Wir schlendern zum Sukhbaatarplatz. Der Lieblingsplatz der Mongolen vor dem Parlamentsgebäude. Hochzeitsgesellschaften, Soldatentrupps, Reisegruppen aus der Provinz, Kinder die hier Wheelys üben, Liebespaare, Jugendliche die Mofas in Reihe schleudern – alle sind sie anzutreffen. Zwischen Dschinggis Khaan und Kublai Khaan. Der Platz ist jetzt nicht wirklich hübsch, aber Langeweile kommt hier keine auf.

Besuch des Horrorkabinetts. Im Lamakloster im Zentrum der Stadt zu besichtigen. Maßgeblich stammen die phantastischen Arbeiten von einem Ausnahmekünstler aus dem 17. Jahrhundert: Zanabadar. Er schuf sehr feine Skulpturen, Thankas, Masken. Das ganze Interieur, über und über bemalt, geschmückt, vollgestopft, verbindet sich zu einem abgefahrenem jahrmarktbunten Albtraum. Es hängen genähte Leiber von der Decke, 8-köpfige Totenschädel, Monstergesichter und die Decke ist mit Geschlachteten bemalt, denen die Augen aus den Höhlen hängen oder die Eingeweide wie Wäsche an der Wäschleine aufgeknüpft. Im Garten draussen findet gerade eine Kindergeburtstagsfeier statt. Hallo – sozusagen im Vorhof zur Hölle!

Schorsch:

Neuer Tag: Platzwahl heute. Den Vormittag verbringen wir auf dem Hauptplatz der Nation. Dem Süchbaatar-Platz (Сүхбаатарын талбай). Ein riesiger Platz, wo auch der Dschinggis Khan seine Statue hat. Er vereinte die mongolischen Stämme und gründete das Mongolische Reich, das zu einem der größten zusammenhängenden Reiche der Geschichte wurde. Und wie alle solche Herrscher aus dem Mittelalter und bis jetzt, war er recht blutrünstig und abschreckend grausam zu denen, die sich nicht gleich unterjochen ließen.

Hier treffen sich alle möglichen Grüppchen. Brautpaare mit Gefolge und in mongolischer Tracht, Kinder und Jugendliche  juckeln auf Fahrrädern, Tandems und Gruppentretwägelchen spaßig umher. Oft auch den Opa und die Oma in Tracht mit dabei. Viele schlendern und gucken, so wie ich auch, und die Petra pinselt ein hübsches Bildchen. Irgendwann marschiert, singend, eine Militärtruppe an und posen für Gruppenfotos vor dem Tempel des mongolischen Revolutionsführers Damdiny Süchbaatar und, natürlich, auch vor der Dschinggis Khan Staue.

So um das 13. Jahrhundert war’s. Er sah sich als Werkzeug des „Ewigen Himmels“ (Tengri) mit der Mission, die Welt zu beherrschen. Und alle hier sind immer noch große Fans von Dschinggis Khan. Erst hat er die ständig zankenden Mongolenstämme mit harter Hand geeint, dann gemerkt: Steppe ist schön, aber wenig zu essen und nix zu holen. Also: ab nach draußen, Beute machen! Mit seiner ultraschnellen Reiterarmee pflügte er durch Asien, immer mit dem Motto: „Unterwerft euch – oder verschwindet aus der Geschichte.“ Wer brav Tribut zahlte, durfte bleiben. Wer frech wurde, wurde grausam abmerixelt. Schätzungsweise 0,5 % aller Männer weltweit tragen heute noch seine Gene – der Mann war also auch in „anderen Bereichen“ sehr expansiv.