Schorsch: Raus aus Shanghai und nach Suzhou. Eigentlich geht’s die ganzen 70 Km entlang von Industriegebäuden. Viel internationale Firmen sind hier ansässig. Da weht schon mal ein chinesische Fahne neben der amerikanischen oder deutschen oder koreanischen oder schwedischen usw.. Aber die Chinesische Fahne ist immer mit dabei.

Übernachtung in Kushan. Erinnerungspunkt: Heiße Dusche tut sehr gut. Kalt ist es geworden. Ich fahr den ganzen Tag mit Daunenjacke.

Und auch noch ein Erinnerungspunkt. Die Räder sind schon gepackt. Ich flitze nochmal hoch ins Zimmer, um zu gucken ob ich was vergessen hab. Schon so Manches ist irgendwo unter ein Hotelbett gekullert oder aus Versehen irgendwo hin gekickt und verschwunden. Beim Verlassen des Zimmers gibt mir die Reinigungsdame noch eine Satz mit. Ich versuche ihn mir zu merken uns spreche ihn dann unten am Rad in die ÜbersetzungsApp. „Blutend, ich hebe meine Hand“, wird das übersetzt. Petra meint, mein Fehler liegt an der Betonung der Worte und versucht sich auch. Raus kommt dann „Schweinebär“. Das muss aber auch ganz bestimmt falsch sein. Wir verlassen unser Zimmer immer recht sauber. Beim Rausgehen kann man ab und zu in die bereits verlassenen Zimmer von anderen Gästen einen Blick erhaschen. Da sieht‘s oft recht wüst aus. Essensreste und Verpackungen am Boden und so.

In Suzhou dann, kommen mir die rüpelhaften Lieferdienstfahrer am häufigsten in die Quere. Schießen heftig hupend recht an mir vorbei oder queren direkt vor mir, rote Ampeln überfahrend, ein. Oft muss ich bremsen und böse schimpfen. Versteht mich ja eh keiner und Hupe hab ich keine. Dann halt so. Den Jungs mit ihren oft überbreiten Lieferkisten ist es aber wohl zu eintönig nur in Schlangenlinien durch die restlichen Verkehrsteilnehmern zu rasen. Nein, sie tatteln nebenbei noch irgendwas am Handy. Hab mich ab und zu mal rübergebeugt. Da laufen Tanzfilme oder Zeichentrick-Videos. Und so ein nebenbei Rollerraser hat dann die arme Petra am Straßenrand doch glatt übersehen und vom Rad geholt. Beide schlittern, unschön zu beobachten, über den Asphalt. Und passiert ist auch was. Die Dame klagt abends ein wenig über Rippenschmerzen und Aufschürfungen am Beinchen. Der Rollerfahrer hat den Blick vom Handy abgewandt und blickt, etwas belämmert, auf eine kleine klaffende Wunde an der Hand. Wird aber von drei älteren Damen am Straßenrand mit einem Tempo versorgt. Ohne große Zweifel über den Schuldigen aufkommen zu lassen, machen wir uns aus dem Staub. Vom Hotel dann weg in die Altstadt gehts dann lieber mit dem DiDi Taxi und nicht mit dem Rad. Und wiedermal ein voller Park wird besichtigt. Und auch die mit Kanälen durchzogene Altstadt. Und wiedermal wird eine experimentelle Essensbestellung aufgegeben, die mit der ÜbersetzungsApp nur klangvolle Phantasienamen ausgespuckt hat. Es kommt ein riesiger Teller mit geschnittenen und erhitzten roten Chilischoten und kleinen Fleischstücken mit noch kleineren darin enthaltenen Knöchelchen. Und eine Schüssel mit kalten Entenfleichscheibchen. Nur mal so am Rande erwähnt, mit was ich mich rumschlagen muss.

Petra:

In Suzhou nehmen wir ein Zimmer für drei Tage. Die Altstadt wird großspurig als das Venedig Chinas benannt. Für zwei/drei Ansichten mag das herhalten, wenn man sich abgelegene Seitenkanäle Venedigs ins Gedächtnis ruft. Aber na ja, vielleicht haben wir die wirklich netten Plätze einfach nicht entdeckt. Obgleich – dort, wo sich die   Selfiemädels platzieren, sollte es ja am Schönsten sein. Und über die Mädels stolpern wir auf Schritt und Tritt. 

Wirklich wunderbar sind die alten großen Gärten im klassischen chinesischen Stil. Der „Garten des bescheidenen Beamten“ stammt aus der Ming-Dynastie (ausgehendes Mittelalter bei uns). Die Gärten stellen eine Art Mikrokosmos dar. Felsen und Hügel verkörpern die Berge, Teiche – Seen und Meer. Immer in harmonischer und in sich ruhender Verbindung von Natur und Architektur. Ausgesuchte Pflanzen und Bäume sollen zu jeder Jahreszeit mit Farben und Formen das meditative Verweilen begleiten und philosophische Gedanken fördern.

Wie jeden Tag ist die kulinarische Verpflegung eine Herausforderung. Mutig wähle ich von der Speisekarte ein Gericht, das mir übersetzt Rindfleisch, Gemüse und Schärfe auswirft. Das Foto sieht zumindest appetitlich aus. Es kommt ein immenser Berg an gerösteten Chilischoten mit kleinen Paprika- und Fleischfitzelchen. Prinzipiell wirklich lecker, supersuperscharf natürlich, da aber während des Essens meine Lymphknoten am Hals immer stärker hervorquellen, winke ich nach Kurzem ab. Das Gericht hatte auf jeden Fall das Zeug zur Darmsanierung (Zitat Schorsch: zum Auspuff ausbrennen).