Schorschi:
Mitten in der Nacht, 4:30 klingelt der Wecker. Packen und los um den Bus um 6:00 nach Batumi zu erwischen. Um 7 kommt er dann und ist fast voll. Der Küstenstraße entlang, links das Schwarze Meer, rechts steil aufragende begrünte Berge. Hier ist nur Platz für die Autobahn. Nix für entspanntes Radeln. Landschaftlich schön wär’s schon. Dann die Grenze. Für mich ein neues Land auf meiner Besucherliste. Georgien! Zunächst aber muss ich schwitzen und mich ordentlich abmühen. Alle müssen aus dem Reisebus und mit all ihrem Kram die Grenze zu Fuß überwinden. Wir haben noch keine Ahnung, dass wir etwa 1 Kilometer über mehrere Stockwerke, wie beladen Kamele, die Packtaschen und die Radtaschen über oft nicht funktionierende Rolltreppen und Rollwege schleppen müssen. Dann in einer Schlange stehen und cm für cm den Kram voranschieben. Wollte sich doch tatsächlich eine Dame vordrängeln. Nach dem Verlassen der Türkei, im Niemandsgang, packen wir die Radtaschen aus, stellen unsere Räder auf die Räder, clipsen die Packtaschen ran und rollen so erleichtert die Gänge entlang bis zur georgischen Grenze. Und schon wieder ein Drängelversuch auf einer Rolltreppe von einem ebenso Dicken wir ich es bin. Ich nehme mit meinem Rad und den Packtaschen die gesamten Breite der Rollbahn in Beschlag. Was denkt er, wohin ich ausweichen soll, so dass er vorbeikommt? An der Grenze zu Georgien werde ich geknipst und das Gepäck muss durch eine Röntgenröhre. Mein Päckchen mit den Blutdrucktabletten strahlt wohl zu viel, auf dem Bildschirm der Röntgenüberwachungsdame. Die verpetzt mich und ich muss meine Taschen an der Ausgangskontrolldame auspacken und die umfangreiche Pillenpackung vorführen. Unser Bus wartet schon geduldig auf der georgischen Seite auf uns und als Letzte beladen wir alles wieder. Weil die Geduld doch seine Grenzen hat, werden die Räder ungeklappt und unverpackt auf die Koffer der Anderen gelagert. Beginnt eine Busfahrt am Startbahnhof, hat man genügend Platz und Zeit alles ordentlich in den Gepäckraum des Buses zu verstauen. Steigt man mittendrin zu, wird es oft hektisch und die Räder werden nicht mit der nötigen Sorgfalt eingelagert. Da muss ich schon selber gucken, dass nix schlecht gelagert wird. Bei der Hinfahrt noch, lagert mein verpacktes Radl gut gedämpft aus Tüten voll grüner Paprikas (Anm. Petra: für mich waren das Gärtnergurken). Nur um es zu erwähnen. Ich hab’s da nicht raufgepackt und hoffe das kein Paprika zu Schaden kam.
In Batumi ist zwar Stau, aber alles wesentlich gelassener als in der Türkei. Selten hupt einer. Und wenn, war’s sicher ein Türke. Auf dem Radl dann rollern wir doch tatsächlich auf einem roten Radweg zur Hotelsuche. Der Radweg wird zwar von Allen benutzt, Shops, Backgammon-Spielern, Fußgängern und sogar wenigen Fahrradfahrern, aber nicht von Autos. Will man die Straße an einem Zebrastreifen überqueren, halten doch tatsächlich die Autos an. Die günstigsten Unterkünfte sind in gigantischen, futuristischen Hochhäusern. Nach den Bildern im Internet zufolge sind die Zimmer toll. Zugehen tut‘s wie in einem Taubenschlag. Geschätzte 1000 Gäste fasst so ein Turm. Auch weil der Beach nicht weit ist, herrscht Gedränge. Für unsere Fahrräder ist aber kein Platz und wir ziehen weiter. Landen in einem kleineren Hotel, die sich auch um einen feinen Abstellplatz für unsere Räder mitsorgen. Im Hotel zugehörigen Restaurant lagern sie nun in einer Ecke. Und weil es Nachmittag ist und wir weder Frühstück noch Mittagessen hatten, könnten uns nun die Räder, hätten sie Augen, uns beim Schlemmen zusehen.
Die architektonischen Gegensätze der Stadt sind schon von unserem Balkon aus zu erkennen. Wir blicken in den Innenhof wellblechbedachter einfacher mehrstöckiger Wohnhäuser. Unser Ausblick erinnert etwas an „Das Fenster zum Hof“ von Hitchcock. Mit Einblick auf einige Balkone und Fenster. Im Hintergrund überragt einer der gigantischen Hotel- oder Bussinesbunker die Altsubstanz. Auch schräg! In einem der Hochhäuser ist verspielt ein Riesenrad integriert. Das abendliche Schlendern durch die Stadt ist ergiebig und es gibt lecker Eis. Es gibt belebte Parks und alle wirken fröhlich und haben Spaß. Jungs üben Fahrradstunts, Mädels schlendern und quassen fröhlich. Auf dem Hotelbalkon wird noch ein wenig „Fenster zum Hof“ geguckt. Ein Gewitter zieht auf und es soll die nächsten Tage regnen.
Hinweis: leider ist scheinbar die Performance meines Webservers ausgereizt. Es kann dauern, bis sich das ändert, aber aktuell bekommen wir keine Fotos mehr hochgeladen. Also macht euch keine Sorgen, dass der Blog nicht mehr aktuell ist.







































