Schorsch:

Manche Hochhäuser werden gerade neu gebaut. Man sieht das Innenleben, die extramassive Stahlkonstruktion. Oft hat’s hier Erdbeben. Die Insel liegt nämlich am Pazifischen Feuerring. Direkt bei Taiwan treffen zwei große tektonische Platten aufeinander: die Philippinische Meeresplatte und die Eurasische Platte, nämlich. Und tatsächlich! Auf der Ostseite wackelts wohl ein paar Tage später außergewöhnlich fest. Das Erdbeben schafft’s sogar in die europäischen Nachrichten. Zum Glück ist wohl Nix passiert. Und eines der Nachbeben rüttelt auch uns Nächtens aus dem Schlaf. Seltsames Gefühl! Und nochmals erschüttert. China ist sauer, dass die Amis Waffen nach Taiwan liefern. Zur Warnung blockieren sie für 2 Tage den See- und Luftweg. Mensch Leute! Vertragt Euch doch. Es gibt Weltweit sooo wichtige Probleme mit dem Klima zu lösen. Steckt doch da eure Kohle und Innovationen rein. 

Auch Regentage sind angekündigt, verspäten sich aber bis zu dem Tag, wo wir weiter wollen. Na ja, der Regen hört aber dann doch kurz vor dem verzögerten Start auf. Jacke und lange Hose sind aber nötig. Es ist noch ein bisschen hin zum subtropischen Wendekreis. Wir finden im Internet eine Wegbeschreibung für Fahrradreisende. Bei genauerer Betrachtung geht’s ausschließlich den Fahrradstreifen der Hauptstraße entlang. Autobahnähnlich, außer den vielen und langen Ampelphasen, die uns ausbremsen. Schnell sind aber kleinere Routen gefunden. Oft auch mit Radwegen und als Solche auch ausgeschildert. Nur im Internet fanden wir keine Routen. Zum Glück sind wir mit den Karten auf dem GPS ordentlich gerüstet. Schöne Wege und auch für Radler angelegt, führen weitab von Autoverkehr an der Küste entlang und teils auch durch Mangrovenwälder und Schilflandschaft. Oder entlang von Kanälen. Nur wenn’s über große Flüsse geht, muss oft auf die Hauptstraße zurück getreten werden. Und auch ganz hübsch: ordentlicher Rückenwind.

Irgendwann erreichen wir also den nördlichen Wendekreis der Subtropen. Tatsächlich kann wieder in kurzer Hose und T-hirt der Tag verbracht werden. Hoffe die Daunenjacke kann wieder ganz unten hin, da wo auch das Zelt hoffentlich bleiben kann.

„Comming home for Christmas“ heißt es für unsere Fahrräder. Wir machen einen Besuch bei Changebike, dem Hersteller unserer Räder. Noch vor Monaten war angedacht, dort ein Refitting machen zu lassen. Tut aber nicht Not. Nach nun 5700 km ist nichts reparaturbedürftig. Nur Zusätzliches wollen wir uns leisten. Frontschutzsbleche und für Petra einen Seitenständer. Und ich hab ja vor Monaten schon meine Fahrradverpackungstasche verschmissen. Da mag ich Ersatz haben. Und weil Weihnachten ist und weil die bei Changebike recht nette Leute sind, bekommen wir die Sachen –  unglaublich – sogar geschenkt! 

Petra: 

Gestern sind wir fleißig 80 km und 500 Hm geradelt. Das Wetter und die Temperaturen sind ideal. Ziemlich abwechslungsreich unser Tagespensum. Zuerst am Dahan-Fluss aus Taipeh hinaus. In den Uferauen ist es wunderbar zu radeln. Schade für die Anwohner, dass diese komplett per Mauer (Hochwasserschutz) von den Stadtvierteln abgetrennt sind. Einige Abschnitte sind ausgiebig mit Street-Art, wahrscheinlich als Aufgabe an Kunststudenten, bemalt. In Sanxia wird uns klar, dass die eher mangelhaft ausgeschilderte Radroute #1 nicht wirklich mit unserem heruntergeladenem gpx-Track übereinstimmt. Jener bleibt vermehrt auf den Hauptstraßen. Später gehts auf ansteigender Landstraße schweißtreibend dahin. Aber alles ist vergessen, als wir ein bildschönes Tal hinunterrollen. Oben kommen wir an Teefeldern vorbei, weiter unten sind es klein gegliederte Gemüsefelder. Und zu unserer großen Freude, ist unser vorgebuchtes Hotel ein Luxusquartier. Die Räder dürfen in der dortigen Modeboutique geparkt werden.

Diesmal haben wir es für den Weihnachtsabend ganz gut getroffen. Entenbrust an Spaghetti und ein ordentliches Hotel. Und – grünes Algenbier, das ganz gut schmeckte. Wir hatten in der Vergangenheit schon üblere Weihnachten (Thailand: Übernachten in einer Garage, China: im Schlafbus mit chinesischen Schweißfußgeruch). 24 Grad heute – zum Radeln ideal.