17,96755° N, 102,60403° O / 17,88408° N, 102,74263° O

Schorsch:

Die Freundschaftsbrücke über den Mekong ist gleichzeitig Grenze zwischen Laos und Thailand. Mit Rädern ist die Drüberfahrt nicht erlaubt. Die Räder und wir kommen in einen Bus. Zusammen mit allen anderen Fußgängern. Eng! 

Einiges is zu erledigen. Petra bekommt eine neue Zahnkrone zurechtgeschnitzt. Das dauert eine Woche. Zunächst war Losradeln  angedacht und in einer Woche irgendwie zurück zur Zahnabholung. Ein Rachenkratzen im Damenhals lässt sie einen Tag verschlafen und schlapp sein. Dann wollen wir die Impfung gegen Japanische Encephalitis auffrischen lassen. Dann ist Wochenende. Impfung erst am Montag wieder möglich. Dann kommt der Gedanke auf, den Lohnsteuer-Jahresausgleich zu erledigen. Wir werden wohl bis zur Zahnung hier bleiben. Nicht der schlechteste Ort. Kleines und günstiges Resort mit sogar Swimmingpool. Wir residieren in einem kleinen Bungalow für 26 € die Nacht mit akzeptablem Frühstück. Gerade tipple ich im Banana-Milkshake-Garten, gemütlich unter Sternen und Vollmondhimmel sitzend, diesen Text. Am Nachbartisch fröhliches Geplaudere von älteren Engländerherren mit mitteljungen Thaifrauen. Oder kartenspielendes Leipziger Rentnerpärchen. Oder weitere Europäer, die noch ein Bierchen zischen. In der Nähe fließt der Mekong gemütlich die Kilometer lange Promenade lang. Dort gibt’s Essenstände oder Plastikhocker-Lokalitäten. Die Einheimischen schlendern oder tänzeln im Gymnastikrythmus in der abendlichen Sportrunde. Gesellig was los. Tatsächlich richtige Urlaubsstimmung.

Folgetage:

So wie’s sein soll ist’s hier. Im gartenähnlichem Resort mit sogar Pool und Sommerwetter warten, auf die neue Krone für die Königin. Während ich ein wenig an den Rädern rumnestle, zwitschern laut und gesellig einige Vögelchen fröhlich rum. Oder sind‘s Warnrufe über die graufarbigen Eichhörnchen die umherjägern. Die Königin sitzt gebeugt, aber hübsch auf der Terrasse über dem Lohnsteuerjahresausgleich und den Nebenkostenabrechnungen. Noch ist ihre Stimmung einigermaßen entspannt. Das kann sich aber schnell ändern. Vorsorglich liegen Snickers umd Twix im Kühlschrank. Vorsorglich liegt meine Badehose bereit für den Pool. 

Thailand ist hier insgesamt ganz anders als die Länder davor. Friedlich und rücksichtsvoll sind alle Verkehrsteilnehmer zueinander. Ab und zu radeln wir durch die Stadt zur Mekong Uferpromenade zum lauschigen Abendessen. Ab und zu streife ich durch den Ort, auf der Suche nach Wäscherei oder Schrauben und so. (Einen riesigen Baumarkt hat’s hier). Kein Hupen und kein Drängeln, kein gegenseitiges Gefährden. Sehr angenehm. Hoffentlich bleibt’s so. Den größten Streß und die größte Gefahr sind wohl im ländlichen Bereich die Hundehorden. „Hol‘s Stöckchen“, heißt’s für uns. Wir müssen wohl noch losziehen um geeignete Schlagstöcke zur Verteidigung von Leib und Leben zu besorgen. 

Hier ist wohl auch ein kleines Rentnerparadies. Abseits von quirligen touristischen Hotspots ist’s hier geruhsamer und günstiger. Einige, schon ältere europäische Herren, haben hier eine Frau und eine Heimat gefunden. Sei wohl alles besser, hier als in England, Deutschland oder der Niederlande, sagt ein 70-jähriger Bäcker aus Bad Türkheim, der schon seit über 20 Jahren hier lebt. Für einige Europäer liegen wohl schon leckere Vollkornsemmen und Brotlaiber bereit zur Abholung. Er versorgt wohl auch eine kleine europäische Community mit Backwaren und uns mit Lecker Käsekuchen. 

Wobei, im Sommer wird’s auch ihm zu heiß, sagt er. Bei 45 Grad ist’s unter seinem Kaffeegarten-Blechdach unerträglich. Und genügend Touristen kommen nur zwischen Dezember und Mai. Da verkriechen sich er und seine Frau in den Raum mit Klimaanlage. 

Und weil’s hier bei dem Pfälzer so schon heimelig ist, lässt die Dame ihren Rucksack liegen. Eine Stunde später fällt das auf. Schnell zurück, auch gegen einige Einbahnstraßen. Aber die thailändischen Verkehrsteilnehmer passen auf uns auf.

Im Krankenhaus der Stadt gibt’s für uns die – nach einem Jahr nötige – Auffrischungsimpfung gegen Japanische Enzephalitis. Eine teils tödliche Erkrankung, die durch Mückenstiche verbreitet wird. Im großen Wartesaal und Anmeldebereich liegen auch schon mal Einige auf Rolltragen, sichtlich desolat und warten auf was. Meist betreut von Angehörigen. Und das hier ist nicht die Notaufnahme. Die ist ein Haus weiter.