Schorsch – Über China hinweg nach Almaty: 

Das Rad wieder zurück in die Pappschachtel gestopft und auch noch einiges an Kram wie Werkzeug und schwere Sachen. Dann das Paket mit viel Klebeband wieder zugebickt. Was ein Fehler war. Die Dame am CheckIn im Flughafen Singapur nimmt‘s genau mit dem Gewicht und knöpft mir höflich 180 € für Übergepäck ab. Pro Gepäckstück maximal 24 Kilo, steht da wo. Da bin ich drüber. Hätte schon auch die Schachtel wieder aufschneiden und so manche Teile in die Packtaschen stopfen können. Die waren nämlich noch weit vom zulässigen Einzelgewicht entfernt. Aber hab ja kein Messer und kein Klebeband und die Packtaschen waren auch schon verschnürt. Grrrrrrrrrrr! Aber ich vergesse oder verdränge den Ärger ohnehin in wenigen Tagen automatisch, da kann ich‘s auch gleich vergessen. Und weil‘s jetzt eh schon Wurscht is, gleich dann noch beim Flughafen-Burgerking teuren Whopper mapfen. 

Lang und weit ist‘s von Singapur nach Almaty in Kasachstan. Der Flug geht zunächst nach Shanghai, dort übernachten und dann quer über China nach Almaty. Die Sicht ist meist klar und ich kann die ganze Strecke aus dem Fenster gucken. Zunächst ganz, ganz weit über ziemlich besiedelte Landschaft hinweg. Ab Xi’An (da waren wir letztes Jahr 3 Tage mit Markus auf MTB Tour unterwegs) beginnt das Lössplateau von Shaanxi. So weit das Auge reicht faszinieren mich tausende in Terrassen angelegte Hänge. Dann über Xunyi (旬邑县) drüber. Das liegt am nördlichen Rand der Guanzhong-Ebene und bereits mitten im südlichen Teil des chinesischen Lössplateaus. Die Landschaft dort besteht aus stark eingeschnittenen Lösshügeln und sogenannten Löss-Tafelbergen. Sieht von Oben nach interessanter Gegend aus. Falls ich mal wieder nach China mag, sollte ich mich in der Vorplanung mehr über die Gegend erkunden. 

Nach dem Terassen-Tafelbergen geht’s über die Wüste Gobi und dann über das Tian-Shan-Gebirge. Fast schon reichen die Gipfel an die Unterkante des Fliegers. 

Petra – Südostasien goodbye! 

Tausende Kilometer per Rad, tausende Kilometer per Schiff und Taxi. So viele unterschiedliche Völker und Menschen (Multikulti as it’s best) und alle sind sie uns freundlich begegnet. Dazu die üppige Natur der Tropen. Es gibt hier kaum Kommerz und Werbung, sondern nur das Notwendige. Schlichtes einfaches Leben, geprägt von Landwirtschaft und Fischerei. Kleine Kioske und Essensstände am Straßenrand sind hier die Abwechslung zur täglichen Arbeit. Lebensmittel werden direkt von den Bauern auf dem Markt gekauft oder gleich auf der eigenen Erdkrume gezogen. Eher ein Leben, wie es unsere Großeltern führten, ebenso mit tief verwurzeltem Glauben. 

Für uns gab es In den family marts immerhin ein Minimalangebot – kühles Trinkwasser, kalte Softdrinks, Eis, Nüsse, manchmal ein Gebäckstück, sonst wenig Brauchbares weil wenig natürlich:  Instantsuppe, Trockenerbsensnacks, überhaupt seltsames Trockenfutter in aufgeblasenen Plastiktüten. Nasi Goreng mit Hühnchen – unser Standardgericht in den Warungs. Mit Glück wurde es frisch zubereitet, ansonsten nur vorgekocht und lauwarm aus Reinen geschöpft. Das Hungergefühl hat sich bei mir verflüchtigt, was per se ja nicht schlecht ist. Die wirklichen Apetitanreize waren einfach zu gering, dafür hat uns das Klima und Wetter ein halbes Jahr Hochsommer fast ohne Regen geschenkt. 

Zwei Flugtage bringen uns über Shanghai – mit einer Nacht dort im Hotel – nach Almaty. Wir treiben uns deshalb noch einen Vormittag mit leichtem Tagesrucksack in der Nähe des Flughafens in Shanghai herum. Die Fahrräder und unsere Fahrradtaschen wandern ohne unser Zutun in den Anschlussflug. WeChat und die Didifunktion tun noch ihre Dienste, wie vor acht Monaten. Erinnerungen an das uns lieb gewonnene China poppen in den so typischen Straßenzügen wieder auf. Das kommt uns vor, wie ein kurzer Abstecher aus einer Zeitkapsel. Na ja, in unserem Fall ist es eine Alukapsel in 10.000 m Höhe.