(12.7975962, 99.8027518)
Über unseren Loose-Reiseführer kommen wir drauf, das Wildlife Refuge bei Ban Khao Lukchang zu besuchen, denn der große Nationalpark Kueng Krachan liegt für uns zu weit ab. Ein dänischer Modehersteller hat diese NGO vor 24 Jahren gegründet, um Wildtieren, die in der Wildnis nicht überlebensfähig wären – hauptsächlich aus Gefangenschaft, falscher Domestizierung, Krankheit, Verletzung oder illegaler Zucht – quasi ein riesiges Tierheim zu geben. Das Lodge für uns lässt keine Wünsche offen, ist auch nicht gerade billig, aber es dient ja auch für einen guten Zweck. Da ich gerade den (zwiespältig beurteilten) Roman „Trophäe“ lese, passt die Umgebung ideal. Elefanten vorm Infinity Pool – das hat schon einen touch zum Dekadenten. Oder mache ich mir da einen zu großen Kopf? Wir reisen meist „off the beaten track“ und lassen durchaus Geld bei kleinen Hotels und Restaurants, die seit Corona wahrscheinlich zu kämpfen haben. Dennoch – wir sind die Superpriveligierten. Egos im unendlichen Urlaub. Fernsehschauend zuhause, wäre wohl aber auch nicht viel besser. Sinnvoll wäre, sich gesellschaftlich oder sozial aktiv einzubringen, etwas für die Gemeinschaft zu tun. Mmmh, in einem anderen Leben wohl und na ja, wenigstens Steuern zahlen wir ganz ordentlich …
Zurück zu den Tieren. Bei einer Tagestour durch das ganze Areal, werden die Geschichten erzählt, die hinter den einzelnen Tieren stehen. Besonders beschämend, dass geschützte Tiere wie das Plumplori, als Fotomodell für Touristen missbraucht werden. Die putzigen Tiere besitzen riesengroße Augen, weil nachaktiv. Um sie tagsüber munter zu halten, gibt man ihnen Drogen. Sonnenlicht ist schädlich für sie und sie erblinden tragischerweise mit der Zeit. Zwei Tage zuvor hatte ich genau solch einen Plumplori als Fotoprop (Fotorequisite) gesehen. Leider hatte ich von dem Mädchen mit dem Tier kein Beweisfoto aufgenommen, sonst hätte ich dies der Organisation melden können, die dann versuchen mithilfe von Polizei und Behörden die Tiere zu konfiszieren. Verpetzen ist zwar mies, aber im Endeffekt werden sonst bedrohte Tierarten noch weiter bedrängt.
Neun Tiger stammten aus dem Tierpark von Pukhet, einem Touristenhotspot. Während Corona konnte der Zoo dann das Geld für das Fressen nicht mehr aufbringen und wurde geschlossen. Da die Tiere zudem aus illegaler (In)Zucht stammten, sind sie auch für den Genpool der Art ungeeignet und in freier Wildbahn würden sie nicht überleben. Zum Glück herrscht in Thailand kein Hunger, sonst stellte sich noch eine ganz andere Frage. Aber ja, im Grunde ist es gut, dass auch diesen Tieren ein Recht auf Leben gegeben wird, da sie zu genüge vom Menschen ausgenutzt wurden. Die Einen setzen sich für Tiere ein, Andere für Menschen. Und ich hingegen bin noch nicht mal Vegetarierin!
Schorsch:
Der nächste Stopp ist im Elefanten Resort. Sehr schön abgelegen erinnert es mich ein wenig an Daktari und die hübsche Logde vom Doc. Und, ätsch, wir haben zusätzlich noch einen Pool auf dem Gelände. Gleich wird dort der Nachmittag abgehangen. Mit hübschem weiten Blick übers Gelände auf dem Elefanten schlendern und kleineren Inseln als Tummelareal für Gibbons, mitsamt Geräuschkulisse der fröhlichen Affenbande. Wir haben für den nächsten Tag eine Infotour gebucht. Dauer bis 16:00. Und jetzt, am Vortag des Ausfluges wird gleichschon klar, dass dann ein Weiterradeln nicht ins Wellnessprogramm passt. Es wird ein Tag verlängert. Tatsächlich schon wünschenswert schön hier. Abendessen auf der offenen Veranda, Elefanten ziehen gemächlich auf ihrer Abendrunde vorbei und Affenrufe in der Ferne. Das ist jetzt schon ganz schön supertoll!
Tagestour:
Der gebuchte Ausflug ist auch für Kleinkinder tauglich. Im Pulk mit etwa 40 Weiteren, Tagesausflüglern aus Bangkok oder sonst wo her gekarrt, geht’s zunächst zum Infofilm und dann auf Tour in 3 offenen, sehr großen Golfwägelchen. Dies hier ist weder ein Zoo noch ein Wildlive Touripark. Es ist ein Heim für Wildtiere die es schlecht hatten, verletzt wurden oder sonst was Mieses. Die werden hier aufgepäppelt. 95% haben keine Chance in freier Wildnis zu überleben. Die Affen stammen oft aus Privatbesitz, die dann überdrüssig wurden. Oft auch schlecht behandelt, in engsten Käfigen eingesperrt. Tiger die aus dem Zoo in Pucket sind. Der ging während Corona-Zeit Pleite und hatte kein Geld mehr für Futter. Die Elefanten kommen von Touri-Reit-Geschäften oder auch Zoos und so. Keiner der Tiere hat ein Leben in Freiheit genossen und seine Instinkte entwickeln können. Und jetzt sind sie hier. Ab und zu leider auch in Einzelgehegen, weil sie mit weiteren Artgenossen unverträglich sind. Oft aber könne sie mit weiteren Spezeln oder Spezelinen rumtollen. Die meisten Elefanten haben schon ein recht großes und gemeinsames Areal zur Verfügung und spazieren dann später noch vor unserem Pool auf ihrer Abendrunde vorbei. Gute Sache hier. So ähnlich wie Aiderbichl. Finanziert wird das Ganze durch Spenden, die Zimmervermietung und den Touritagestouren. 150 Mitarbeiter hat’s. Einige aus der Region finden eine Arbeitsplatz und einige Volunteers tummeln sich in Grüppchen und haben Spaß bei der Essenszubereitung für die Tiere oder beim Säubern der Gehege. Ein Grüppchen führt auch schon mal einen Elefanten spazieren. Wer also Lust hat …

































