnenschutzhütchen. Überall an der ganzen Strecke – auch auf dem Land – sind Rastplätze mit öffentlichen Fitnessgeräten, die tatsächlich auch fleißig von den älteren Herrschaften benutzt werden. Ein sportliches Volk und auch wohl recht gesundheitsbewusst. Auf den Lebensmittelverpackungen steht überall die Kalorienanzahl. Es gibt hier fast keine dicke Menschen. Hoffentlich geht mir hier keine Klamotte flöten. Ersatz find’ ich hier wohl nicht. Teils sind Pavillons für ein Picknick aufgestellt und wahrscheinlich auch nutzbar um sein Zelt aufzuschlagen. Auch Zeltplätze und Wohnmobilstellplätze sind vereinzelt angelegt. Wir bevorzugen die Hotels. 

Abends dann, noch vor dem Duschen und Wäsche waschen, geht’s auf Essenssuche. Und wenn ich so in mich reinhöre, werde ich sogar etwas experimentierfreudiger. Nachdem mehrtägig Backhähnchen zur Auswahl stand, versuche ich dann schon mal „was weiß ich was“. Aber ohne Fisch und ohne Pilze. Da gelingt die Übersetzung. Unverhofft gab’s sogar mal eine nicht unleckere Pizza. Und von wegen meiner Sehnsucht nach Pizza und BurgerKing und Breze! An einem Rastplatz komme ich mit einem ebenfalls pausierenden Radler ins Plaudern. Bei der Feuerwehr arbeitet er und auch war er schon in Europa auf Reisen. Durch Slowenien,  Italien, Deutschland und Frankreich ist er mehrere Monate getingelt. Da fragt er mich, wie ich mit dem Essen in Korea klar komme? Er war in Europa oft bei McDonalds. (Nur der Fremde isst in der Fremde fremd) (nicht Karl Valentin). Dabei hatte er es schwerer als ich. Hier sind die feilgebotenen Gerichte oft bebildert (oft vergilbt und nur ein Mischmasch mit Gelbstich) oder liegen gleich direkt rum. Das kann auch abschreckend wirken. Zum Beispiel Krebs am Stiel oder eine undefinierbarer Masse im Teller. 

Sogar ein paar europäischen Fernradlern begegnen wir oder treffen in der selben Fahrtrichtung aufeinander. Alle kommen von Japan, oder möchten da auch hin. 

In Busan dann, geht’s zunächst gleich zum Busbahnhof. Busticketes werden erstanden. Dienstag ist es. Am Sonntag geht’s nach Wando. Dann mit der Fähre zur Insel Jeju. Ostküste ist gestrichen, Jeju soll hübscher sein. 

Durch Busan zu radeln macht erstmal keinen Spaß. Viele Hügel, steile Hügel. Der einigermaßen ebene Weg führt große Straßen entlang. Werde auch, seit Langem, mal wieder angehupt, mehrmals! 

Wir trödeln für die 630  km und 3624 Höhenmeter 9 Fahrtage dahin. Plus ein Pausentag weil Regenwetter. Insgesamt haben wir jetzt 4000 Kilometer und 24 400 Höhenmeter. 

So residieren wir also ein paar Tage direkt an der Küste in einem super Apartment. 7 Stock (von 34), Meerblick vom Balkon aus, geräumig mit Kochecke und Waschmaschine. Das Hochhaus ist neu. Einige Apartments werden wohl auch zum Verkauf angeboten. Alles ist vernetzt, die Küche spricht auf Koreanisch mit mir, sogar das Klo ist, nicht unüblich hier, elektrifiziert und mit variabel einstellbarer Brause, Trocknung und Brillenheizung. Sprechen tut’s, bisher, noch nicht mit mir. 

Hier lässt sich bequem ein Nieseltag verbringen.