Zum Glück herrscht in Seoul kein Mangel an Cafés, so dass wir genüsslich mit viel Espresso frühstücken, bevor wir auf unsere Radtour nach Süden aufbrechen. Ich hatte in der Tourismusbroschüre entdeckt, dass am Hangangfluss ein Skulpturenpark sei. Diesen wollte ich mir nicht entgehen lassen, aber außer einem 15 km Umweg war am bezeichneten Ort nichts zu entdecken. Böse Falle. Es tummeln sich die Seouler in Parks, Sportplätzen und an Kiosken am Flussufer und auf dem Radweg, was so viel Abwechslung bringt, so dass wir zudem noch am Abzweiger unserer Route voll vorbeirauschen. Unter Autobahntrassen, über etliche Brücken, von einer Flussseite zur anderen und über Nebenflüsse – die Navigation aus Seoul hinaus ist tricky. Also nochmal etliche km, die zusätzlich gestrampelt werden müssen. Lange bleibt der Skyscraper Lotte (das koreanische Imperium Lotte wurde übrigens von seinem Gründer nach Goethes Lotto aus „die Leiden des jungen Werthers“ benannt) noch zu sehen, will heißen, wirklich gut vorwärts kommen wir nicht.
Irgendwann lassen wir dann die letzten Hochhäuser hinter uns und radeln auf einer alten Bahntrasse relativ eben das Flusstal entlang. Die Gruppen an entgegenkommenden Rennradlern nehmen ab, die Rastplätze leeren sich, wir sind im ruhigen Hinterland angekommen. An einigen Stellen sind dicke Tontonnen aufgestapelt, um zu signalisieren, hier gibt es selbstgemachten Kimchi, das ikonische Lebensmittel hierzulande. Wir übernachten in einem passablen Motel, praktischerweise mit einem Restaurant daneben. In Seoul fehlte uns der Mut zur lokalen Küche, aber hier? Mit großem Appetit essen wir was auf den Tisch kommt: Bibimbap (Schweinefleisch, Salatblätter, Algenblätter, Karotten, Chinakohl vermischt mit Reis und scharfer Soße) und frittertes Hühnchen mit allerlei Beilagen (scharfer Bohnenpfannkuchen, Kimchi, Aubergine, eingelegte Zwiebeln, Krupuk). Die Menge an Auswahl stimmt sogar meinen heiklen Ehemann zufrieden.









